Thal-Gäu
Nicht alle Kitas können auf die Unterstützung der Gemeinden zählen

In der Amtei Thal-Gäu gibt es fünf Kindertagesstätten. Die Unterstützung dieser Kitas fällt in den Gemeinden unterschiedlich aus.

Sarah Kunz
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Bruno Kissling

In der Amtei Thal-Gäu gibt es insgesamt fünf Kindertagesstätten. Die Kitas Sunneblueme, Drachenburg, Zauberstern und easy-kid-care sind im Gäu angesiedelt, die Kita Falkenburg ist die einzige Krippe im gesamten Thal.

Die Unterstützung seitens der Gemeinden, in denen die Kitas ihren Betrieb führen, sieht von Standort zu Standort unterschiedlich aus. Es gibt einerseits die Sicht der Krippen-Leitung und andererseits die Sicht der Gemeinde.

Dass die beiden Parteien aber Hand in Hand arbeiten sollten, um eine sichere und vor allem gute Betreuung der Kinder gewährleisten zu können, steht ausser Frage. Jedoch scheint dies nicht in jeder Gemeinde der Fall zu sein.

Gutscheine für Eltern

In den grösseren Städten und mittlerweile auch in Olten sind die Betreuungsgutscheine Standard. Mit diesen wird den Eltern ein Beitrag an die Kosten der Kita bezahlt. Die Gemeinde unterstützt somit nicht die Kitas, sondern die Familien.

«Die Eltern benötigen diese finanzielle Unterstützung der Gemeinden mehr als die Kitas, wir brauchen einfach die Kinder, um unsere Plätze zu besetzen», erzählt Petra Meister, Leiterin der Adda-Kita GmbH, unter welcher die Kitas Drachenburg, Falkenburg und Zauberstern stehen. Je mehr Eltern sich eine Kita leisten können, desto besser sieht es für die Krippen aus. Unterstützen die Gemeinden die Familien, profitieren folglich indirekt auch die Tagesstätten.

Mit solchen Gutscheinen wird die Unterstützung in Oensingen geregelt. Petra Meister ist begeistert von dem System: «Dank den Betreuungsgutscheinen haben wir eine gute Durchmischung der Familien.» Anders als in anderen Kitas könnten sich dank der Unterstützung der Gemeinde auch Familien aus dem Mittelstand die Betreuung leisten. «Die Kommunikation mit der Gemeinde ist sehr gut», führt Meister weiter aus.

Die Kita Drachenburg werde sowohl finanziell als auch ideell gefördert. Die Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit: Gemeindepräsident Fabian Gloor weiss, wie wichtig Kitas für eine Gemeinde sind. «Die Betreuung durch Fremdhilfe soll es Familien auch in Zukunft ermöglichen, beruflich tätig zu bleiben.»

Ebenfalls zufrieden ist Petra Meister mit der Zusammenarbeit zwischen der Kita Falkenburg und der Einwohnergemeinde Balsthal. Die Gemeinde spricht momentan jährlich einen fixen Beitrag von 8500 Franken. «Mehr ist aber bereits im Gang», verspricht Gemeindepräsident Pierino Menna. «Im Sommer werden wir uns zusammensetzen und weitere Projekte auf den Tisch legen.»

Es habe sich gezeigt, dass die Kita in Balsthal ein grosses Bedürfnis sei. Dies zeigen auch die Zahlen: «Momentan sind 16 Plätze besetzt», so Petra Meister. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde lasse vor allem mit Oensingen, aber auch mit Balsthal kaum Wünsche offen.

Unterstützung nur ideell

Anders ist das in den übrigen drei Gemeinden. Vor allem die Kita Zauberstern in Oberbuchsiten wird im Sommer nicht mehr viele Plätze besetzt haben, weshalb die Krippe auf die Unterstützung der Gemeinde angewiesen wäre. «Die Kita ist im Dorf zwar beliebt, viele Familien können sich aber keinen Platz leisten», erzählt Meister. Ausserdem gäbe es viele Tagesmütter, deren Angebote mit der Kita konkurrieren.

Die Kommunikation mit der Einwohnergemeinde könnte zudem besser sein. «Die Gemeinde ist leider nicht sehr offen», findet Meister. Anders sieht dies Gemeindepräsident Daniel Lederer: «Ich finde das eine sehr gute Sache. Die Kita ist liebevoll und wird natürlich von der Gemeinde unterstützt.» Zwar eher ideell als finanziell, gibt Lederer zu. «Aber da liegt es an der Kita, auf uns zuzukommen», hängt der Gemeindepräsident an.

Auch die Kitas Sunneblueme in Härkingen und easy-kid-care in Egerkingen werden finanziell nicht unterstützt. Einen Zustupf von 10'000 Franken erhielt easy-kid-care einzig an den Mittagstisch, welcher seit rund einem Jahr in Egerkingen durchgeführt wird. «Der Gemeinderat hat einfach keinen finanziellen Spielraum», erklärt Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi. «Aber wir sind von der Kita hochbegeistert. Die Kinder dort haben einen Pluspunkt beim Start in das Schulleben.»

Kita-Leiterin Corina Dreier bedauert natürlich, dass die Gemeinde keine finanziellen Mittel für die Kinderbetreuung sprechen kann. «Es geht mir aber weniger um uns selbst als um die Eltern», sagt Dreier. Denn eine Kita könne auch ohne Unterstützung der Gemeinde überleben, solange sie genügend Plätze besetzen kann.

Die Kita easy-kid-care, welche einen zweiten Standort in Olten hat, setzt sich für die Einführung von Betreuungsgutscheinen ein. «Damit könnten die Eltern die Kita auswählen, was gut für die Qualität der Betreuung ist», findet Dreier. Noch ist eine Einführung solcher Gutscheine in Egerkingen zwar kein Thema, aber die Gemeinde fange an, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Auch der Härkinger Gemeinderat macht sich immer wieder Gedanken über die Finanzierung der Kita. «Die Kita darf die Räumlichkeiten der Gemeinde zu fairen Mietpreisen benutzen», sagt Gemeindepräsident Daniel Nützi. «Weitere finanzielle Unterstützung ist momentan nicht zuoberst auf unserer Prioritäten-Liste», gibt Nützi zu.

«Die Gemeinde macht aber auch gute Werbung für uns», erzählt Jasmine Thommen, Leiterin der Kita Sunneblueme. «Aber ich würde es toll finden, wenn die Gemeinde etwa fünf Plätze subventionieren könnte. Es müssten ja nicht alle sein», so Thommen. «Schliesslich sollten die Eltern auf ihr Bauchgefühl hören können und den Kita-Platz nicht aufgrund von Finanzen wählen müssen.» Dafür müssten aber noch einige Schritte in die richtige Richtung erfolgen.

Ob und wie die Kitas der Region in Zukunft unterstützt werden, bleibt weiter offen. In einigen Gemeinden wird die Thematik besprochen, andere sind bereits zufrieden, weitere haben schlicht kein Budget. Sicher ist lediglich eines: In der heutigen Gesellschaft braucht es immer mehr Betreuungsplätze.