Maibrauch
Neuendorf streicht nach Reklamationen Prämie für die Stäckli-Buben

Der Jahrgang 1996 hat in der 1.-Mai-Nacht auch Palmbäume verschleipft. Damit haben die Jugendlichen die tolerierbare Grenze überschritten, findet der Gemeinderat. Er empfahl der Kultur- und Sportkommission die 500-Franken-Prämie einzubehalten.

Erwin von Arb
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Das von den Stäckli-Buebe entwendete Palmbäumchen landete nahe dem Festplatz auf einem Baum.

Das von den Stäckli-Buebe entwendete Palmbäumchen landete nahe dem Festplatz auf einem Baum.

zvg

In Neuendorf wird die Tradition der Stäcklibuebe, welche jeweils in der Nacht zum 1. Mai im Dorf alles nicht niet- und nagelfeste verschleipfen, hochgehalten. Weil es bei diesem Brauch in der Vergangenheit aber immer wieder zu Problemen kam, beschloss der Gemeinderat vor zwei Jahren, den Jugendlichen eine Prämie von 500 Franken entrichten, wenn sich diese beim Verschleipfen an gewisse Anstandsregeln halten und keine Schäden anrichten. Gleichzeitig wurde der Verkauf von Klebern verboten, welche von den Stäcklibuebe im Vorfeld des 1. Mai in den Dorfläden verkauft wurden. Wer einen solchen Kleber kaufte, sollte von den Stäcklibuebe verschont bleiben.

Entäuscht von den Mai-Buben

Nicht in den Genuss der erwähnten Zahlung von 500 Franken kommen wird dieses Jahr der Jahrgang 1996, welcher heuer für das Verschleipfen zuständig war. Dies nach berechtigten Reklamationen aus der Bevölkerung, wie der Gemeinderat befand. Die Jugendlichen hatten es auf ihrer nächtlichen Tour durch das Dorf nicht nur auf herumstehende Gegenstände bei Privatliegenschaften abgesehen, sondern auch auf Palmbäumchen. Ein Solches rissen sie bei einem Einfamilienhaus an der Allmendstrasse aus der Verankerung und warfen es beim Festplatz nahe der Kirche auf einen Baum.

Die betroffene Familie ist enttäuscht, dass mit einem religiösen Symbol so respektlos umgegangen wird. Dass die von Jugendlichen ebenfalls mitgenommene Keramikfigur kaputt gegangen sei, habe sie weniger gestört, so die Familie. Inzwischen haben sich zwei Mädchen des Jahrgangs bei der Familie entschuldigt und nachgefragt, wie hoch der finanzielle Schaden sei. «Wir haben natürlich nichts verlangt», so die Mutter der betroffenen Familie. Für sie sei die Sache damit erledigt.

Nicht für den Gemeinderat, der den Vorfall am Montagabend eingehend diskutierte. Dabei wurde erwähnt, dass in einem anderen Quartier ein zweites Palmbäumchen fast in die Hände der Stäckli-Buebe gefallen wäre. Einen weiteren Vorfall gab es an der Dorfstrasse mit einem Kinderspielgerät. Obwohl alle Fälle ohne Beizug der Polizei gelöst werden konnten (vgl. auch Artikel unten), gelangte der Gemeinderat zur Auffassung, dass mit der Entwendung der Palmbäumchen die tolerierbare Grenze überschritten wurde. Deshalb empfahl er der zuständigen Kultur- und Sportkommission (KSK), dem Jahrgang 1996 die Prämie von 500 Franken nicht auszurichten. Dies als Signal für kommende Stäcklibuebe.

Gemeinderat gegen ein Verbot

Trotz der Vorkommnisse möchte der Gemeinderat auf ein Verbot für das Verschleipfen verzichten, wie das zum Beispiel in Wolfwil praktiziert wird. Festhalten will er auf Zusehen hin auch an der Ausrichtung einer Prämie unter Einhaltung der aufgestellten Regeln. Infrage gestellt wurde indessen das Verbot für den Verkauf von Schutzklebern durch die Jugendlichen. Eine Aufhebung wurde aber mit 4 gegen 3 Stimmen abgelehnt. Sollte das System mit der Prämie im kommenden Jahr wieder nicht die gewünschte Wirkung erzielen, will der Rat bezüglich des 1.-Mai-Brauchs über die Bücher gehen.

Wenig zu reden gab die Rechnung 2014, welche mit einem Minus von 1,981 Mio. Franken schliesst (wir berichteten). Budgetiert war ein Ertrag von 13 110 Franken. Der Gemeinderat will an der Rechnungsgemeindeversammlung vom 18. Juni transparent aufzeigen, wie die Gemeinde in eine finanziell solch desolate Lage geraten konnte. Gemeindepräsident Rolf Kissling schloss eine weitere Steuererhöhung nicht aus.

Besoldung Elektra-Verwaltungsrat

Weiter legte der Gemeinderat die Entschädigung des 5-köpfigen Verwaltungsrats für die Elektra Neuendorf fest. Die weiterhin im Besitz der Einwohnergemeinde verbleibende Elektra wird in eine öffentlich-rechtliche Gesellschaft überführt. Der Verwaltungsratspräsident erhält gemäss Beschluss jährlich 2000 Franken, zuzüglich 100 Franken pro Sitzung. Der Vizepräsident sowie die drei anderen Mitglieder erhalten je 1000 Franken sowie pro Sitzung 100 Franken. Für das Aktuariat wird das doppelte Sitzungsgeld entrichtet. Bei der Beratung und dem Beschluss traten Gemeindepräsident Rolf Kissling und Gemeinderätin Gabriela Gaugler in den Ausstand. Kissling als designierter Verwaltungsratspräsident der Elektra Neuendorf, Gabriela Gaugler als Aktuarin.