«Die Politik meint manchmal, die Bahn könne einfach so fahren», sagt Georges Jacquat. «Aber bei einem so dichten Fahrplan braucht das Schienennetz auch mehr Instandhaltung.»

Der 58-jährige Ur-Bähnler ist seit seinem 16. Lebensjahr bei der SBB: Ursprünglich als Lokomotivführer beim Baudienst, heute in der Planung und Auftragsführung des Bereichs Instandhaltung, Region Mitte in Olten.

Intervalle werden immer kürzer

Die Verkürzung der Unterhalts-Intervalle hat Jacquat miterlebt: «Bei der Einführung der Betonschwellen glaubte man, dass sie 40 und mehr Jahre halten würden. Heute muss man sie, je nach Belastung, nach 20 bis 30 Jahren ersetzen. Und die Intervalle werden immer kürzer.» Wann und wo der Unterhalt nötig wird, zeigen Diagnosefahrzeuge an. Auch Lokführer melden Auffälligkeiten. Und trotz aller Technik sind noch heute Streckenläufer zu Fuss unersetzlich.

Georges Jacquat hat als Projektleiter die Fahrbahnerneuerung zwischen Schönenwerd und Aarau geplant, die am vergangenen und am kommenden Wochenende über die Bühne geht. Auf einer Strecke von 1600 Metern wird der «Fahrbahn-Oberbau» erneuert. Jeweils am Samstag und Sonntag, 2./3 und 9./10. November, ist auf diesem Abschnitt nur ein Gleis befahrbar. Intercity-Neigezüge und Regio-Express fallen zwischen Olten und Aarau aus.

2670 Betonschwellen ersetzen

Beim Augenschein am Samstagmorgen erklärt uns Steven Zürcher, der 22-jährige Arbeitsleiter und Sicherheitschef, den Ablauf. Zuerst werden die Betonschwellen ersetzt, 2670 Stück. Danach folgt die Schotterreinigung, wobei stark abgenützte Stücke durch ein Sieb ausgeschieden werden. Rund 30 Prozent des Schotters müssen ersetzt werden, 70 Prozent gehen zurück auf die Fahrbahn, die dann gestopft wird. Im letzten Schritt werden die Schienen ersetzt.

«Um 1.46 Uhr am Samstagmorgen sind wir gestartet, und pünktlich hat es zu regnen begonnen», berichtet Zürcher. Nicht schlimm, meint er: «Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Ausrüstung.» Trotzdem, im Spätherbst ist diese Arbeit im Freien kein Schleck. Pro Schicht sind jeweils 13 Leute von der SBB im Einsatz, unter anderem für die Sicherheit, dazu rund 20 Mitarbeiter von externen Gleisbau-Firmen.

Wie ein «Tragflügelboot der Schienen»

Die riesigen Maschinen machen einen Höllenlärm, aber was sie leisten, ist schier unglaublich. Der «Puma S», eine Spezialkonstruktion der Westschweizer Firma Scheuchzer für die SBB, hebt die Schienen aus den Befestigungen, schiebt sie nach aussen, gräbt die 280 Kilo schweren Monoblockschwellen aus dem Schotterbett und hievt sie mit Förderbändern zum Abtransport auf den Wagen.

Sofort spuckt die gleiche Maschine die neuen Schwellen in Abständen von 60 cm in den Schotter aus, die Schienen werden wieder darauf platziert und befestigt, der Schotter verteilt und ausgeebnet. Das alles passiert im Fahren, und dort, wo die Schiene ausgebaut ist, gleitet der «Puma S» auf Raupen über den Schotter – fast wie ein «Tragflügelboot der Schienen» …

Ebenso stark automatisiert ist die Schotterreinigung mit der «C-76», die den Granit-Schotter mechanisch reinigt und die nicht mehr brauchbaren Teile über Förderbänder auf den 400 Meter langen Aushubzug lädt. Ersatz wird mit dem Neuschotterzug zugeführt, dessen zwei Stopfmaschinen gleichmässig die Schwellen stopfen (krampen).

Als letzter Arbeitsgang folgt der Schienenzug «Boa», der an diesem Wochenende 20 Schienen zu je 108 Metern Länge austauscht und verschweisst: Wenn diese Zeitung am Montag erscheint, wird die erste Teilstrecke von 1080 Metern mit neuen Schienen bestückt sein.

Am 11.11. hat die Bahn ein komplett neues Bett

Ob alles klappt auf der kilometerlangen Gleisbaustelle, hängt davon ab, ob Georges Jacquat seine Planungsarbeit gut gemacht hat. «Der Kontakt zur Basis ist wichtig, denn die Chemie muss stimmen», meint er. Steven Zürcher ergänzt: «Es sind eingespielte Abläufe, und man kennt sich – aber jeder Umbau ist anders.»

Manchmal sei auch Improvisation gefragt. So auch in der ersten Nacht: Als Ersatz für eine Anzahl falsch dimensionierter Betonschwellen waren kurzfristig Holzschwellen zu beschaffen. Sie werden nächstes Wochenende ausgetauscht. Und ab 4 Uhr morgens am Montag, 11. November, werden die Züge zwischen Schönenwerd und Aarau über ein rundum erneuertes Schienen-, Schwellen- und Schotterbett brausen.