Macht der Naturpark Thal genug, um gegen aussen sichtbar zu sein?

Bruno Born: Ich bin der Meinung, dass wir gegen aussen eine sehr gute Wirkung haben, und einen grossen Bekanntheitsgrad. Ein kleines Beispiel: An der Olma sprach ich mit einem St. Galler und er kam von sich aus auf den Naturpark zu sprechen. Hingegen ist es gegenüber den Thaler Gemeinden in den letzten acht bis neun Jahren, seit das Projekt läuft, nicht gelungen, den Naturpark so zu vermitteln, dass er bei den Einwohnern ankommt.

Wie versucht der Verein Region Thal als Träger die Akzeptanz zu steigern?

Born: Ich bin überzeugt, dass der Thaler im Grossen und Ganzen dahintersteht. Doch aufgrund der Dinge, die in der Vergangenheit passiert sind, die Wechsel der Naturparkleitung zum Beispiel, sieht man gegen aussen vor allem das Negative.

Studer: Wir haben aber auch viele positive Sachen. Wie den Holzweg, der letztes Jahr eröffnet wurde. Zudem laufen momentan 16 verschiedene Naturparkprojekte. Doch wir zeigen wohl der Bevölkerung zu wenig, was eigentlich alles passiert.

Bernhard Studer, Geschäftsführer Verein Region Thal, und Bruno Born, Präsident des Vereins, vor der Geschäftsstelle in Balsthal.

Bernhard Studer, Geschäftsführer Verein Region Thal, und Bruno Born, Präsident des Vereins, vor der Geschäftsstelle in Balsthal.

Mein Eindruck: Die Naturprojekte werden weniger wahrgenommen.

Born: Das ist so. Was zum Beispiel, ebenso wie das Glögglifroschprojekt im letzten Jahr, über den Naturpark läuft, sind die Naturtage in den einzelnen Gemeinden. Das wird aber nicht so wahrgenommen. Ausserdem haben wir die Lücken in der Vernetzung von Biodiversitätsförderflächen im Thal geschlossen. Ein Projekt, bei dem nun die Gemeinde Mümliswil den Lead übernommen hat. Doch wir müssen zugeben: Wir haben Steigerungspotenzial in der Kommunikation.

Braucht es die Unterstützung der Thalerinnen und Thaler überhaupt?

Born: Ja sehr. Anfangs 2019 entscheidet der Bund, ob wir ab 2020 weitere 10 Jahre mit dem Label Naturpark arbeiten können. In jeder Gemeinde wird dementsprechend darüber abgestimmt, ob man weiterhin hinter dem Naturpark stehe oder nicht. Dadurch sind wir natürlich auf eine Akzeptanz angewiesen.

Gesetzt dem Fall, man kann nicht alle ins Boot holen. Wäre der Naturpark gefährdet?

Born: Das ist eine einfache Rechnung. Fällt ein grosser Teil weg, ist der Park nicht mehr zu finanzieren. Wir wollen uns aber gar nicht ausmalen, was passieren könnte.

Studer: Zudem braucht es eine Mindestgrösse von 100 Quadratkilometern. (Momentan zirka 139 Quadratkilometer, Anm. der Red). Fällt nun also beispielsweise Mümliswil-Ramiswil weg, dann erfüllen wir die Voraussetzungen nur noch knapp. Ein grosser Vorteil dieser Region ist, dass das Thal in vielen Belangen eine Einheit bildet. Es ist zum Beispiel ein politischer Bezirk und auch raumplanerisch ist man eine Einheit. Das sind gute Voraussetzungen für erfolgreiche Regionalentwicklungsprojekte. Wenige Regionen haben, so klar abgegrenzt über alle Themen, den gleichen geografischen Perimeter.

Born: Aber wir gehen nicht davon aus, dass es so weit kommt. Wir sind zuversichtlich.

Ganz grundsätzlich: Wo sehen Sie die Aufgabe des Naturparks? Was bringt der Naturpark?

Studer: Lebensqualität in allen Facetten. Wir haben viele Projekte in ganz unterschiedlichen Gebieten. , von Natur über Gesellschaft bis zur Wirtschaft. Die Themenkreise sind alle stark vernetzt. Letztlich geht es auch darum, die Wirtschaftskraft im Thal zu behalten.

