KKW Gösgen
Noch mindestens zwei Wochen kein Strom aus dem Kernkraftwerk Gösgen

Die Spezialisten müssen den eben erst während der Jahresrevision neu eingebauten Generator-Rotor wieder ausbauen, um die Ursache der zu starken Schwingungen zu finden. Der Produktionsausfall kostet jeden Tag eine Million Franken.

Christian von Arx
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Der neue Siemens-Generator (im orangefarbenen Gehäuse) während der Einbauarbeiten (Aufnahme vom 29. Mai).

Der neue Siemens-Generator (im orangefarbenen Gehäuse) während der Einbauarbeiten (Aufnahme vom 29. Mai).

Bruno Kissling

Pech für das Kernkraftwerk Gösgen: Der während der Anfang Juli abgeschlossenen Jahresrevision eingebaute neue Generator muss wieder demontiert werden. Grund sind die zu hohen Schwingungen im Rotor.

Die Schwingungen hatten sich gezeigt, als das KKW am Dienstagmittag nach Abschluss der Jahresrevision wieder angefahren wurde. Sie zwangen die Verantwortlichen, das KKG am Dienstagabend um 20 Uhr wieder vom Netz zu nehmen. Trotz des Einsatzes moderner Hilfsmittel (Endoskope) gelang es bisher nicht, die Ursache restlos zu klären.

Am Donnerstag fiel der Entscheid, den Generator-Rotor wieder auszubauen, wie KKG-Sprecher Bruno Elmiger auf Anfrage mitteilte. Der Ausbau wird den Spezialisten des Lieferanten Siemens ermöglichen, ab Montagmorgen den genauen Befund am betroffenen Anlageteil zu erheben.

Je nach dem Ergebnis wird danach entschieden, ob der 100 Tonnen schwere Rotor auf dem Kraftwerkgelände in Däniken repariert werden kann oder ob er ins Herstellerwerk von Siemens im deutschen Mülheim an der Ruhr zurück muss. So oder so: «Ab Montag wird die Stromproduktion im KKG sicher noch während zwei Wochen nicht aufgenommen werden können», teilte Elmiger mit. Vom vergangenen Dienstag angerechnet, dauert der ungeplante Produktionsausfall in Gösgen somit mindestens 20 Tage.

Der Betrieb des KKG verursacht Kosten von gut 1 Mio. Franken pro Tag. Wie hoch der Ertragsausfall ist, den der Unterbruch der Stromproduktion für die KKG-Aktionäre Alpiq, Axpo, CKW, ewb und Stadt Zürich zur Folge hat, konnte Alpiq-Sprecher Andreas Meier auf Anfrage nicht näher beziffern. «Für die KKG AG entstehen durch den Unterbruch ungedeckte Produktionskosten von rund 1 Mio. Franken pro Tag», bestätigte er.

Mit rund 60 Tagen war die diesjährige Revision die längste seit der Inbetriebnahme des KKW Gösgen im Jahr 1979. Grund dafür ist, dass das Kernkraftwerk seine Turbogeneratorgruppe (Generator, drei Niederdruckturbinen und 24 Kondensatoren) komplett ersetzt hat. Mit dieser Investition von 180 Mio. Franken erhöht das KKG seine Leistung um 30 MW auf 1065 MW. Dadurch kann Gösgen seine Jahres-Stromproduktion um etwa 240 Mio. kWh steigern. Diese Mehrproduktion entspricht ungefähr der Jahresproduktion des benachbarten Aare-Kraftwerks Gösgen (2011: 232 Mio. kWh).

Die mehr als 1000 für die Revision im Mai und Juni beigezogenen auswärtigen Fachkräfte haben inzwischen ihre wohlverdienten Ferien angetreten. Hingegen arbeitet die rund 500-köpfige Belegschaft des KKG trotz des Unterbruchs der Stromproduktion grösstenteils normal.