Jedes Jahr erkranken in der Schweiz Schätzungen zufolge etwa 28 000 Personen neu an Demenz. Rund Hälfte davon wird zu Beginn der Erkrankung von Angehörigen und der Spitex zu Hause betreut. Wo das nicht möglich ist oder wenn der Betreuungsaufwand die Möglichkeiten der Angehörigen übersteigt, müssen Alters- und Pflegeheime in die Bresche springen.

Mit dem zunehmenden Bedarf an Pflegeplätzen für Demenzkranke konfrontiert wurde in jüngster Zeit auch die Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu (GAG). Um dieser Entwicklung aktiv zu begegnen, beschloss die GAG, das kurzzeitig geschlossene Alters- und Pflegeheim Stapfenmatt in Niederbuchsiten in ein Demenzzentrum umzufunktionieren.

Nach holländischem Muster

Umgesetzt wurde das Projekt in der eigens dafür sanft sanierten «Stapfenmatt» nach dem Vorbild des holländischen Demenz-Dorfes De Hogeweyk. In diesem Dorf nahe Amsterdam mit Gärten, Dorfplatz, Supermarkt Theater, Cafés, Coiffeursalon und einer Arztpraxis leben rund 150 Demenz-Bewohner in 23 Häuschen und Wohneinheiten.

Aufgeteilt in Gruppen von maximal sieben Bewohnern werden sie von geschultem Personal in Zivilkleidung ihren Neigungen und Stimmungen entsprechend in die täglichen Abläufe einbezogen. Dieses auf das Demenzzentrum Stapfenmatt heruntergebrochene Modell mit derzeit 25 zu betreuenden Personen hat sich seit der Ende Dezember 2014 erfolgten Eröffnung bewährt.

Die Auszeichnung des Projekts mit dem Viventis-Pflegepreis (siehe Artikel rechts) stärke die GAG in ihrer Überzeugung, auf dem richtigen Weg zu sein, sagt GAG-Verwaltungsratspräsidentin Johanna Bartholdi.

Deshalb habe sich der GAG-Verwaltungsrat auch für die Fortführung dieses Projektes ausgesprochen. Allerdings kommt dafür die «Stapfenmatt» wohl eher weniger infrage, wie Bartholdi mit Verweis auf die per 31. März 2021 auslaufende Betriebsbewilligung erwähnt. Dabei geht es um notwendige feuerpolizeiliche Massnahmen, welche die Solothurnische Gebäudeversicherung zur Auflage gemacht hatte. Nicht zuletzt deshalb kam die Sanierung des 1991 erbauten Gebäudes auf 850 000 Franken zu stehen.

Demenz-Dorf soll entstehen

Im Fokus steht deshalb für den Verwaltungsrat klar ein Neubau, mit gleichzeitiger Aufstockung der Pflegeplätze. Der heutige Bedarf in der Amtei Thal-Gäu liegt bei rund 60 Betreuungsplätzen für an Demenz erkrankte Personen und wird bis 2025 auf rund 120 ansteigen, wie die GAG-Präsidentin bemerkt. Als mögliche Zielvorgabe wurde die Schaffung von rund 80 neuen Pflegeplätzen ins Auge gefasst.

50 davon sind für Demenzkranke im fortgeschrittenen Stadium vorgesehen, 7 für begleitetes Wohnen für Menschen mit Demenz, 15 für kognitiv beeinträchtigte Menschen sowie weitere 7 Plätze für die Tages- und Nachtbetreuung. Man wolle das Projekt eher vorsichtig angehen, meint Bartholdi auf die zahlenmässig knapp gehaltene Planung angesprochen.

Die Idealvorstellung wären etwa 12 Wohneinheiten für jeweils 6 bis 7 Personen grosse Gruppen. In Anlehnung an das Modell De Hogeweyk soll dieser Wohnraum möglichst in mehreren Gebäuden mit dörflichem Charakter entstehen. Vorgesehen ist ferner ein öffentlicher Raum mit einem Laden, wo die Bewohner und auch die Öffentlichkeit einkaufen könnten. Um dem Modell De Hogeweyk möglichst nahe zu kommen, braucht es aber Platz. 8000 bis 13 000 Quadratmeter sind gemäss Bartholdi dafür nötig. Die Baukosten würden Schätzungen zufolge etwa 30 Millionen Franken betragen.

Auch Standort im Thal ist möglich

Was wirklich realisiert werden kann, hängt neben dem Standort vor allem von der Grösse des Bauplatzes ab, wie Johanna Bartholdi ausführt. Noch sei völlig offen, wo das neue Demenzzentrum gebaut werden soll. Klar ist hingegen die überregionale Ausrichtung des Projekts. Deshalb komme das Thal als möglicher Standort ebenso infrage wie das Gäu. Die GAG hat denn auch sämtliche Gemeinden der Amtei angeschrieben mit der Bitte, mögliche Standorte zu nennen. Dabei geht es nicht nur um öffentlichen Grund, auch private Anbieter können Eingaben machen. Voraussetzung ist, dass das Land eingezont und mit dem öV sowie dem motorisierten Verkehr gut erreichbar ist.

Aus acht Gemeinden liegen inzwischen Eingaben vor. Sie werden von einem von der GAG beauftragten Architekturbüro ausgewertet. Der GAG-Verwaltungsrat will bis Ende Februar einen möglichen Standort favorisieren. Im März könnten Verhandlungen mit dem oder der Besitzerin des Landes aufgenommen und danach die Planung an die Hand genommen werden. Die Realisierung des Projekts könnte in den Jahren 2019 und 2020 erfolgen.

«Keine Belastung für Gemeinden»

Finanziert würde das Demenzzentrum durch Eigenmittel der GAG sowie durch Investorenbeiträge, wie Bartholdi bemerkt. Als Ziel erwähnt die GAG-Präsidentin, dass die Gemeinden keinen Beitrag leisten müssten. Diese könnten sich aber im Gegenzug an der GAG oder der noch zu gründenden Körperschaft für den Betrieb des neuen Demenzzentrums beteiligen. «Eine solche Abstützung würden wir sehr begrüssen», so die GAG-Verwaltungsratspräsidentin.