Egerkingen
Nur vergesslich – oder schon dement? Vortrag stiess auf grosses Interesse

Die Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu (GAG) lud ins Alterszentrum Sunnepark in Egerkingen ein. Thema: Demenz-Krankheit. Das Interesse war gross.

Urs Amacher
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Man schätzt, dass im Kanton Solothurn etwas 3500 Menschen an Demenz erkrankt sind, in der Schweiz rechnet man 113 000. Rund die Hälfte davon lebt zuhause. (Symbolbild)

Man schätzt, dass im Kanton Solothurn etwas 3500 Menschen an Demenz erkrankt sind, in der Schweiz rechnet man 113 000. Rund die Hälfte davon lebt zuhause. (Symbolbild)

Keystone

Bin ich einfach bloss vergesslich, oder habe ich bereits Demenz? Diese Frage war der Ausgangspunkt für die erste öffentliche Veranstaltung, zu der die Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu (GAG) ins Alterszentrum Sunnepark in Egerkingen eingeladen hatte. Das Echo war gross.

Über hundert Interessierte folgten der Einladung zum Vortrag von Oliver Prince über die Demenz-Krankheit. Prince ist Leitender Arzt der Akutgeriatrie und der Memory Clinic am Kantonsspital Olten. Äusserer Anlass war auch ein neues Angebot, wie die stellvertretende Geschäftsleiterin des GAG, Gina Kunst erklärte.

Seit Dezember 2014 führt die GAG im Haus Stapfenmatt in Niederbuchsiten drei betreute Wohngruppen für 25 Menschen mit Demenz und bietet ihnen ein geschütztes Zuhause.

Oliver Prince, Leitender Arzt der Memory Clinic am Kantonsspital Olten, und Gina Kunst, stellvertretende Geschäftsleiterin des GAG

Oliver Prince, Leitender Arzt der Memory Clinic am Kantonsspital Olten, und Gina Kunst, stellvertretende Geschäftsleiterin des GAG

Urs Amacher

Altern ist keine Krankheit

«Altern ist ein Veränderungsprozess. Es ist normal, dass mit zunehmendem Alter die Leistungsfähigkeit abnimmt», hielt Oliver Prince gleich zu Beginn seines Vortrages fest. Nicht nur die Haut und die Muskeln werden schlaffer, auch die Spannkraft der Organe nimmt ab. So auch die des Gehirns. Das Kurzzeitgedächtnis oder die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu erfassen wird ebenso reduziert wie die Geschwindigkeit, mit der wir geistige Inputs im Kopf verarbeiten.

Im Gegensatz zu solchem normalen Alterungsprozess ist Demenz die Folge einer Krankheit. Im Wort Demenz steckt der lateinische Ausdruck «mens» für Verstand oder denkender Geist. Demenz heisst also wörtlich «Entgeistigung». Demenz bedeutet eine Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeiten, verbunden mit Problemen, seine alltäglichen Tätigkeiten selbstständig zu verrichten. Man schätzt, dass im Kanton Solothurn etwas 3500 Menschen an Demenz erkrankt sind, in der Schweiz rechnet man 113 000. Rund die Hälfte davon lebt zuhause.

Verschiedene Arten der Demenz

Demenz ist ein Oberbegriff für verminderte Hirnleistungen. Es gibt aber verschiedene Ausprägungen, führte Prince weiter aus. Wenn beim Gehirn ein schleichendes Absterben Nervenzellen und der Funktionen erfolgt, spricht man von Alzheimer. Diese neurodegenerative Erkrankung ist die häufigste Form. Demenz kann auch durch eine Gefässerkrankung hervorgerufen werden.

Wegen der Durchblutungsstörung wird das Hirngewebe nicht mehr genügend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Diese vaskulare (gefässbedingte) Demenz hat oft einen plötzlichen Beginn. Entzündliche Krankheiten (Creutzfeld-Jacobs) oder Stoffwechselstörungen, etwa eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüsen, können ebenfalls Ursachen für Demenz sein.

Demenz wird auch Krankheit des Vergessens genannt. Jedoch bedeutet nicht jede Gedächtnisstörung, dass zwangsläufig Demenz vorliegt. Sie kann aber ein Hinweis sein, sodass eine genaue Abklärung durch den Hausarzt angezeigt sein könnte.

Was der Spezialist empfiehlt

Eine Heilung ist gegenwärtig nicht möglich. Medikamente bewirken nur eine Verlangsamung des Krankheitsverlaufs ab. Ziel der Behandlung von Demenz ist generell die Aufrechterhaltung der Aktivitäten im täglichen Leben. Es gibt also auch nicht-medikamentöse Mittel wie Gedächtnistraining oder Ergotherapie.

«Eine frühzeitige und gründliche Abklärung ist eminent wichtig», ist Oliver Prince überzeugt. Im Gegensatz zur Demenz selber kann man mit Vorbeugung (gesunde Ernährung, nicht Rauchen) das Risiko vermindern oder können ihre Ursachen durchaus mit Medikamenten behandelt werden.

Bei einer frühen Erkennung der Demenz kann das zukünftige individuelle Leben besser geplant werden. So empfiehlt es sich, eine Vorsorge-Vollmacht und eine Patientenverfügung bei klarem Geist zu verfassen.

Allenfalls lohnen sich Umbauten am Haus oder eine bessere Wohnungseinrichtung, um Alltagsrisiken in Küche, Schlafzimmer und Garten zu minimieren. Es ist von Vorteil, das persönliche Umfeld zu informieren, die Pflege zuhause, in einer Tagesstätte oder einem Heim zu planen und den Zugang zu den sozialen Leistungen sicherzustellen.

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