Die Bühne wurde von schwachem, blauem Licht beleuchtet, die Band war beim ersten Stück förmlich in Dunkelheit gehüllt. Das Publikum am Neujahrskonzert auf der «Rössli»-Bühne in Balsthal machte seiner Vorfreude durch kräftiges Applaudieren Luft. Dann also begann die rhythmische, friedliche Melodie mit E-Gitarren, Keyboard und natürlich dem Schlagzeug. Nach den ersten Takten erklang Philipp Fankhausers rauchige, kräftige und sanfte Stimme. Das Stück «I Sing The Blues» ist von Fankhauser und seiner Band für das neue Album «Home» komponiert worden, derzeit tourt Fankhauser damit durch die Schweiz.

Das Konzert fesselte von der ersten Minute an durch eine gefühlvolle und sorgfältige Darbietung. Sanfte Balladen wie «Promised Myself» wechselten sich mit schnellen Stücken wie «Learned my Lesson» ab und liessen die Zuschauer im vollen Saal schwelgen oder gerne auch mitwippen.

Jedes Mitglied der Band gab in den Songs feinfühlige und spannende Solos; Marco Jencarelli an der Gitarre, Hendrix Ackle am Hammond, Angus Thomas an der Bassgitarre und Richard Spooner am Schlagzeug.

Im Blues zu Hause

Nur gerade drei der Stücke stammten von Fankhauser selbst oder von seiner Band. Die restlichen sind von namhaften Bluessängern wie Tony Joe White, Harlan Howard und Johnny Copeland komponiert worden. Von Letzterem sind fünf Stücke im Album enthalten. «Es ist einfach, einen Songtext zu schreiben. Aber einen guten Text zu verfassen, ist sehr schwierig», erklärte Fankhauser dem Publikum.

Er hat dem Blues natürlich längst die Liebe erklärt; hier hat er sein Zuhause gefunden. So sang er etwa: «Home is where the heart is, I guess in most cases that is true. My home is where the Blues are.» Mit diesen Worten, aber auch mit seinem packenden Gesang, machte er deutlich, dass er im Blues und auf der Bühne lebt. Dabei bezog er auch die Zuschauer mit ein, indem er sie auf sein Zeichen hin bat, kleinere Sequenzen singend selbst als Effekt wiederzugeben.

Da kam es auch mal vor, dass er zwischen oder während seiner Songs einen Witz riss. So meinte er, als er ein Stück von Johnny Copeland ankündigte: «Ihr müsst so tun, als würdet ihr ihn kennen und Begeisterung zeigen, sonst fühle ich mich als Musiker verletzt. Zu Hause könnt ihr dann den Namen googlen.»

«Rössli»-Saal wieder mehr beleben

Hansueli Häni, der Geschäftsführer des Hotels Balsthal, zeigte sich zufrieden. Seit einiger Zeit organisiert er im Kornhaus Jazzkonzerte, nun will er den «Rössli»-Saal wieder mehr beleben, da dieser in letzter Zeit kaum genutzt wurde. Es war sein Kollege Rolf Glanzmann – er pflegt einen regen Kontakt zu bekannten Künstlern –, der vorschlug, das traditionelle Neujahrskonzert wieder aufleben zu lassen. Gleich zum Auftakt gelang es, Philipp Fankhauser zu vermitteln.

Glanzmann war denn auch begeistert vom Auftritt: «Wir wussten im Vorfeld nicht, wie es dem Publikum gefallen wird, aber der Funken ist gesprungen. Der Saal ist nun definitiv eingeweiht.» Die Grösse des Raumes sei ideal für den Klang der Musik. Nun könne man auf den Fankhauser-Konzerten aufbauen. Glanzmann: «Es gilt jetzt, sich verschiedene Musiker sorgfältig anzuhören und dann anzufragen.» Für diese Entscheidung sei es wichtig, dass die Qualität passe. Die Musik müsse beim Publikum einfach etwas auslösen.

Gleich zwei Konzerte

Fankhauser und die Band liessen es in Balsthal gleich zwei Mal krachen. Das zweite Konzert ging gestern, am Berchtoldstag, über die Bühne.

Am Neujahrskonzert begeisterte Fankhauser seine Zuhörer, die sich durch Pfiffe und lautstarken Applaus zwei Zugaben ergatterten.