Oberbuchsiten
Neue Liste #Mybuchste soll junge Leute motivieren, für den Gemeinderat zu kandidieren

In Oberbuchsiten gibt es eine neue Wahlplattform: #Mybuchste, eine Liste ohne Verbindung zu den Dorfparteien. Damit will der Gemeinderat Jonas Motschi politisch interessierte Bürger für das Amt eines Gemeinderates gewinnen. Denn zukünftige Rücktritte der jetzigen Räte sind absehbar.

Gülpinar Günes
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Junge Gemeinderäte gesucht: Wer interessiert ist aber keine politischen Agenden folgen will, der kann über #Mybuchste als Gemeinderat kandidieren.

Junge Gemeinderäte gesucht: Wer interessiert ist aber keine politischen Agenden folgen will, der kann über #Mybuchste als Gemeinderat kandidieren.

Patrick Lüthy

Oberbuchsiten will mehr Vielfalt in die Gemeinderatswahlen im kommenden April bringen. Eine überparteiliche Gruppe hat dafür die Wahlplattform #Mybuchste ins Leben gerufen: Damit will sie mehr und vor allem jüngere Einwohner für das Amt eines Gemeinderates begeistern. Jonas Motschi, Gemeindevizepräsident von Oberbuchsiten, engagiert sich an vorderster Front für das Projekt.

 Für Hans Peter Schrenk folgt Sandrina Berger.

Für Hans Peter Schrenk folgt Sandrina Berger.

zvg

«Wir haben grosse Mühe, Leute zu finden, die in den Gemeinderat wollen», sagt Motschi auf Anfrage. Die amtierenden Räte würden ihren Rücktritt hinauszögern, um einen guten Übergang zu ermöglichen. Doch das sei derzeit schwierig. Der letzte Wechsel beispielsweise fand Anfang 2019 mit dem Rücktritt von Gemeinderat Hanspeter Schrenk während der laufenden Legislatur statt. Sein Amt übernahm damals Sandrina Berger, die bis heute das jüngste und das einzige weibliche Mitglied der Räte ist.

«Ich war zunächst überrumpelt»

Die 34-jährige Gemeinderätin Sandrina Berger ist ein Beispiel dafür, dass es keine jahrelange Politerfahrung braucht, um sich im Gemeinderat zu engagieren. Sie leitet hauptberuflich den Bereich Human Resources und Bildung in der Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu (GAG), wo sie auch in der Geschäftsleitung sitzt.

Als sie 2019 das Amt vom abtretenden Gemeinderat Hanspeter Schrenk übernimmt, hat sie noch keine politische Erfahrung, wie sie auf Nachfrage sagt. «Gemeinderätin zu sein gehörte schon seit einiger Zeit zu den Erfahrungen, die ich gerne einmal machen würde», sagt Berger. Aber bei den Erneuerungswahlen in 2017 habe sie sich noch nicht getraut. Erst als Ende 2018 das Amt frei wird, macht sie sich konkrete Gedanken darüber. «Ich war zunächst überrumpelt mit der Idee», sagt sie. «Ich habe es mir damals nicht zugetraut.» Aber sie nimmt das Amt an, geleitet von einem Pflichtgefühl für die Gemeinde. «Das Dorf braucht Leute, die mitmachen», sagt sie. «Man kann sich nicht immer nur über Politik beschweren.»

Sie tritt dafür der Dorfpartei FDP bei, weil der freie Sitz der Partei gehört. «Ich finde viele Positionen der FDP gut. Aber ich finde auch, dass man durchaus auch eigene Meinungen zu gewissen Themen haben darf», sagt sie. Mit dem neuen Amt wird sie Präsidentin der Bildungskommission und habe anfangs viel Zeit darin investieren müssen, Hintergrundwissen aufzuarbeiten. Dabei wird sie von der Schulleiterin und anderen Mitgliedern des Gemeinderats dabei unterstützt. «Es sind alle sehr hilfsbereit», sagt sie.

Mittlerweile sei ihr Amt eine spannende Herausforderung für sie und daher sehe sie Potenzial in der neuen Wahlplattform. «Ich bin gespannt, wie sich das weiterentwickelt.» (gue)

Fehlende Identifikation mit den Parteien

Das Problem sei, dass viele Interessierte zwischen 20 und 40 Jahren sich nicht mit einer Partei identifizieren können. Sie wollen sich nicht für kantonale oder nationale Parteiprogramme verpflichten, so Motschi. Er nennt seine Partei, die CVP als Beispiel. Weil das Interesse abnimmt, werde die Ortspartei nächstes Jahr keine Liste mehr einreichen. «Die Leute wollen sich nicht mehr schematisieren lassen», sagt Motschi. Und das sei die entscheidende Hürde.

Bis anhin konnten sich solche Parteilose über die Freie Liste zur Wahl stellen. Doch seit 2017 steht niemand mehr auf dieser, weswegen nun die neue Wahlplattform als Alternative dienen soll. «Das Ziel ist es, mindestens eine Liste für die Wahlen im April einzureichen», sagt Motschi. Er sei zuversichtlich. Vergangene Veranstaltungen hätten gezeigt, dass durchaus Interesse vorhanden seiin der Gemeinde. Das Mitwirkungsverfahren zur Ortsplanungsrevision im August beispielsweise war mit rund 50 Personen gut besucht. «Die Leute interessieren sich für die Gemeinde und stellten spannende Fragen», sagt Motschi. Er plane, in den kommenden Monaten direkt auf mögliche Kandidaten zuzugehen und sie für eine Kandidatur zu motivieren.

Gemeinderat zu sein, ist zeitaufwändig

Es sei ihm aber auch klar, dass das Amt eines Gemeinderates zeitaufwändig ist. Diese Zeit müsse man haben. Schliesslich trifft sich der Gemeinderat zu rund 25 Sitzungen pro Jahr, plus Vor- und Nachbereitungszeit für die Unterlagen. «Aber ich denke, wenn man ein wenig Interesse an den Fragestellungen hat, dann ist das Motivation genug», sagt Motschi und will Interessierten damit die Angst vor dem Amt nehmen. Es sei wichtig, dass frische Ideen und Gedanken eingebracht werden. Schliesslich seien die älteren Räte auch noch für Ratschläge und Hilfestellungen da.