Balsthal

Neue Orgelmusik vom Balsthaler Komponisten Theodor Diener

Stücke für Orgel von Theodor Diener wurden neu editiert und gespielt

Stücke für Orgel von Theodor Diener wurden neu editiert und gespielt

Erstaunlich viele Freunde der Musik von Theodor Diener (1908–1983) fanden sich am Sonntagabend in der Reformierten Kirche von Balsthal ein. Dort hatte der Komponist einen grossen Teil seines Lebens als Kirchenmusiker gewirkt.

Anlass für ein exquisites Konzert bot die Herausgabe des 8. Heftes in der Reihe «Musik aus der reichen Sammlung der Zentralbibliothek Solothurn», das in diesem Jahr erschienen ist.

Orgelwerke aus verschiedenen Schaffensperioden des Balsthaler Komponisten sind darin von den beiden Herausgebern – Hans-Rudolf Binz (Organist an der Christkatholischen Stadtkirche Olten) und Bruno Eberhard (ehemaliger Domorganist der St. Ursen-Kathedrale Solothurn) – in vorbildlicher Weise zusammengefasst: Werke, die durchaus eine Bereicherung auf den Spieltischen weiterer Organisten sein können.

Konzert am Wirkungsort

Das Konzert fand im Rahmen der jährlichen Veranstaltungen der «Gesellschaft der Freunde der Zentralbibliothek Solothurn» statt. So war es auch dem Präsidenten Dr. Max Flückiger vorbehalten, Freunde der Orgelmusik für einmal nicht in Solothurn, sondern am Wirkungsort des Komponisten Theodor Diener, in Balsthal zu begrüssen. Es erklangen vier Orgelstücke in dem Raum – und auf dem Instrument – in dem Theodor Diener einen grossen Teil seines Lebens als Kirchenmusiker gewirkt hat.

Ein berührendes Erlebnis vor allem für all die zahlreichen Konzertbesucher, die dem sensiblen Musiker noch begegnet sind. Den vier Stücken von Diener stellten die beiden Organisten Werke von Orgelmeistern aus dem Barock gegenüber: Präludien von Dietrich Buxtehude und Johann Sebastian Bach; Werke, die für Theodor Diener durchaus auch Vorbildfunktion gehabt haben mögen.

Von Diener erklang zuerst das Präludium I in D (um 1960), ein frühes Werk, das vor allem durch seine klare Form überzeugt: Ein einleitender fanfarenartiger Beginn mit virtuosen Pedalsoli mündet nach schlichter Zweistimmigkeit in einen ruhigen, choralartigen Mittelteil und klingt – nachdem nochmals das Fanfarenmotiv aufscheint – mit strahlenden Tutti-Akkorden aus.

Als wahres Kleinod entpuppte sich darauf Dieners Choralvorspiel «Herzliebster Jesu», dem Hans-Rudolf Binz den Bach’schen Choralsatz voranstellte. So war es für die Zuhörer leicht, unter der strengen Dreistimmigkeit das jeweilige Anklingen der Choralmelodie als Cantus Firmus im Bass mitzuverfolgen.

Dieners Anregungen

Einige Anregungen mag Diener dem grandiosen Präludium in C – einem Frühwerk – des noch nicht zwanzigjährigen Johann Sebastian Bach verdanken, welches Bruno Eberhard mit begeisterndem Elan vortrug. Ausgedehnte, virtuose Pedalsolo; kontrastierende Teile; eine helle, durchsichtige Zweistimmigkeit, rhythmisch freie, rezitativartige Teile bis hin zum machtvollen Tutti-Schluss.

So wurde auch Diener’s Präludium III in C – in dem verschiedene dieser Elemente durchaus erkennbar sind – in der Interpretation durch den ehemaligen Domorganisten für die konzentriert folgenden Hörer zum krönenden Abschluss einer musikalischen Gedenkstunde.

Ein sichtlich bewegter Ueli Diener bedankte sich bei Hans-Rudolf Binz und Bruno Eberhard für ihren engagierten Einsatz für das Werk seines Vaters und durfte – im Namen der Familienstiftung Theodor Diener und des Vereins Kultur im Thal – zum Apéro einladen.

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