Sie sind von weithin sichtbar. Jedenfalls drei der vier Burgen in den Bezirken Thal und Gäu: Alt- beziehungsweise Neu-Bechburg und Alt- beziehungsweise Neu-Falkenstein sind die stillen Zeugen einer Zeit, in der die Schweiz noch nicht die Schweiz in unserem heutigen Verständnis war. Achthundert Jahre haben die Burgen überdauert. Ihren einstigen Zweck, die Verteidigung gegen einen Feind, haben sie verloren. Über die Jahrhunderte wurden sie immer wieder für andere Zwecke gebraucht. Doch welchen Zweck haben die Burgen heute? Werden sie nur noch aus purer Nostalgie erhalten? Ich habe mich aufgemacht, die vier Burgen zu besuchen. So viel sei bereits gesagt: Es sind nicht mehr feindliche Soldaten, welche die Burgen bedrohen. Doch eine Garantie für deren Erhalt gibt es auch heute nicht.

Mal Rittersaal, mal Terrasse

«Was kennt denn der Holländer, der auf der Autobahn unterwegs ist, vom Kanton? Neu-Bechburg», lacht Schlosswart Patrick Jakob. Wir sitzen im alten Rittersaal und blicken über die Gäuebene, das Rauschen der Autobahn ist auch auf der Burg hörbar. Wobei der Ausdruck Rittersaal deutlich übertrieben ist. Irgendwann wurde dieser einfach abgebaut, und heute ist dort eine mit Kies gefüllte Terrasse, welche die Überreste der Ostburg mit der Westburg verbindet. Für die Oensinger war die Burg immer auch ein Zeichen der ungeliebten Obrigkeit. Als diese dann eine Zeit lang verlassen war, war wohl eines den Oensingerinnen und Oensingern klar: Gratis Baumaterial und dazu noch ein Symbol für die Knechtschaft loswerden ist eine optimale Lösung.

Zum Glück, muss man heute einwenden, hatten die Basler Eliten ihre Stadt im Sommer satt. Die engen Gassen, gepaart mit dem damals üblichen Gestank war den feinen Herrschaften nicht genehm. Also schauten sie sich im Mittelland nach potenziellen Sommerwohnsitzen um. So wurde die Neu-Bechburg in die Moderne überführt. Die Familie Merian fand in der Neu-Bechburg für 1605 Franken eine Bleibe, die sie in der Folge nach ihren Vorstellungen umbaute. Aus der Burg wurde ein Schloss. Schloss Neu-Bechburg. Nach einem weiteren Verkauf an Johannes Riggenbach wurde der Ausbau in einen veritablen Sommersitz mit Lustgärten, kleinem Piscine, Fumoir und was es sonst noch brauchte, weiter vorangetrieben. Und diese Spuren sind bis heute zu sehen. Ein Glücksfall. Denn das Schlösschen ist heute gefragt. Ist seit 1975 in den Händen einer Stiftung und hat in der Ausrichtung der Nutzung die Gegenwart definitiv erreicht.

Grosse Sprünge nicht machbar

80 bis 100 Anlässe werden im Jahr auf dem Schloss durchgeführt. «Meist Geburtstage und Hochzeiten», erklärt Patrick Jakob. Kein Wunder, schon fast kitschig romantisch ist die Kulisse. Selbsttragend sei der Betrieb momentan. Das heisst kein jährlich wiederkehrender Zuschuss vom Kanton, etwas weniges gibts von der Gemeinde. Einen Schlosswart und eine Sekretärin leistet sich die Stiftung. Doch ist der Betrieb auf dem Schloss und somit auch dessen Erhalt gesichert für die nächsten Jahrzehnte? «Eine kleine Hoffnungslosigkeit machte sich in der letzten Zeit breit», sagt Jakob. Klar, der Betrieb sei gut eingerichtet und es gebe eine genügend starke Nachfrage. Aber grosse finanzielle Sprünge sind nicht möglich. Und die seien nötig, wenn man auch in Zukunft im gleichen Umfang vermieten möchte. Ansonsten muss irgendwann der Kanton eingreifen. Und auch dort fehlt das Geld. Was wäre die Lösung? Innovative neue Konzepte vielleicht? «Ja, da wurde einiges angedacht», sagt Jakob. Etwa ein Glasanbau, um den Essbereich zu vergrössern. Doch am Ende fehlt es immer am Gleichen, um solche Ideen umzusetzen: am Geld.

Das Schloss hat jedoch einen Trumpf. Es ist der markanteste Punkt im Ortsbild von Oensingen. In Vergessenheit wird es in nächster Zeit nicht geraten. Das hat auch damit zu tun, wie die Stiftung und allen voran der Schlosswart die ehemalige Burg betreuen. Gut verankert ist der Stiftungsrat in der Region, und ein Gönnerverein kümmert sich zusätzlich um das Schloss. Die Zusammenarbeit mit der Einwohner- und der Bürgergemeinde funktioniert.

Die Stiftung hat es also geschafft, den herrschaftlichen Sommerwohnsitz in die Moderne zu überführen. Und trotz aller Hochzeiten und Feste haust noch die Vergangenheit in den weitläufigen Gemäuern. Dies wird mir bewusst, als Patrick Jakob mich durch das Schloss führt. Sofort ist auch dieser Esprit zu spüren, den es wohl braucht, um als Schlosswart zu bestehen. Viel Liebe zum Detail, zur Geschichte und eine gewisse Gelassenheit. Auch um die vielen Stunden an Fronarbeit mit einem Winken abzutun. Denn nur mit Leidenschaft funktioniert ein solches Engagement. Die imposante Aussicht entschädigt nicht für alles.