St. Peter at Sunset
«Nicht grösser werden, aber immer überraschen»

Was vor zehn Jahren in Kestenholz als intimer Konzertabend bei Kerzenschein begonnen hat, ist heute ein Open-Air-Festival, bei dem Stars auftreten, dass man nur so staunt.

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Judith und Roland Suter bei der St.-Peter-Kapelle, wo alles begann.

Judith und Roland Suter bei der St.-Peter-Kapelle, wo alles begann.

Zur Verfügung gestellt

St. Peter at Sunset lässt Stars wie Lionel Richie oder Gianna Nannini auftreten. Geblieben ist die familiäre Atmosphäre im Team der ehrenamtlichen Organisatoren und Helfer. Was Roland Suter vor vier Jahren als Wunsch geäussert hatte, wird Tatsache: Die italienische Rock-Ikone steht am Sonntag, 5. Juli, auf der Bühne «seines» Festivals in Kestenholz.

«Das ist fantastisch, ich wollte schon lange mal einen Abend mit italienischer Musik», sagt der Macher von St. Peter at Sunset, und ergänzt sofort: «Respektive wollten wir das, das ganze Team.» Auf diese Präzisierung legt er Wert. Klar steht Suter als Chef am meisten in der Öffentlichkeit. Aber ohne die anderen Mitglieder im Organisationskomitee und zahlreichen Freiwilligen wäre das Open-Air kaum zu dem geworden, was es heute ist. Man nennt es «Das schönste Festival im Schweizer Mittelland.» Dieses Jahr dauert es von 1. bis 5. Juli.

Eine Idee, die Anklang fand

Einmalig war die Ambiance schon vor zehn Jahren, bei der ersten Durchführung des Anlasses. Bloss die Dimensionen waren anders. Oder exakter: um ein Vielfaches kleiner. Roland Suter erinnert sich: «Ich finde den Ort bei der jahrhundertealten Kapelle wunderschön, weshalb ich damals des Kestenholzer Steff Bürgi gefragt habe, ob er und seine Kollegen nicht mal da spielen möchten.» Der Frontmann von Irrwisch war Feuer und Flamme, Suter machte sich ans Organisieren des Konzerts namens Irrwisch at Sunset.

Die Idee, bei Sonnenuntergang gediegen zu essen und hernach bei Kerzenlicht den Klängen der einheimischen Rockband zu lauschen, fand Gefallen: «Die 300 Tickets waren im Nu weg», berichtet Suter. Und muss lachen: «Ein einziges A4-Plakat haben wir bloss im Dorf aufgehängt – und dieses kam ziemlich selbstgebastelt rüber.» Nach dem Abend gab es derart viel Lob, dass sich die Organisatoren entschieden haben, weiter Konzerte bei der Kapelle zu organisieren.

Ein Dossier, das dicker wurde

Heute, da das Festival fünf Tage dauert, internationale Stars der Musikszene St. Peter at Sunset beehren und zigmal mehr Leute auf der Tribüne sitzen, arbeitet Roland Suter in vielen Bereichen mit Spezialisten zusammen. Zu einer Expertin ist auch seine Ehefrau geworden, ebenfalls seit Anbeginn dabei.

Judith Suter führt zusammen mit Anita Kaufmann das Ressort Personal. Ein Dossier, dessen Dicke im Verlaufe der Jahre stetig zugenommen hat. 2005 sei überschaubar gewesen, sagt sie. «Es kam mir vor wie ein Brätel-Ausflug mit Freunden, bei dem jeder spontan ein Ämtli kriegt.» Heuer muss Suter die Einsätze von fast 250 Helfern – die ebenso wie die OK-Mitglieder ehrenamtlich arbeiten und fast alle aus dem Dorf selbst stammen – koordinieren. Diese bauen etwa die Infrastruktur auf und ab, weisen die Gäste auf ihre Plätze oder erfüllen die Wünsche der Künstler. Auch wenn die Anzahl Helfer im Verlaufe der Zeit stetig gestiegen ist: «Die Atomsphäre ist gleich geblieben, wir funktionieren wie eine grosse Familie», findet sie.

Asylbewerber helfen mit

Zu dieser Familie stossen in diesem Jahr erstmals auch Asylbewerber, die in der Unterkunft in Kestenholz wohnen. «Sie sind gut integriert im Dorf, machen in Vereinen mit und haben Spass dabei», erzählt Anita Kaufmann, «weshalb wir auf die Idee kamen, sie zu fragen, ob sie auch mithelfen möchten.»

Sicher ist auch, dass St. Peter in Sunset nicht mehr weiter so wachsen kann, wie das in den letzten zehn Jahren der Fall war. «Wir wollen nicht mehr grösser werden, sonst verliert das Festival den Charakter», sagt Roland Suter. Was aber nicht heissen soll, dass er und sein Team künftig für keine Überraschungen mehr sorgen werden. Der Chef des Open-Airs, der als Berufsschullehrer arbeitet, mag es, bei St. Peter at Sunset seine unternehmerische Seite auszuleben, mal etwas Neues zu wagen. «Auch wenn ich dabei nichts verdienen kann und will.» Bisweilen packt ihn der Ehrgeiz. «Wenn ich mir den diesjährigen Tourneeplan von Lionel Richie anschaue und Kestenholz neben Grossstädten wie London, Rotterdam, Nassau und Austin entdecke, finde ich das extrem cool.» (cmo)

Infos: www.sunsetevents.ch