Härkingen

Neue Zersiedlungssorgen: Bürgergemeinde lehnt 8-Millionen-Projekt ab

Die Wiese bleibt grün, nachdem sich die Bürger gegen die Mehrfamilienhäuser ausgesprochen haben

Die Wiese bleibt grün, nachdem sich die Bürger gegen die Mehrfamilienhäuser ausgesprochen haben

Härkinger Bürger lehnten das 8-Millionen-Projekt ab, wonach zwei Mehrfamilienhäuser nördlich der Gemeinde hätten erbaut werden sollen. Die Bürgergemeinde verliert darum rund 200'000 Franken.

Völlig aus dem Nichts kam das Nein nicht; Das Nein zu den Plänen der Bürgergemeinde, auf einer Wiese im nördlichen Teil der Gemeinde zwei Mehrfamilienhäuser zu bauen.

«Wann hört dieser Irrsinn endlich auf», titelte ein Leserbrief in dieser Zeitung, der auf den teilweise hohen Leerwohnungsbestand im Gäu aufmerksam machte. Bereits vier Wochen vor der Urnenabstimmung warb Gerhard Studer auf privater Basis mit einem Flugblatt für ein Nein. Auch darin war das Siedlungswachstum ein wesentlicher Bestandteil der Botschaft: «Die öffentlichen Institutionen sollten den gegenwärtig überhitzten Bauboom und den Leerwohnungsbestand nicht zusätzlich fördern. Sie sollten vielmehr bei der nächsten Konjunkturflaute die Bauwirtschaft mit Aufträgen ankurbeln.» Im Dorf würden sich viele Leute fragen, ob die Bürgergemeinde 20 neue Wohnungen erstellen müsse, da ja bereits weitere Grossprojekte geplant seien, schrieb Studer.

Die Leerwohnungsziffer liegt bei 4,8 Prozent

Die Sorgen über das unkontrollierte Wachstum in Härkingen scheinen neu zu sein. Denn das Siedlungsbild verrät: Wie in vielen Gemeinden im Gäu wuchsen in Härkingen in den letzten Jahren die Wohnquartiere ohne klare Struktur auf ehemaligen Ackerfeldern, ohne dass sich Widerstand regte. 37 Wohnungen standen in Härkingen laut Statistik per 1. Juni 2019 leer. Die Gemeinde bewegt sich mit einer Leerwohnungsziffer von 4,8 Prozent über dem kantonalen Durchschnitt. Die Zersiedlungsinitiative und ihre radikalen Forderung, sämtliche Bauzonen auf dem aktuellen Stand einzufrieren, lehnte die Härkinger Stimmbevölkerung im Februar deutlich ab. Beim Bauvorhaben der Bürgergemeinde zogen die Bürger nun die Notbremse. Bürgergemeindepräsident Urs Jäggi ist am Tag nach der Abstimmung über die Absage enttäuscht. Rund 200'000 Franken investierte die wohlhabende Bürgergemeinde für den Architekturwettbewerb und die Projektausarbeitung. «Wieso meldeten sich die kritischen Stimmen nicht während des Planungsprozesses?», fragt Jäggi nach dem Nein. Auch als der Bürgerrat vor gut einer Woche an der Versammlung noch einmal über das Projekt orientierte, habe es aus dem Plenum keine kritischen Wortmeldungen gegeben.

Die im Wahlkampf geäusserte Kritik, die Bürgergemeinde dürfe nicht den Leerwohnungsbestand ankurbeln, erachtet Jäggi als verfehlt. «Wenn Privatpersonen bauen, hast du keinen Einfluss auf den Mietpreis oder das Bauobjekt – bei der Bürgergemeinde schon», argumentiert er. Die Bautätigkeit werde in Härkingen deswegen nicht abnehmen. Aktuell ist die Härkinger Bürgergemeinde im Besitz von 36 Wohnungen und von diesen sei bloss eine 4,5-Zimmer-Wohnung seit einigen Monaten frei, sagt Jäggi. Die Mietpreise für die Neuwohnungen richteten sich nach einer Vorgabe, wonach die Bürgergemeinde eine Rendite von fünf Prozent erreichen soll. Jäggi hierzu: «Es wäre denkbar gewesen, dass wir die Rendite senken, jedoch gab es keine Forderung in diese Richtung.» Wie der Bürgerrat nun weiterfahren will, ist offen. «Wir müssen unser Geld investieren», sagte Jäggi im August gegenüber dieser Zeitung. Nachdem die Mehrheit die Investition ablehnte, bleibt das Geld vorerst auf der Bank. Erst im neuen Jahr wird der Bürgerrat weiterschauen.

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