Was wäre die Vorweihnachtszeit ohne das Chlausaussenden in der hell erleuchteten Kirche oder die Samichlaus-Besuche in den warmen Stuben? Das dachten sich 1949 wohl auch die Egerkinger und führten in diesem Jahr die ersten Chlausbesuche durch. Verantwortlich dafür war zuerst die Jungmannschaft und später die Jugendgruppe, aus der im Jahre 1997 die Chlausezunft Egerkingen entstand. «Nach 20 Jahren Jugendgruppe kamen wir zum Entschluss, dass der Name Jugendgruppe nicht mehr sonderlich gut zu uns passt», sagt Wolfgang von Arx lachend. Er ist sowohl Gründungsmitglied der Jugendgruppe als auch der Chlausezunft und übernimmt im Jubiläumsjahr das Amt des stellvertretenden OK-Präsidenten.

Bereits 1995 erfolgte das erste Aussenden in der Kirche St. Martin. Der Erfolg veranlasste die Veranstalter zur Gründung einer Zunft. Schon vor 20 Jahren war das Programm dreiteilig: Feier in der Kirche, Umzug durch die Gemeinde mit anschliessender Festwirtschaft. Musste sich die Jungmannschaft in den 1970er-Jahren aufgrund mangelnden Nachwuchses auflösen, kann sich die Chlausezunft darüber nicht beklagen, gehören ihr doch mittlerweile über 100 Personen an. Will man Mitglied werden, heisst es, eine zweijährige Gesellenzeit zu überstehen. Erst nach Ablauf der 24 Monate wird man am Chlausen-Bott als richtiger Zünftler in den Verein aufgenommen.

Innerschweizer Brauchtum

Ein wichtiger Bestandteil des Egerkinger Brauchtums sind die Iffelen. Ursprünglich aus der Innerschweiz stammend, gibt es mittlerweile mehrere Vereine im Gäu, die diese Tradition pflegen: Neben Egerkingen sind dies Neuendorf und Härkingen. 12 Kilo schwer sind sie, die Egerkinger Iffelen. Die Herstellung für eine Einzige kostet etwa 200 Franken und nimmt ungefähr 100 Stunden Arbeit in Anspruch. «Das ist zehnmal weniger als früher», sagt Wolfgang von Arx stolz. Er hat 2005 mit dem Anfertigen der Iffelen angefangen und bis jetzt 66 der insgesamt 71 Iffelen gezeichnet. Dafür hat er eigens eine Technik entwickelt. Traditionell werden sie aus Karton gestanzt und mit farbigem Seidenstoff hinterlegt. Da für diese Prozedur sehr viel Zeit gebraucht wird, suchte von Arx nach Alternativen. Und fand sie in einem digitalen Zeichnungsprogramm, laminiertem Papier und einem Holzgestell. «Geometrische Formen sind einfach zum Zeichnen. Komplizierter wird es bei Bildern, bei denen kein einziges Element gleich ist», meint Wolfgang von Arx. Die Sujets werden auf dem Computer gezeichnet, anschliessend ausgedruckt und laminiert. Mit Klettstreifen werden sie auf einem Holzgestell befestigt. Damit sie vor Regen und Schnee geschützt sind, werden Glasplatten montiert. Im Inneren der Iffele brennen acht Kerzen. Ausserdem ist in jeder Einzelnen eine elektrische Beleuchtung installiert, die zum Beispiel in der Kirche gebraucht wird. Das einzige Problem ist der Wind: «Dann wird es schwieriger, die Iffele zu tragen», weiss Wolfgang von Arx.

Sieben Gastvereine

Auch am diesjährigen runden Geburtstag spielen die Iffelen eine wichtige Rolle: Speziell für den Anlass wurde eine Jubiläums-Iffele kreiert. Sie zeigt geometrische Figuren und in der Mitte ein Kreuz. Sie wird am Umzug, der nach dem Aussenden durch das Dorf geht, zu sehen sein. Für das Jubiläum hat die Chlausezunft Egerkingen sieben Gastvereine aus nah und fern eingeladen. Es sind dies unter anderem die Samichlauszunft Neuendorf, die Treichlergruppe Juragruss aus Welschenrohr oder die «Samichlais» aus Beckenried im Kanton Nidwalden. Laut Wolfgang von Arx werden über 500 Personen am halbstündigen Umzug teilnehmen. Traditionell hält der Samichlaus nach dem Umzug auf dem Martinsplatz eine kurze Ansprache. Im Jubiläumsjahr übernimmt dies aber Weihbischof Martin Gächter, der auch am Aussenden teilnehmen wird.

Neues Bischofsgewand

Bei einer solch hohen Zahl an Mitmachenden werden auch dementsprechend viele Zuschauer erwartet. Dies bestätigt auch Wolfgang von Arx. «Wir möchten den Zaungästen diese Schweizer Tradition näherbringen und es soll für alle Beteiligten ein unvergesslicher Anlass werden.» Extra für das 20-jährige Jubiläum wurde ein neues Bischofsgewand angeschafft, welches der Samichlaus am Aussenden tragen wird.

Angst vor dem grossen Tag hat Wolfgang von Arx, der in 20 Jahren keinen einzigen Umzug absagen musste, keine. Die Vorbereitungen, die bereits im Mai angefangen hatten, seien gut gelaufen: «Nur Petrus kann uns das Fest noch verderben», sagt er lachend und hofft, dass sich der Apostel an diesem Abend zurück hält.

Jubiläumsaussenden mit anschliessendem Umzug, Festansprache und Festwirtschaft: 29. November, ab 17.30 Uhr, Kirche St. Martin, Egerkingen