Balsthal

Neue Geschichten hinter der Geschichte entdecken

Ausschnitt aus «Urzeituhr» von Lina Müller, zurzeit in der Galerie Rössli Balsthal.

Ausschnitt aus «Urzeituhr» von Lina Müller, zurzeit in der Galerie Rössli Balsthal.

Die Galerie Rössli zeigt neue Arbeiten von Lina Müller. Eine Reise in eine mystische, rätselhafte Bildwelt.

Ein Panda im Harlekin-Kostüm auf einem Zirkuspferd. Zwei Hasen in einem animal-print-befellten Durchgang vor einem abendlichen Himmel. Ein «goldenes Tor» als Dekor auf einem Tisch, während die dunkle Treppe zum Ausgang aus dieser Szene im Nichts des Tischtuches verschwindet. Eine hölzerne Uhr auf einem tischartigen Meer zeigt nicht fünf vor Zwölf, sondern 20 vor Neun. Aus einer Kaffeetasse steigt der Dampf, aus dem Schwarz des Kaffees sinkt in der Ferne eine rot-glühende Sonne.

Es sind eigenwillige Geschehen und Geschichten, welche die 1981 in Burgdorf geborene und in Rüttenen aufgewachsene Künstlerin präsentiert. Und Lina Müller – sie erhielt 2013 einen Förderpreis für Bildende Künste des Solothurnischen Kuratoriums für Kulturförderung – gibt den Betrachtenden so schnell nichts preis. Oder etwa doch? Die Acrylfarben sind klar, präzise und eher pastell-leuchtend. Die Formen und Objekte scheinen vordergründig flach, eher illustrativ und grafisch klar konturiert, eindeutig wie Schablonen zu szenischen Collagen inszeniert und choreografiert.

Durchblick in neue Dimensionen

Geschehen, die dabei gar nicht flach sind, sondern stets als Durchblicke und Ausblicke neue Dimensionen eröffnen. Sie gehen in die Tiefe oder Weite, irritieren und suggerieren Rätselhaftes. Die in Altdorf lebende Künstlerin nennt es «sich im Bild Weitsicht verschaffen». Doch es sind mehr magisch-surreale Welten, deren Stimmungen aus dem vordergründig Schönen diskret ins Unerklärbare, ins Abgründige kippen. Wobei gewisse süffisante Botschaften nicht auszuschliessen sind.

Lina Müller, freischaffende Illustratorin und Künstlerin, inszeniert das Mysteriöse im Erkennbaren. Dennoch bleibt alles frei in der Interpretation, wenn sie das Konkrete der erklärenden Illustration in der aufwendig umgesetzten Malerei neu deutet. Ein Spiel mit den Tiefen und den Vorstellungen, welches sich aus den plakativen Elementen und den surrealen Kompositionen ergeben könnte: Märchenhaftes, Rätselhaftes oder untergründig Unheimliches.

Zwischen Freiraum und Auftrag

Lina Müller studierte an den Hochschulen für Gestaltung und Kunst Zürich und Luzern sowie an der Academy of Fine Arts in Krakau. Ihr künstlerisches Schaffen vereint als sich gegenseitig befruchtendes Wechselspiel die Illustration als Auftragsarbeit und die Kunst als schöpferischen Freiraum. In diesem Freiraum dann finden sich auch die kleinen Objekte aus gefundenen Holzstücken, Styropor. Von Hand frei Gestaltetes, das – nun farblich verfremdet und zu naturhaft-skurrilen Elementen erweitert – aus ihren Bildern entsprungen sein könnte und als spielerische Fantasie die Vorstellung von den Dingen und der Natur neu wahrnehmen lässt.

Bis 2. Juli. Geöffnet: Do + Fr 18–21 Uhr, Sa 15–18 Uhr, So 11–14 Uhr. Die Künstlerin ist am 23./24. Juni anwesend.

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