Mümliswil
Neuer Eluveitie-Schlagzeuger: «Für die Fans war ich viel zu lieb für die Metal-Band»

Der 22-jährige Alain Ackermann aus Mümliswil geht als Drummer der Folk-Metal-Band Eluveitie auf Europa-Tournee – der Thaler setzt voll auf die Musik und kann bereits davon leben.

Alois Winiger
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Alain Ackermann, hier beim Treffen in Solothurn, setzt voll auf seine Musik-Karriere.

Alain Ackermann, hier beim Treffen in Solothurn, setzt voll auf seine Musik-Karriere.

Alois Winiger

Üblich ist hierzulande ja, dass man zuerst eine Lehre oder das Gymnasium absolviert und dann in die Ausbildung zum professionellen Musiker einsteigt. Auch Alain Ackermann aus Mümliswil begann eine Lehre, brach sie aber bald ab. Er wollte nicht Zeit versäumen, sondern Schlagzeuger werden, bewarb sich für ein Vollzeitstudium an der Agostini Drum School in Olten und wurde aufgenommen. Deren Leiter Noby Lehmann sah das Potenzial des damals 18-jährigen Alain Ackermann und sagte: «Wenn er so dranbleibt, so hat er echte Chancen als professioneller Schlagzeuger.»

Fünf Jahre ist das her, seither hat Alain Ackermann am Drumset Wettbewerbe gewonnen, das Masterdiplom (premier prix avec félicitations) erworben und ist mit Acts wie Terry Lynn und TinkaBelle aufgetreten. Mit 21 Jahren gelang ihm der Sprung auf die grössten Festivalbühnen Europas wie beispielsweise im deutschen Wacken, wo er 2016 als Session-Drummer der Folk-Metal-Band Eluveitie vor 60'000 Personen spielte. Seit diesem Jahr gehört er fest zur Band und wird mit ihr während der nächsten sechs Monate durch ganz Europa touren mit Station am Greenfield-Festival am 10. Juni.

Zu viel vorgenommen

Schon als kleiner Bub habe er auf allem, was sich anbot, herumgetrommelt, erzählt Ackermann. Mit sieben Jahren begann er, das Trommeln zu erlernen, entdeckte wenig später das Schlagzeug, blieb dabei, spielte als Zehnjähriger in Bands und Musikvereinen mit, und mit fünfzehn gab er stellvertretend Unterricht an der Musikschule Mümliswil. Dort wirkt er noch immer, erteilt aber auch privaten Unterricht, den er jedoch aufgrund seines Engagements bei Eluveitie reduziert hat.

Nicht wie vorgesehen lief es in der Rekrutenschule als Schlagzeuger. «Ich hatte mir wohl etwas zu viel vorgenommen. An den Wochenenden habe ich nicht frei, sondern Auftritte gehabt und meine Schüler unterrichtet. Und es war halt auch so, dass ich Mühe hatte mit dem Dienstbetrieb, wenn er nichts mit Musik zu tun hatte. Ich hatte dann immer im Hinterkopf, wie gut ich diese Zeit für meine Vorhaben, fürs Üben nutzen könnte.» Der Druck wurde zu gross, Ackermann erlitt einen Zusammenbruch und wurde freigestellt. «Aber eine gute Erfahrung ist die RS-Zeit trotzdem gewesen.»

Shit-Storm ausgelöst

Eines Tages meldete sich Rafael Salzmann, Gitarrist der Band Eluveitie, bei Ackermann. Es komme in der Band zu personellen Wechseln, man suche einen Schlagzeuger. Die beiden Musiker hatten sich vor sechs Jahren an der Jazz-Pop-Rock-Akademie in Winterthur kennen gelernt. Ackermann konnte die Bandmitglieder sowohl vom Können her als auch als Person überzeugen.

«Unter den Fans hingegen gab es kurz Aufruhr, als ich als neuer Drummer vorgestellt wurde. Eine richtige Shit-Storm wurde auf Social Media gefahren», sagt Ackermann. «Der schaut doch viel zu lieb aus!», habe es da geheissen. «Die Fans haben halt ihre eigenen Vorstellungen davon, wie ein Metalband-Drummer aussieht.» Er könne aber damit leben, denn der Anteil an positiven Reaktionen sei grösser gewesen. «Und nachdem man mich hat spielen hören, ist alles bestens.»

Der Knopf im Ohr

Apropos hören: Wie gut wird Ackermann noch hören, wenn er die Tournee mit den enorm geballten Ladungen an Lautstärke beendet haben wird? «Gut. Denn ich sorge natürlich vor. Die Knöpfe, die ich jeweils im Ohr habe, lassen praktisch nichts rein.» Wie kann er dann aber mit den Musikern mithalten, wenn er sie nicht hört? «Es handelt sich um ein In-Ear-Hörsystem. Damit höre ich die anderen Instrumente und mein Schlagzeug über die Anlage, und zwar in einer dosierten Lautstärke.»

Bisher hat Alain Ackermann als Berufsmusiker vor allem mit Unterrichten sein Geld verdient. Nun kann er – mit gut 22 Jahren – bereits vom Musikmachen leben, während andere noch ihr Studium absolvieren. «Es gab Leute», sagt er, «die hielten es für fahrlässig, dass ich nicht zuerst einen anderen Beruf gelernt habe.»

Er selber habe nie Zweifel gehabt, diesen direkten Weg zum Ziel als Musiker zu schaffen. «Meine Eltern waren ebenso davon überzeugt, wofür ich ihnen sehr dankbar bin.» An einen Plan B für den Fall, dass es doch nicht klappen würde, habe er auch nie gedacht. «Dadurch verschenkst Du kostbare Energie.»