Kestenholz
Neujahrs-Konzerttour bringt der Musikgesellschaft einiges in die Kasse

Seit vielen Jahrzehnten geht die Kestenholzer Musikgesellschaft Eintracht an Neujahr auf Konzerttour und sammelt Spenden. Der Brauch ist sehr beliebt bei der Dorfbevölkerung.

Alois Winiger
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Ein Teil der Vereinsmitglieder ist auf Sammeltour, darum ist die Zahl der Musizierenden kleiner.

Ein Teil der Vereinsmitglieder ist auf Sammeltour, darum ist die Zahl der Musizierenden kleiner.

Thomas Sorg

«Zugegeben, manch einer würde am Nachmittag des Neujahrstags lieber zu Hause bleiben, als am Nachmittag mit der Musikgesellschaft durchs Dorf zu ziehen», sagt Hubert Bürgi, Vizepräsident und langjähriges Mitglied der «Eintracht» Kestenholz. «Aber dieses Neujahrsblasen, wie wir es nennen, ist nun mal ein Brauch, der bei der Dorfbevölkerung beliebt ist und dem Verein einiges in die Kasse bringt.»

Dieser Brauch besteht darin, dass die Musikantinnen und Musikanten das ganze Dorf quartierweise aufsuchen und dort Ständchen spielen, was ihnen mit einer Spende verdankt wird. Das lohnt sich, wie Bürgi bestätigt: «Die Einnahmen dieses Tages sind neben der Kestenholzer St.-Ursen-Chilbi die wichtigsten für den Verein.»

Die Idee, mit einem Ständchen zu Geld zu kommen, hatten die Musikanten schon in den Anfängen des Vereins, der 1908 gegründet worden war. Im Protokoll von 1915 steht, man habe der Dorfbevölkerung, in erster Linie dem Gemeindeammann und dem Pfarrer, ein Neujahrsständchen gebracht. Eine Tradition wurde daraus aber noch nicht. Erst 1941, als sich Geldknappheit bemerkbar machte, erinnerte man sich an die Möglichkeit, an Neujahr mit Ständchen im ganzen Dorf Spenden zu generieren.

1943 wurde im Protokoll vermerkt: «Der rührige Präsident machte sich an verschiedenen Orten bemerkbar, was vielerorts durch finanzielle Unterstützung bestens verdankt wurde.» Einige Hundert Franken kamen so zusammen. Doch der Aufwand schien den Musikanten auf die Dauer zu gross, 1947 gabs nur noch einzelne Platzkonzerte. Das kam im Dorf nicht gut an. Aus einigen Quartieren kamen Klagen, man habe sie vernachlässigt.

Heizsäckli kommen zum Einsatz

Wenn man «von mittags halb eins bis zur Dämmerung Weisen erklingen lässt», wie der Protokollführer einmal schrieb, so geht das nicht ohne Pausen. Was wiederum nicht immer ohne Folgen blieb. Will heissen, man nahm hier und dort ein Gläschen Branntwein als «Aufwärmerli» und gegen Abend erklangen dann die Weisen nicht mehr so, wie sie sollten.

Aber auch das Wetter hatte immer wieder Einfluss auf die Konzerttour. Es kam vor, dass die Ventile der Instrumente einfroren, da ging halt nichts mehr. In neuerer Zeit kommen Heizsäckli zum Einsatz, die das verhindern. In anderen Jahren war das Wetter so schlecht, dass der Anlass verschoben oder gar abgesagt werden musste.

Dass das Durchhalten richtig war, hat sich erwiesen, denn der finanzielle Erfolg der Neujahrstour ist immer noch da. «Besonders freut uns», betont Bürgi, «dass uns die Wirte im Dorf nach wie vor unterstützen.» Früher machten die Musikanten in jedem der drei Restaurants im Dorf eine Pause und wurden zum Teil auf Kosten des Hauses bewirtet. «Heute sind die Wirtshäuser meistens am Neujahr geschlossen. Trotzdem bekommen wir von den Wirten Naturalspenden, übrigens auch vom Metzger und vom Bäcker.»

«Alle gehen am Abend zufrieden nach Hause»

Natürlich ist der Präsident längst nicht mehr der Einzige, der am Neujahrsnachmittag von Tür zu Tür geht und ein gutes neues Jahr wünscht. Da ist ein erfahrenes Team unterwegs mit genau zugeteilten Adressen. Darauf musste in jenen Jahren, als die Dorfpolitik noch Hochkonjunktur hatte, besonders sorgfältig geachtet werden. Denn das hatte entscheidenden Einfluss auf die Höhe der Spende, die vereinzelt im Tausenderbereich liegen konnte.

Wie kommt der Brauchbei den Leuten an, die im Dorf neu zugezogen sind? «Erfreulich gut», sagt Hubert Bürgi. «Wir senden diesen Leuten einen Brief und künden unseren Besuch an.»

Und wie steht es bei den Musikantinnen und Musikanten um die Beliebtheit des Neujahrsblasens? «Mitte der Neunzigerjahre gabs Bestrebungen, den Anlass fallen zu lassen und dafür im Sommer Quartierkonzerte zu geben», antwortet Bürgi. «Das hatte aber mehr damit zu tun, dass wir mehrmals Pech hatten wegen des schlechten Wetters. Doch dann kamen wieder bessere Jahre, und seither spricht keiner mehr darüber. Alle gehen am Abend zufrieden nach Hause.» Darum steht fest: Am Mittwoch, 1. Januar, wird die Musikgesellschaft Eintracht ab 11.30 Uhr durchs Dorf ziehen und «Weisen erklingen lassen».