Balsthal
Nummernschild von Falschparker landet nach Streit auf Migros-Flachdach

Der Streit um einen missbräuchlich benutzten Behindertenparkplatz bei der Migros Balsthal endet für Clemens Hellstern vor Gericht. Er hatte den Falschparker zur Rede gestellt. Im Eifer warf er das Nummernschild des Seats auf ein Flachdach.

Erwin von Arb
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Bei diesem Behindertenparkplatz in Balsthal stellte Clemens Hellstern am 5. Juli 2014 einen Falschparker zur Rede.

Bei diesem Behindertenparkplatz in Balsthal stellte Clemens Hellstern am 5. Juli 2014 einen Falschparker zur Rede.

Erwin von arb

Nicht alltägliche Szenen spielten sich am 5. Juli 2014 auf dem Parkplatz der Migros in Balsthal ab. An jenem Samstag suchte dort kurz nach 12 Uhr ein junges Pärchen in einem gelben Seat Leon ein freies Parkfeld. Weil kein solches zu finden war, stellte der damals 25-jährige Mann aus dem Thal sein Fahrzeug auf einem Behindertenparkplatz ab. Als er danach mit seiner 24-jährigen Freundin zum Migros-Laden gehen wollte, stellte ihn Clemens Hellstern zu Rede. Der 55-jährige Balsthaler führte dem Seat-Fahrer vor Augen, dass er auf diesem Parkfeld nicht parkieren dürfe, weil dieses für körperlich behinderte Menschen reserviert sei.

Als «Dubel» bezeichnet

Der Mann schenkte Hellstern aber kein Gehör und gab ihm stattdessen zu verstehen, dass er ihm nichts zu sagen habe. Hellstern, der sich arrogant abgekanzelt fühlte, wollte das Gespräch noch nicht beenden. Mit dem Spruch, dieser Parkplatz sei für körperlich Behinderte, nicht aber für geistig Behinderte reserviert, schaffte er es, dass sich der Mann wieder ihm zuwandte. Im folgenden Wortgefecht machte Hellstern dem jungen Paar deutlich, dass Leute, die missbräuchlich einen Behindertenparkplatz belegen, in seinen Augen «Duble» seien.

Als sich das Pärchen danach in den Laden begab, war für Hellstern das Mass voll. In seiner Wut über das erfahrene Unverständnis schrieb er auf die mit einer dicken Staubschicht bedeckte Carrosserie des Seats die Worte «Ich bin ein Dubel». Danach entfernte er das vordere Nummernschild und warf es in hohem Bogen auf das Dach des Migros-Ladens.

Strafbefehl flatterte ins Haus

Dass er dabei von einem Zeugen beachtet worden war, erfuhr Clemens Hellstern erst, als ihm im Oktober ein Strafbefehl der Staatsanwaltschaft ins Haus flatterte. Darin wurde ihm vorgeworfen, den Seat-Fahrer an besagten Tag auf dem Migrosparkplatz als «verdammten Dubel» beschimpft zu haben. Damit habe er den Geschädigten in seiner Ehre verletzt, so die Staatsanwaltschaft. Ferner wurde Hellstern der Störung der öffentlichen Ordnung durch groben Unfug bezichtigt. Dies, weil er das Nummernschild vom Seat des jungen Mannes entfernt und dieses danach auf das Fachdach der Migros geworfen hatte.

Mit dieser Aktion habe er verhindern wollen, dass der in jeder Beziehung uneinsichtige Seat-Fahrer ungeschoren davon komme, sagte Hellstern am Donnerstag vor Amtsgericht Thal-Gäu. Das habe dann auch funktioniert, weil der junge Mann die Polizei habe aufbieten müssen, um sein Nummernschild vom Dach der Migros herunterzuholen, meinte Hellstern mit einer gewissen Genugtuung.

120 Franken Busse für Seat-Fahrer

Wie am Rand der Verhandlung zu erfahren war, hatte der Seat-Fahrer vorher vergeblich versucht, sein Kontrollschild selbst vom Dach zu holen. «Der Abwart war aber nicht aufzutreiben», so der 26-jährige freimütig. Sein Auto habe er auf dem Behindertenparkplatz abgestellt, weil er nur einen Artikel habe einkaufen wollen. «Hätte ich nicht dort parkiert, wäre bald ein anderer gekommen», versuchte er sich zu rechtfertigen. Die dafür ausgesprochene Busse von 120 Franken habe er umgehend bezahlt.

Bei der gerichtlichen Befragung des Geschädigten als Zeugen, der auf Nachfrage vom Amtsgerichtsstatthalterin Barbara Steiner zum Kläger mutierte, spielten diese Umstände keine Rolle. Es genügte, dass Hellstern bestätigte, dass der Ausdruck «Dubel» gefallen sei und er das Nummernschild des Autos auf das Migros-Dach geworfen habe. Bestätigt wurde Letzteres vom geladenen Zeugen.

Bedingte Geldstrafe

Nach kurzer Beratung verurteilte das Gericht Clemens Hellstern wegen Beschimpfung und Störung der öffentlichen Ordnung durch groben Unfug zu einer Geldstrafe von fünf Tagessätzen zu je 80 Franken, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren. Zudem muss er eine Busse von 60 Franken bezahlen. Die Gerichtskosten in der Höhe von 750 Franken wurden Hellstern ebenfalls auferlegt. Wenn keine schriftliche Urteilsbegründung eingefordert wird, reduzieren sich die Verfahrenskosten auf 500 Franken.

Amtsgerichtsstatthalterin Barbara Steiner räumte ein gewisses Verständnis für die Haltung von Clemens Hellstern ein, ermahnte diesen aber, künftig andere Wege zu beschreiten, um seinen Argumenten Ausdruck zu verleihen.

«Urteil ist eine Gemeinheit»

Hellstern hatte kein Verständnis für dieses Urteil. «Das ist eine Gemeinheit, schliesslich hab ich mich für behinderte Menschen eingesetzt», sagte er nach der Verhandlung empört. Wirklich stolz sei er trotzdem nicht, dass er sich zu dieser Tat habe hinreissen lassen. Er werde sich aber auch in Zukunft für benachteiligte Menschen einsetzen, so wie er das schon seit über 20 Jahren tue. «Ab sofort werde ich die Polizei rufen oder die Parksünder fotografieren. Nicht nur in Balsthal, sondern überall, wo ich solche Leute antreffe».

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