Wiederansiedlung

Neuer Projektleiter: «Der Wisent kann hier Lebensraum finden»

Vom Projekt überzeugt: Der neue Geschäftsführer Otto Holzgang. Bruno Kissling

Vom Projekt überzeugt: Der neue Geschäftsführer Otto Holzgang. Bruno Kissling

Otto Holzgang ist Umweltnaturwissenschafter und aktiver Jäger – und neuer Projektleiter von «Wisent Thal». Er spricht über seine Motivation, dieses Amt anzunehmen, und die Faszination Wisent.

Das Projekt für die Wiederansiedlung des Wisents wirft hohe Wellen im Thal. Dies vermochte Otto Holzgang aber nicht abzuschrecken, auf eine Anfrage von Stefan Müller-Altermatt, Präsident des Projekt-Vereins, einzutreten, berichtet Holzgang bei einem Treffen im Bahnhofbuffet Olten. Von Wisent Thal habe er aber schon früher gehört und die Sache habe ihn natürlich sehr interessiert, gesteht er weiter.

Seine Leidenschaft seien halt die Säugetiere. «Und da nimmt der Wisent, als grösstes Landtier in Europa, eine besondere Stellung ein.» Er habe dieses Amt auch angenommen, weil das gesamte Wisent-Projekt sehr gut «aufgegleist» sei, erklärt der 53-Jährige, der in Ballwil LU lebt. «Dass es Widerstände gegen ein solches Vorhaben gibt, ist normal. Alles, was neu ist, wird zunächst mit einer gewissen Skepsis betrachtet – das geht mir nicht anders», meint er. «Doch das Vorhaben des Vereins Wisent Thal hat mich überzeugt und ich bin sicher, dass dieses Tier im Thal seinen Lebensraum finden kann.»

Holzgang hat sich das Gelände Solmatt in Welschenrohr, wo die Herde untergebracht werden soll, kurz angeschaut und mit Benjamin Brunner, dem «Wisent-Ranger», gesprochen. «Ich werde mich aber noch viel intensiver mit dem Gelände befassen müssen», gibt er zu; das folge aber noch. Als Projektleiter werde er die Interessen des Vereins nach aussen vertreten, Ansprechperson gegenüber Dritten sein, die wissenschaftliche Arbeit begleiten und das Projekt operativ leiten.

Meinungsbildungsprozess wichtig

Zum Zwischenstand des Projektes sagt er: «Momentan werden die eingegangenen Einsprachen zum Baugesuch für die Einzäunung vom Amt für Raumplanung behandelt. Ich hoffe, dass wir ab Sommer mit den Einzäunungen für die Herde beginnen können.» Eine erste Herde mit fünf bis zehn Tieren würde dann für zwei Jahre in einem 51 Hektaren grossen Gehege leben. Danach würde das Gelände, in dem die Herde dann weitere drei Jahre leben soll, auf 106 Hektaren vergrössert.

Im Grossen und Ganzen findet Holzgang es gut, wie weit das Projekt bis heute vorangeschritten ist. «Es ist richtig, dass ein Meinungsbildungsprozess stattfindet. Und es ist auch gut, dass Einsprachen kamen und so die Bedenken sichtbar wurden. Wir können diese aufnehmen und wenn möglich entkräften.» Er weiss von ablehnenden, aber auch konstruktiven Vorschlägen. Mehr wolle er dazu noch nicht sagen, da es sich um ein laufendes Verfahren handle.

Kompromiss in Deutschland

Vor kurzem machte die Meldung die Runde, dass die Betreiber der «Wisent-Welt Wittgenstein» in Bad Berleburg (D) gerichtlich dazu verpflichtet worden seien, ihre freilaufende Wisentherde einzäunen zu müssen. Dazu sagt Holzgang: «Es handelt sich hier nicht um ein Gerichtsurteil, sondern um eine Kompromisslösung mit einer vorübergehenden Einzäunung. Dies ist das Resultat von Verhandlungen zwischen dem Wisent-Projekt Bad Berleburg, Vertretern des Waldbauernverbandes und der zuständigen Ministerin des Landes Nordrhein-Westfalen, Ursula Heinen-Esser.» Diese involvierten Kreise hätten sich darauf geeinigt, die seit 2013 laufende Freisetzungsphase der Wisente im Rothaargebirge für die nächsten drei bis fünf Jahre in einem neu abgegrenzten Projektgebiet im Hochsauerlandkreis und im Kreis Siegen-Wittgenstein fortzusetzen; sie soll also etwas «umgelenkt» werden. «Die Herde lebt damit in einer Einzäunung, ähnlich wie wir das im Thal für die ersten fünf Jahre geplant haben.» Es sei noch zu erwähnen, dass im Februar dieses Jahres vom Verwaltungsgericht Amberg Klagen von vier Waldbesitzern gegen das Ausbringungsprojekt für Wisente im Rothaargebirge abgewiesen wurden, die Freisetzung also legal erfolgt ist.

Holzgang erinnert daran, dass in der Schweiz durch den demokratischen Weg zwar alles etwas langsamer gehe, dafür aber alle Akteure immer miteinander im Gespräch sind. «Auch wenn wir alle Bewilligungen für die Herde haben und den Betrieb fünf Jahre lang geführt haben, heisst das noch lange nicht, dass automatisch eine Auswilderung erfolgt.» Holzgang ist pragmatisch: «Auch dafür braucht es wieder die gesellschaftliche Akzeptanz.

Der Wisent wäre im Übrigen nicht die erste Spezies, die eine Wiederansiedlung in der Schweiz oder in der Region erfahre. «Beispiele dafür sind Steinbock, Bartgeier, Gämse, Luchs oder auch der Biber.» Otto Holzgang ist überzeugt, dass sich die Bevölkerung im Laufe der Jahre auch an die Präsenz des Wisents gewöhnen würde. «Eine unserer Aufgaben ist es daher, der Bevölkerung im Rahmen des Versuchsprojektes den Umgang mit diesem Tier zu ermöglichen.»

Wie hoch der Stellenwert des Projektes in Welschenrohr ist, beweise die bundesbehördliche Unterstützung des Bafu und die Europäische Unterstützung der IUCN Bison Specialist Group. «Es liegen also sehr hohe Naturschutzinteressen vor», sagt Holzgang. Zudem ist er davon überzeugt, dass mit dem Wisent-Projekt für das Thal ein attraktives, auch touristisch ansprechendes Angebot geschaffen werden kann.

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