«Der Friedhof von Oensingen soll zu einem Ort der Ruhe und Besinnung werden. Und zu ein Schmuckstück im Unterdorf.» Soweit der Wunsch, wie er im Gemeinderat geäussert wurde. Die Umsetzung käme gemäss Präsentation, auf rund 3,4 Mio. Franken zu stehen.

Darin enthalten wären die teilweise Neugestaltung der Anlage inklusive Beleuchtung, eine neue Friedhofshalle und weitere Parkplätze. Demgegenüber steht der Kredit von 650 000 Franken, den die Gemeindeversammlung im Dezember 2012 bewilligt hat. Woher kommt dieser Unterschied?

Wo was nötig wäre

Um eines vorwegzunehmen: Der Gemeinderat hat nicht etwa einen neuen Kreditantrag vorbereitet, sondern dem ganzen Vorhaben einen Zwischenstopp verordnet. Der Unterschied des Aufwands ergab sich aufgrund von tiefer gehenden Abklärungen durch die Architekten.

So erläuterte Roger Christen, zsb Architekten, Oensingen, dass die 1955 erbaute Friedhofshalle in baulich schlechtem Zustand sei und zu wenig Platz biete. «Sind zwei Leichen aufgebahrt, so ist die Privatsphäre nicht mehr gewährleistet.» Ein gedeckter Platz für eine konfessionsneutrale Abdankung sei nicht vorhanden. Ferner genügten die Klima- und Heizanlagen nicht mehr den heutigen Anforderungen.

Parkieren im Quartier

Patrick Gugelmann, Ressortleiter Infrastruktur im Gemeinderat, ergänzte, dass der Bereich Urnenwand sichtbare Schäden aufweise und die Wasserleitungen zu erneuern seien. Ferner sei der Mangel an Parkplätzen schon lange bekannt. Die Folge davon: «Man weicht ins umliegende Quartier aus und stellt das Auto dort irgendwo ab.» Der Plan ist, auf der Ostseite des Friedhofs zwanzig zusätzliche Parkplätze zu schaffen.

Wie der eingangs erwähnte Wunsch umgesetzt werden könnte, nämlich dem Friedhof den Charakter einer Parkanlage zu verleihen, zeigte Landschaftsarchitekt Christoph von Arx vom Solothurner Büro David & von Arx auf. Er schickte voraus, dass die Oensinger Friedhofanlage aufgrund seiner Lage am Hang, seiner geometrischen Gestaltung und dem terrassenartigen Aufbau beste Voraussetzungen habe. «Diese würde man in den Grundzügen übernehmen», erklärte von Arx.

Die Friedhofshalle sieht er in seinen Plänen nicht mehr am Ostrand der Anlage, sondern zuoberst als abschliessendes Element. Der Bereich für Erdbestattungen soll nicht mehr Grabreihen aufweisen, sondern eine freie Anordnung. Ferner würde der Architekt die Urnenbestattung neu beim Eingangsbereich anordnen, und zwar möglichst besucherfreundlich.

In der Mitte der Anlage sieht er ein Wasserbecken und zur Beschattung mehrere, höhere Bäume. Hinzu käme ferner ein Bereich für Engelskinder (Kindstod vor der 26. Schwangerschaftswoche). Würden noch Ruhebänke in der ganzen Anlage und eine passende Beleuchtung hinzugefügt, so wäre der Oensinger Friedhof in der Tat ein Ort der Ruhe und der Besinnung.

Nur eben: Das Projekt wurde gestoppt. Der Rat befand, die ursprünglich vorgesehenen 650 000 Franken würden tatsächlich nicht ausreichen. Mehr Geld sei aber im Moment nicht vorhanden, also müsse das Projekt warten.