Egerkingen
Noch wird in der Fridau geheiratet

Der Egerkinger «Kreuz»-Wirt Louis Bischofberger bringt neues Leben in die Fridau und bedauert deren Nutzung als Asylzentrum.

Erwin von Arb
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In der Fridau wird geheiratet
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Diese Räume werden für die Hochzeit auch genutzt.
Der Treppenaufgang im Eingangsbereich.
Der grosse Saal im Parterre der Fridau.
In diesem Garten wird sich die Hochzeitsgesellschaft bei gutem Wetter tummeln.

In der Fridau wird geheiratet

Erwin von Arb

Dass die Fridau schon bald als Asylzentrum für maximal 80 Personen genutzt werden darf, löst nicht nur bei der Einwohnergemeinde Betroffenheit aus. Auch der umtriebige «Kreuz»-Wirt Louis Bischofberger tut sich schwer mit diesem Gedanken, zumal er vom Urteil des Verwaltungsgerichts, dass die Fridau vom Kanton als Asylzentrum genutzt werden darf, selbst betroffen ist. Der Gastronom sieht seine Pläne, mit Veranstaltungen und Events neues Leben in das ehemalige Kurhaus zu bringen, gefährdet. Mit dem Kanton hatte er nämlich erst vor ein paar Tagen eine Nutzungsvereinbarung für das Erdgeschoss der Fridau samt der Gartenanlage ausgehandelt. «Dieses Haus hat ein grosses Potenzial und ist einfach einzigartig gelegen. Das ist ein Kraftort, man fühlt sich einfach wohl», schwärmt der 58-jährige Gastwirt.

Ein erster Grossanlass geht am Freitag, 15. August, über die Bühne. Bischofberger lädt die Bevölkerung von 11 bis 17 Uhr im «Kurpark Fridau» zum grossen Familienfest ein. Empfohlen wird, zu Fuss zur Fridau zu pilgern. Der Weg über die Jakobsleiter ist ab der Alten Mühle ausgeschildert. «Als Belohnung gibt es neben einer tollen Aussicht und gemütlichem Beisammensein von uns offeriert einen Imbiss, Erfrischungen und ein Dessert», so Bischofberger. Mitgebrachtes Grillgut könne auf den Holzfeuern gegart werden. Für Unterhaltung sorgt die Egerkinger Jugendmusik. Weitere Einlagen von örtlichen Vereinen sind zugesagt.

Ein weiterer Fixtermin ist der Samstag, 13. September. An diesem Tag werden Fernando und Maja Volken aus Oftringen in der hauseigenen Kapelle der Fridau kirchlich heiraten. «Für uns ist das der perfekte Platz für unsere Trauung», sagt der 33-jährige Bräutigam freudestrahlend. Er und seine Braut hätten nach einem besonderen Ort gesucht. «Diesen haben wir hier dank Louis Bischofberger gefunden», sagt der Hotelierssohn aus dem Goms VS. Toll sei ferner, dass die Feier mit den rund 80 geladenen Gästen bei schlechtem Wetter auch problemlos im grossen Saal im Parterre durchgeführt werden könne.

Bischofberger hofft, dass er noch ein wenig Zeit bekommt, um zumindest seine jüngsten Pläne umzusetzen. In der Vereinbarung mit dem Kanton gibt es nämlich eine Klausel, welche die umgehende Auflösung der Nutzungsvereinbarung vorsieht, falls oder sobald die Fridau als Asylzentrum genutzt wird. Für eine Verzögerung könnten noch die 69 privaten Einsprecher gegen das Asylzentrum sorgen, indem sie das Urteil ans Bundesgericht weiterziehen. Gegenüber dieser Zeitung liess die «IG Fridau Egerkingen ohne Asylbewerber» verlauten, dass frühstens nach den Ferien über das weitere Vorgehen beraten werde.

Für Bischofberger steht fest, dass die Fridau maximal drei Jahre als Asylzentrum genützt werden darf. So lange brauche es auch, um ein erfolgreiches Konzept für die künftige Nutzung dieses Hauses auf die Beine zu stellen. Das sieht auch die Einwohnergemeinde Egerkingen so. Der Gemeinderat will sich nun auf die Suche nach allfälligen Investoren begeben, wie Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi ankündigte.

Fridau war einst Luftkuranstalt

Die Fridau wurde 1872 vom Egerkinger Arzt Dr. Joseph Sidler
erbaut und bis 1919 als privat geführte Luftkuranstalt für Tuberkulose-Kranke betrieben. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs blieben die Strammgäste im «Kurhaus Fridau» zunehmend aus, mit entsprechend wirtschaftlich negativen Folgen. 1921 trat der Kanton Solothun auf den Plan und kaufte die Fridau wegen akuter Platznot in der Heil- und Pflegeanstalt Rosegg für 300 000 Franken. Der damalige Rosegg-Direktor Dr. Leopold Greppin war zum Schluss gekommen, dass sich die Fridau «für ruhige, reinliche und nicht gefährliche psychisch kranke Menschen, die nicht ständig überwacht werden müssten», eignen würde. Unter der Leitung von neun Ordensschwestern aus
Baldegg zogen im November 1921 die ersten Patienten – 30 Frauen und 40 Männer – in die Fridau. Die Baldegger Schwestern waren bis 2000 an der Pflege in der Fridau beteiligt. Weil der Platzbedarf und das Leistungsangebot stiegen, nahm der Kanton in den Jahren 1936 und 1956 bauliche Erweiterungen vor. Letzte grössere Sanierungen erfolgten in den Jahren 1988 und 1995. Am 26. November 2007 entschied der Verwaltungsrat der Solothurner Spitäler AG (soH) die Aufhebung der Aussenstation Fridau per Ende 2008. Am 12. Januar 2009 fand die Aufhebung mit dem Umzug der letzten Patienten ihren Abschluss. Seither versucht der Kanton Solothurn erfolglos, die Fridau zu verkaufen. Zuletzt interessiert war die Stiftung Pro Integral mit Sitz in Sursee LU, die dort ein Pflegezentrum für Hirnverletzte realisieren wollte. Der Kanton verweigerte der Stiftung aber im September 2012 die Betriebsbewilligung für die Nutzung der ehemaligen Klinik. Der Bedarf für ein zweites Hirnzentrum im Mittelland sei neben dem geplanten Projekt Roggwil nicht gegeben und die Wirtschaftlichkeit nicht garantiert, wurde vonseiten des Kantons argumentiert. Der Baustart für das 70 Mio. Franken teure Projekt in Roggwil ist übrigens noch nicht erfolgt. Nun soll die Fridau befristet auf drei Jahre als Asylzentrum für maximal 80 Personen genutzt werden. (eva)