Aedermannsdorf/Beinwil
Neuer Anlauf für Windparkprojekt auf dem Scheltenpass

Die Investorin Hydroelectra AG möchte Anfang 2018 das neue Projekt für einen Windpark auf dem Scheltenpass ob Aedermannsdorf der Öffentlichkeit vorstellen.

Isabel Hempen
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Vier Windparkanlagen sollen am Scheltenpass auf dem Matzendörfer Stierenberg (Bild) und dem Erzberg zu stehen kommen.

Vier Windparkanlagen sollen am Scheltenpass auf dem Matzendörfer Stierenberg (Bild) und dem Erzberg zu stehen kommen.

Bruno Kissling

Mit dem deutlichen Ja zur Energiewende, das die Schweizer Stimmbevölkerung Ende Mai dieses Jahres aussgesprochen hat, rückt der Ausbau erneuerbarer Energien in den Fokus. Und damit auch wieder das 2006 lancierte und mit rund 40 Mio. Franken veranschlagte Windparkprojekt auf dem Scheltenpass. Auf dem Stierenberg und auf dem Erzberg plant das Energieunternehmen Hydroelectra AG aus dem sanktgallischen Heerbrugg vier Windenergieanlagen. Dieser Windenergiepark soll auf dem Boden der Gemeinden Aedermannsdorf und Beinwil zu stehen kommen. Allerdings herrscht vonseiten der Hydroelectra seit geraumer Zeit Funkstille, was das Voranschreiten des Projekts anbelangt.

Neue Besitzverhältnisse

Wie Hydroelectra-Mediensprecher Rolf Gerber auf Anfrage mitteilt, sei es bei der Entwicklung des Projekts zu mehreren Verzögerungen gekommen. Dies unter anderem, weil Hydroelectra-Gründer Peter von Rotz aus Altersgründen seine 50-Prozent-Beteiligung am Unternehmen im September 2015 an die sanktgallische SN Energie AG und an die UBS CEIS KGK verkaufte. Die 50-Prozent-Beteiligung des Solothurner Rohstoff- und Recyclingsunternehmens Vigier blieb indes bestehen. «Die neuen Eigentümer haben ein klares Bekenntnis zur Fortführung des Projekts abgegeben», so Gerber.

Viel Zeit hat ihm zufolge auch die sogenannte Site Verification in Anspruch genommen. Dabei handelt es sich um eine Zustimmung zum vorgesehenen Standort durch den Turbinenlieferanten. Dieses «technische OK zur Machbarkeit» sei bei der Entwicklung eines Windparks absolute Voraussetzung. Die anderthalb Jahre seit der Veränderung der Eigentumsverhältnisse seien von Hydroelectra dazu verwendet worden, alle für eine Verwirklichung des Windparks auf dem Scheltenpass nötigen Vorabklärungen zu tätigen: Erneute Windmessungen, Site Verification, Fledermausdetektion, Bodensondierungen. Ausserdem seien generell die für die Beurteilung der Umweltverträglichkeit erforderlichen Untersuchungen abgearbeitet worden. Diese verlangt der Kanton im Rahmen eines Pflichtenhefts.

Dossier im Herbst beim Kanton

Gerber zufolge rechnet die Hydroelectra damit, das unterdessen auch technisch fortgeschrittene Dossier im Spätherbst 2017 dem Amt für Umwelt zur ersten Vorprüfung vorlegen zu können. Dies werde mehrere Monate in Anspruch nehmen. Gerber hofft auf einen positiven Befund im ersten Quartal 2018. Sobald dieser vorliege, werde Hydroelectra das Projekt öffentlich vorstellen.

Wie Markus Schmid vom kantonalen Amt für Raumplanung sagt, habe vor etwa einem halben Jahr eine Sitzung mit den Investoren stattgefunden. «Das ist unser letzter Kenntnisstand zum Projekt», so Schmid. Der nächste Schritt vonseiten des Kantons werde die Beurteilung der Umweltverträglichkeit sein, sobald Hydroelectra die nötigen Unterlagen eingereicht habe. Aufgrund von Erfahrungen mit dem Windpark Grenchenberg geht er davon aus, dass das Projekt nach der ersten Vorprüfungsphase einer Überarbeitung und danach einer zweiten Vorprüfung bedürfe. Sobald die Planung bereinigt sei, könne die Angelegenheit in den Gemeinden behandelt werden.

«Nicht der geeignete Standort»

Wie sich Aedermannsdorf und Beinwil zum geplanten Windenergiepark stellen, ist laut deren Gemeindepräsidenten noch nicht klar. Bruno Born, Gemeindepräsident von Aedermannsdorf und Präsident des Vereins Region Thal, gibt zwar an, dass sich die Gemeinde 2012 positiv zum Windparkprojekt ausgesprochen habe. «Aber wir müssen uns im Gemeinderat erneut Gedanken darüber machen.» Zwischenzeitlich habe sich bezüglich des geplanten Windenergieparks im Thal Widerstand geregt. Ausserdem seien neue Erkenntnisse gesammelt worden. Er könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, wie Aedermannsdorf zum Projekt stehe.

Auch im Verein Region Thal werde die Angelegenheit erst wieder aufgegriffen.
Albert Beschart-Schriber, Gemeindeammann von Beinwil, stösst ins gleiche Horn. Der Gemeinderat müsse sich erst mit dem Thema befassen. Vonseiten der Investoren sei ein Informationsanlass im kommenden Herbst angekündet worden. Diesen wolle die Gemeinde abwarten, bevor sie Stellung beziehe.

Auf Gegner-Seite indes heisst es klar: «Wir wollen den Windpark nicht.» Der dies dezidiert sagt, ist Marcel Allemann, Präsident des Vereins Thaler Landschaft ohne Windräder. Der Verein sei derzeit dabei, bis Mitte Juli Gespräche mit den Beteiligten zu führen und eine Situationsanalyse zu erstellen. Anschliessend erstelle er ein Positionspapier und einen Kommunikationsplan.

Nationalrat Stefan Müller-Altermatt, ehemaliger Leiter des Naturparks Thal, sieht sich in einem «eklatanten Interessenkonflikt». Hat er doch einerseits den Schutz des Naturparks im Auge, sich andererseits aber für erneuerbare Energien ausgesprochen. Dennoch ist der Herbetswiler Gemeindepräsident der Überzeugung: «Das Thal ist nicht der geeignete Standort für einen Windpark.» Gemäss seiner Kosten-Nutzen-Abwägung würde der Windpark nicht rentieren. «Dafür müsste er grösser sein. Ausserdem würden im Thal wertvolle Trockenwiesen und -weiden in Mitleidenschaft gezogen.» Besser wäre in seinen Augen ein grosses Projekt an einem anderen Standort, vergleichbar dem 16-Turbinen starken Windpark auf dem Mont Crosin im Berner Jura.

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