Ziemlich scharf ins Gericht ging Franziska Roth (SP, Solothurn) – aber nicht mit der Regierung, sondern mit dem Interpellanten. «Wer dauernd neue Vorstösse zum Thema Asyl einreicht, hat entweder selbst Angst vor Fremden oder will die Angst am Leben erhalten», meinte sie. Weltweit seien 51 Millionen Menschen auf der Flucht, mehr als 80 Prozent davon würden in Entwicklungsländern aufgenommen. «Versagt unser kollektives Gedächtnis – wissen wir nicht mehr, wie es vor 70 Jahren um uns herum war?», fragte Roth.

Tobias Fischer selbst anerkannte, dass die Regierung in der Asylfrage nur wenig Handlungsspielraum habe, diesen aber nutze. So zeigte er sich befriedigt, dass ab Neujahr das Catering auf der Fridau durch eine Selbstkocherküche abgelöst werden solle. Fischer pochte aber auf die Einhaltung der zeitlichen Begrenzung auf drei Jahre. Und kritisch merkte er an, dass im Vorfeld von Familien als Asylbewerbern die Rede gewesen sei, jetzt seien es aber vor allem junge Männer: «Da wäre eine Frauenquote angebracht», meinte er …

Für die FDP stellte Peter Hodel (Schönenwerd) fest, im Zusammenhang mit dem Asylzentrum Fridau seien bisher keine negativen Vorkommnisse publik geworden, und der Regierungsrat habe seine Zusagen eingehalten. Aus seiner Wohngemeinde Selzach, wo seit Jahren ein kantonales Durchgangszentrum mit 80 Asylsuchenden betrieben wird, berichtete Thomas Studer (CVP): «Es gibt Zwischenfälle, aber es gibt wenig gravierende Vorkommnisse.» Zu reden gebe es, wenn Asylsuchende häufig am Smartphone telefonierten oder beim Biertrinken angetroffen würden. Wichtig sei, ihnen kleinere Arbeiten im Dorf zu übertragen. Angesichts der weltweiten Flüchtlingsströme riet Studer, «nicht ständig in Igelstellung» zu gehen.

Marguerite Misteli (Grüne, Solothurn) räumte ein, dass ein neues Asylzentrum für ein Dorf eine spürbare Veränderung sei. Aber es gebe nun mal Länder, wo Einwohner keine elementaren Rechte hätten, schikaniert und gefoltert würden. Den grössten Teil der Flüchtlinge nähmen die Nachbarländer der Konfliktherde auf.

Egerkingens Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi (FDP) legte den Finger darauf, die versprochene Begrenzung auf drei Jahre dürfe nicht davon abhängen, was der Bund mache, sondern sei eine klare Bedingung des Verwaltungsgerichts. Darum müsse der Kanton eine Nachfolgelösung jetzt planen. «In Egerkingen herrscht ein Klima von Misstrauen, diffuser Angst und Unbehagen», berichtete sie, «es geht quasi ein Röstigraben durchs Dorf, und der Gemeinderat muss den Spagat machen». Dem Amt für soziale Sicherheit hielt sie zugute, auf Reklamationen sofort und pragmatisch reagiert zu haben.