Der Bürgergemeinderat von Welschenrohr sorgt bei der Vergabe von Pachtland einmal mehr für Unmut unter den Bauern. Zuletzt geriet der Bürgerrat im September 2016 in die Schlagzeilen, nachdem sich unzufriedene Landwirte über dessen Vergabepraxis beschwert hatten.

Damals ging es um den Vorwurf, dass sich der Bürgerrat bei der Vergabe von 16 Hektaren Bürgerland nicht an das Pachtreglement gehalten habe. Kleine Bauernbetriebe würden benachteiligt und stattdessen im Bürgerrat einsitzenden Bauern Land zugestanden, das ihnen in diesem Umfang nicht zustehe.

Dagegen hatten vier Landwirte beim Kanton erfolgreich Beschwerde eingereicht, worauf der Bürgerrat die Schatzungskommission beauftragte, das Land neu zuzuteilen.

Umweg über steiles Gelände

Obwohl die Mehrheit im Bürgerrat vom Vorschlag der Schatzungskommission anfänglich nicht wirklich begeistert war, stimmte der Rat der vorgeschlagenen Verteilung des Pachtlandes zu. Damit gar nicht einverstanden ist Stefan Marti vom Schattenberg.

Streitpunkt ist ein 113 Aren grosses Landstück, etwa 200 Meter unterhalb seines Hofs. Dieses gehörte bis zur Neuausschreibung zum ehemaligen Bigler-Hof, den Marti 2015 kaufen konnte. Diese an sein Land grenzende Parzelle soll nun an einen anderen Bauern verpachtet werden.

Dass dies so vorgesehen ist, kann Marti nicht verstehen. An einer Sitzung des Bürgerrates hatte der Präsident unter dem Traktandum Verschiedenes eine Anfrage von Marti verlesen, in welcher dieser auf die Probleme einer solchen Vergabe hinweisen wollte.

Diese hätte unter anderem zur Folge, dass Marti den Ladewagen mit Futter rund 80 Meter im steilen und oft nassen Gelände bergwärts ziehen müsste, um danach zur 150 Meter entfernten Strasse zu seinem Hof zu gelangen.

Beschwerde beim Kanton eingereicht

Der Bürgerrat habe damals gesagt, vor der Verteilung des Pachtlandes die Situation vor Ort noch einmal zu begutachten. Dass dies nun geschehen sei, enttäusche ihn sehr, so Marti. Zudem fühle er sich im Recht, zumal im Pachtreglement nachzulesen sei, dass die Pachtlandvergabe nicht zulasten der Arrondierung und der Bewirtschaftung eines Hofes gehen dürfe. Und weil das hier ganz klar der Fall sei, habe er beim Kanton Beschwerde eingereicht.

Inzwischen hat der Landwirt, an welchen das besagte Land verpachtet werden soll, gegenüber dem Kanton Stellung genommen. Für Marti ein weiterer Beweis dafür, dass dem Bürgerrat nicht zu trauen ist. Unter anderem behauptet der Landwirt, der auch im Bürgerrat Einsitz hat, dass er am wenigsten Bürgerland habe. Eine glatte Lüge, wie Marti erwähnt.

Es gebe nachweislich zwei Landwirte, die weniger Land von der Bürgergemeinde gepachtet hätten. Gleiches gelte für die angeblich kleinste landwirtschaftliche Nutzfläche. Auch hier gebe es Zahlen, welche das klar widerlegten.

Unwahr sei ferner, dass die Parzelle an das Land des besagten Landwirtes grenze. Dabei handle es sich lediglich um dessen Pachtland. «Richtig ist vielmehr, dass die Parzelle an mein Land grenzt», stellt der 44-jährige Marti klar.

Bürgerpräsident wirft Handtuch

«Das müsste eigentlich auch der Bürgerrat wissen», findet Marti. Bürgergemeindepräsident Jürg Uebelhart will keine Stellung zum aktuellen Fall beziehen. Er hatte sich von Anfang an gegen die zuerst vom Bürgerrat vorgenommene Verteilung des Pachtlandes ausgesprochen, stiess im Rat aber nicht auf Gehör.

Die nun verabschiedete Pachtlandverteilung hatte Uebelhart begrüsst, sich mit seiner Haltung im Rat aber keine Freunde gemacht. Nach der jüngsten Entwicklung zieht er Konsequenzen. «Ich werde nicht mehr zur Wahl antreten», so Uebelhart.

Weiter kämpfen will hingegen Stefan Marti. Er werde einen Anwalt beiziehen, um das geltende Pachtreglement durchzusetzen.