Laupersdorf
Nur der Segen der Regierung fehlt der Grotte noch

Am Feiertag von Mariä Himmelfahrt besuchen Gläubige die Lourdes-Grotte in Laupersdorf. Pfarrer Marc Ntetem leitete den Gottesdienst und segnete die Anwesenden. Was viele nicht wissen: Der Bau der Grotte selbst wurde von der Regierung nie gesegnet.

Alois Winiger
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Die Lourdes-Grotte am Nordhang von Laupersdorf
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Lourdes-Grotte Laupersdorf
Unterhalb der Grotte bietet ein grosszügiger Platz Gelegenheit für einen Gottesdienst
Gottesdienst

Die Lourdes-Grotte am Nordhang von Laupersdorf

Alois Winiger

Es waren keine Volksmassen, die am Donnerstag zum Gottesdienst bei der Lourdes-Grotte gezogen waren. Aber doch eine respektable Anzahl Leute, die sich freuten über die friedliche Stimmung in der kühlen Schlucht, und Pfarrer Marc Ntetem meinte bei der Begrüssung: «Schöneres Wetter gibt es gar nicht.» In der Tat passte alles: Die Mariengrotte war mit frischen Blumen geschmückt, Kerzen brannten und der Kirchenchor sang Lieder zu Ehren Mariens. Schliesslich war ja auch das Fest Mariä Himmelfahrt. Und wie bei Gottesdiensten üblich, rief der Priester am Schluss den Segen Gottes herab auf die Gläubigen.

Genau genommen hätte die Grotte selber ebenfalls einen Segen benötigt, nämlich jenen der Solothurner Regierung seinerzeit beim Bau im Jahre 1954. Aber dieser Segen fehlt bis heute, denn das kantonale Baudepartement wurde gar nie über das Vorhaben informiert, wie Wolfgang Hafner im Buch «Dort oben die Freiheit; Streifzüge durch den Solothurner Jura» schreibt.

Eine Grottenkommission plante eifrig und vergab Arbeiten, aber die Tatsache, dass die Grotte in der Juraschutzzone zu liegen kommt, sei in keiner Sitzung erwähnt worden, berichtet Hafner. Er zitiert den Aktuar, wie der Platz gefunden wurde: «Wir stehen hier vor einem natürlichen Wasserfall, der ein romantisches Rauschen erzeugt. Der Bach soll hier einige Quadratmeter überbrückt werden, um für Andächtige unmittelbar vor der Grotte Platz zu schaffen.»

Höhle gesprengt

Die Eingriffe in die Natur waren beachtlich. Um für die Darstellung von der Gottesmutter Maria und der vor ihr knienden Bernadette – dem Bild des Originals in Lourdes nachempfunden – wurde eine Höhle aus dem Berg herausgesprengt. Das wurde durch Profimineure erledigt, die Maurerarbeiten hingegen von Initianten der Grotte. Verschiedene Bildhauer wurden fürs Herstellen der erwähnten Figuren angefragt. So auch Jean «Schang» Hutter. Aber der war zu teuer und zudem gefiel sein Vorschlag weniger gut als jener von «Bildhauer Peyer aus Einsiedeln», der dann den Auftrag bekam.

Apropos teuer: Das Kostenmanagement, wie man es heute nennen würde, war straff geführt, wie Wolfgang Hafner weiter berichtet. Der am Bau beteiligte Unternehmer mahnte zum Beispiel, die Grotte nicht zu weit in den Wald hineinzuverlegen, «da die Kosten des Zugangweges davon abhängig sind.» Bei der Suche nach Spenden ging man nicht eben zimperlich vor. Einer der Hauptinitianten der Grotte bearbeitete Unternehmer, die Aufträge der Gemeinde Laupersdorf erhielten. Im Schreiben an Metallbauer Stebler in Nunningen etwa, der den Auftrag für eine Heizungsanlage im Schulhaus erhalten hatte, hiess es sinngemäss, man hoffe, die Geschäftsleitung werde ihr Möglichstes tun und «ein wirklich angemessenes Almosen leisten».

Interessant ist es zwar, zu wissen, wie die Grotte entstanden ist. Aber warum soll man sich heute noch gross darum kümmern? Besser ist: Hingehen, einige Minuten verweilen und die Stille auf sich wirken lassen.