Rund 100 Tage ist es her, seit das Demenzzentrum in Niederbuchsiten seinen Betrieb aufgenommen hat. Grund genug, um bei den Verantwortlichen der Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu (GAG) nachzufragen, wie sich das in Anlehnung an das holländische Demenz-Dorf De Hogeweyi praktizierte Konzept bewährt.

Wichtigstes Merkmal dieses Modells ist die Betreuung der Menschen mit Demenz in Gruppen von maximal zehn Personen. Diese dürfen sich in den drei Wohngruppen des Haues frei bewegen oder im grosszügigen Garten verweilen.

Freiheiten werden genutzt

Die insgesamt 22 von möglichen 25 Bewohnerinnen und Bewohner der «Stapfenmatt» machen von diesen «Freiheiten» rege Gebrauch, wie ein Besuch im Wohn- und Essensraum im Erdgeschoss des Demenzzentrums zeigt. Dort sind elf Bewohnende zugegen, als gemeinsam das Lied «Es Buurebüebli mani nid, dass gseht me mir wohl a – juhe! ...», angestimmt wird. «Drei Personen mehr, als eigentlich auf dieser Abteilung wohnen», bemerkt «Stapfenmatt»-Leiterin Jannine Cavallet dazu. Die drei Gäste stammen vom ersten Obergeschoss, wo eine weitere Gruppe lebt. Auf beiden Etagen werden die Lebensstile «bäuerlich-ländlich» angeboten, im zweiten Obergeschoss ein solcher für Leute mit gehobenem Lebensstil. «Die Menschen sollen sich hier möglichst wie in ihrem früheren Leben fühlen», sagt Cavallet. 

Beim Rundgang durch das Demenzzentrum fällt auf, dass es praktisch alle Bewohnerinnen und Bewohner immer wieder in die gemeinsamen Wohn- und Aufenthaltsräume zieht. Die Zimmer dienten mit einigen wenigen Ausnahmen ausschliesslich zum Schlafen, berichtet Cavallet. «Die Leute suchen sich gegenseitig und verbringen viel Zeit zusammen.» Bemerkenswert ist ferner die Ruhe, die im ganzen Haus herrscht. Natürlich gebe es auch in der neuen Umgebung gelegentlich Reibereien, meint Cavallet dazu. Aber deutlich weniger als in der vorher im Sunnepark in Egerkingen untergebrachten Demenzabteilung.

Positive Wirkung ist spürbar

Die deutlich spürbare Ruhe und die heimelige Atmosphäre übertragen sich nach Überzeugung des 20-köpfigen Betreuungsteams und GAG-Verantwortlichen auf die Bewohnerinnen und Bewohner. So müssen etwa weniger Medikamente verabreicht werden, wie Gina Kunst, Bereichsleiterin Pflege und Betreuung erwähnt. Das zeige ein Beispiel einer Frau aus dem Alterszentrum Roggenpark in Oensingen, die aufgrund fortgeschrittener Demenz in die «Stapfenmatt» wechselte. Sie brauche nun nachts keine Medikamente mehr und verhalte sich ruhig.

Vom neuen Modell überzeugt ist auch Pflegefachmann Jörg Seidl. «Wir haben viel mehr Zeit für die Menschen und können so ihren Bedürfnissen eher gerecht werden.» Das erleichtere auch den Alltag des Betreuerteams. Viel Geduld, Ruhe und Ausdauer müsse man aber trotzdem noch an den Tag legen.

Vom schnellen Erfolg überrascht

«Wir sind selbst überrascht, dass unser Modell in dieser kurzen Zeit offenbar so gut anschlägt», sagt GAG-Geschäftsleiter Rüdiger Niederer. Eine Rolle spiele dabei sicher, dass sich die Bewohner in der «Stapfenmatt» ein wenig zu Hause fühlten (siehe auch Artikel rechts). Gestärkt würden diese Empfindungen durch das Zusammenleben in einer überschaubaren Gruppe und die vom Betreuungsteam gebotene Tagesstruktur.

Niederer zeigt sich überzeugt, dass der eingeschlagene Weg, der richtige ist. «Wir fühlen uns bestärkt und suchen nach Lösungen, wie es nach Ablauf der vom Kanton bewilligten fünfjährigen Betriebsbewilligung der ‹Stapfenmatt› weiter gehen könnte».

Den Grundsatzentscheid fälle, dieses Modell fortzuführen und damit den Weg freizumachen für eine Anschlusslösung müssen die der GAG angehörenden Gemeinden. «Wir werden dieses Angebot auch langfristig sicherstellen», verspricht GAG-Verwaltungsratspräsident Alfons von Arx.