Neuendorf
Neuendorfs Turner erleben einen Abend voller Gefühle fürs Geschichtsbuch

Am Anfang waren die KTV-ler in der einen, die STV-ler in der anderen Halle. Getrennt voneinander mussten sie ihre Vereine erst auflösen, bevor sie aufeinander zugehen und gegenseitig willkommen heissen konnten. Willkommen im neuen, gemeinsamen TSV.

beat klauenbösch (text) und markus müller (Bilder)
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Das Sprichwort «Was lange währt, wird endlich gut» passt hervorragend zur Fusion der beiden Turnvereine STV und TV St. Stephan Neuendorf zum Turn- und Sportverein Neuendorf. Nach anfänglicher Skepsis auf beiden Seiten wuchsen in den vergangenen Monaten die Riegen und die Vereinsleitungen zusammen. Der Ablehnung zur schnellen Fusion, die noch vor den Jubiläumsfeierlichkeiten beider Vereine vor rund fünf Jahren hätte stattfinden sollen, folgte nun die eindrückliche Zustimmung zum neuen Turn- und Sportverein Neuendorf.

Die Mehrheit der Anwesenden erlebte am Freitagabend vermutlich ein doppelt einmaliges Ereignis. Zuerst die Auflösung des eigenen Vereins, mit dem viele Erlebnisse verbunden sind. Und dann die Gründung des neuen Vereins, der die Sportfamilien Neuendorfs in die Zukunft begleiten soll. Getrennt in die Vereine STV Neuendorf und TV St. Stephan Neuendorf versammelten sich rund 80 Mitglieder, um jeweils ihren Verein geordnet aufzulösen. Die Stimmung war vorerst verhalten. Emotionslos ging es nicht, aber reibungslos.

Vor den Versammlungen war nur leises Murmeln zu hören, gespannte Erwartung lag in der Luft. Es hört sich einfach an, einen Verein aufzulösen. Die vielen damit verbundenen Erlebnisse lösen aber innerlich eine gewisse Traurigkeit aus. 105 und 75 Jahre Vereinserfolge gehen nicht spurlos an den Turnerinnen und Turner vorüber.

Dank der guten Vorbereitung der Präsidenten konnten sich alle Gründungsmitglieder schon nach kurzer Zeit in einer Halle versammeln, um die Ära des neuen Vereins einzuleiten. Da es in diesen Minuten keinen Präsidenten mehr gab, wurde Harry Niggli, Präsident der Kultur- und Sportkommission, zum Tagespräsidenten gewählt. Er verglich die beiden Turnvereine als Brautpaar und die Fusion als Vereinigung von zwei guten und erfolgreichen Stützen der Gesellschaft. Im weiteren Schritt wurden die neuen Statuten einstimmig angenommen – damit war der neue Turn- und Sportverein Neuendorf offiziell gegründet. Dies wurde mit noch etwas verhaltenem Applaus begleitet, den Meisten war noch kaum bewusst, dass nun der Startstein gesetzt war. Das änderte sich aber bereits, als das neue Logo präsentiert wurde. Das vom Neuendörfer Künstler Martin Heim gestaltete und gespendete Logo in den Farben rot und schwarz stiess auf grosse Zustimmung.

Als danach die neue Vereinsleitung vorgestellt und gewählt wurde, war der Bann gebrochen. Mit grossem Applaus wurde die Leitung unter der Führung von Walter Langenstein gewählt und bestätigt. Als «Stein des Anstosses» übergab Harry Niggli dem neuen Präsidenten einen grossen Stein. Die Ecken und Kanten, die glatten und spitzigen Stellen, die matten und glitzernden Steinchen sollen symbolisch die kommenden Jahre und die bevorstehenden Aufgaben darstellen.

Mit einem stolzen Vereinsvermögen darf der Verein in die Zukunft starten. Erste grosse Anschaffungen stehen bevor, denn eine neue Vereinsfahne muss angeschafft und das Erscheinungsbild in Form eines Vereinstrainers angegangen werden. Der Finanzchef konnte ein erstes ausgeglichenes Budget präsentieren, die Vereinsaktivitäten sollen im gewohnten Rahmen und hoffentlich auch mit neuen Ideen weiterlaufen. Dies zeigte sich bereits darin, dass neue Mitglieder in den Turn- und Sportverein aufgenommen werden konnten.

Das grosse Angebot über MuKi, KiTu, Jugi, Turnerinnen- und Turnerriegen zu Mannschaftssport wie Korbball, Volleyball, Netzball und Faustball zeichnen den neuen polysportiven Turn- und Sportverein aus. Für jedes Alter, jedes Geschlecht und jedes Interesse ist der Turnverein bereit, sich zu engagieren und eine Plattform zu bieten. Das vorgestellte Jahresprogramm bietet nebst den sportlichen Höhepunkten auch gesellschaftliche Anlässe. So findet das traditionelle Waldfest in diesem Jahr am 10./11. August hoch über Neuendorf am Waldrand beim Turnerhaus statt.

Der Präsident Walter Langenstein durfte zum Schluss der Gründungsversammlung auch die guten Wünsche der Gemeindebehörden entgegen nehmen. Der Turn- und Sportverein werde weiterhin ein wichtiges kulturelles Element in der Gemeinde darstellen. Walter Langenstein nahm den «Stein des Anstosses» auf und zeigte sich überzeugt, dass weitere viele Steine und Steinchen ins Rollen gebracht werden können. Mit Stolz und Zuversicht nehme die neue Vereinsleitung die Arbeit auf. Die Fusion ist noch nicht abgeschlossen, aber der wichtigste Schritt ist getan.

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