Born: Das ist auch der Grund, wieso man nun versucht, neue Strukturen zu schaffen und alles unter ein Dach zu bringen.

Warum überhaupt die komplizierten Strukturen?

Born: Als der Naturpark gegründet wurde, hat der Bund vorgeschrieben, dass für den Naturpark ein eigener Verein gegründet werden musste. Vor zirka vier Jahren wurden die beiden Vereine schliesslich zusammengeführt und somit bereits etwas schlanker aufgestellt. Was blieb, waren die drei Teilbereiche. Mit dem Wegfall der «Agenda 21» auf Ende letzten Jahres wären es nur noch zwei gewesen. Das nehmen wir nun als Anlass, das Ganze zu vereinfachen.

Studer: Früher wurde versucht, Aufträge zu bekommen, welche nicht direkt mit den Aufgaben zur Regionalentwicklung zu tun haben, nur um den Betrieb zu finanzieren. So etwa eine Zusammenarbeit mit dem Berufslernverbund. Das machen wir heute nicht mehr.

Born: Vor drei Jahren waren 14 Leute auf der Geschäftsstelle. Doch das Kerngeschäft war nicht mehr unbedingt das Thal. Jetzt versuchen wir uns wieder auf das Thal zu konzentrieren und wirklich nur Dinge zu machen, die im weitesten Sinne dem Thal dienen.

Und das Kerngeschäft ist der Naturpark?

Born: Wenn wir ehrlich sein wollen, ist der Naturpark die Haupteinnahmequelle.
Studer: Regionale Entwicklungsaufgaben im weitesten Sinne gehören ebenso dazu. Ein wichtiger Teil davon ist sicherlich das Naturparkprojekt.

Sie haben die Aufgaben des Naturparks erläutert. Kann er diese erfüllen?

Born: Wir müssen dem Projekt noch mehr Zeit geben. Wir sind ja das erste Naturpark-Projekt in der Schweiz. Einzig der Biosphärenpark Entlebuch war mit einem ähnlichen Konzept noch etwas früher. Und der kommt erst jetzt ins Fliegen. Zehn Jahre sind das Minimum, das man sich geben muss, um eine Bilanz zu ziehen. Dabei ist das grösste Problem, dass es schwer messbar ist. Wir müssten erklären können, wo das Thal ohne den Naturpark stehen würde. Ich für meinen Teil bin überzeugt, dass das Thal ohne ihn nicht so weit wäre.

Studer: Es sind ja auch negative Bevölkerungsentwicklungen herumgegeistert, die so nicht eingetroffen sind.

Born (lacht): Ich behaupte, dass das auch etwas mit dem Naturpark zu tun hat.

Auf ihrer Homepage gibt es die Rubrik «Einmalig im Naturpark Thal». Doch ausser dem Holzweg wird mit zum Beispiel den Burgen nur aufgezählt, was es ohnehin schon vorher hatte. Braucht es den Naturpark in dieser Form überhaupt?

Born: Es stellt sich vor allem die Frage, wie es verkauft wird. Da sind wir dran, touristisch etwas zu versuchen. Wir haben zum Beispiel auch verschiedene Angebote für Gruppen. Dann gibt es auch einen Veranstaltungskalender, um nur weniges zu nenne. Selbstverständlich könnte man vieles ohne den Naturpark machen. Doch welche Angebote wären dann überhaupt bekannt?

Sie sehen somit Ihre Aufgabe vornehmlich darin, das Vorhandene besser zu vermarkten?

Studer: Das ist sicher auch ein Aspekt. Basisleistungen in der Tourismuskommunikation mussten zuerst geschaffen werden. Da denkt man vielleicht nicht daran, dass es das früher gar nicht gegeben hat, etwa eine Panoramawanderkarte. Gewisse Dinge sind aber auch schwer erlebbar. Das Förderprogramm für den Gelbringfalter fällt nicht sofort ins Auge. Was auf der Homepage gezeigt wird, sind Dinge, die wir auch erlebbar machen können. Der Aufbau der Homepage ist bewusst touristisch. Es gibt daneben aber auch die regionalen Produkte, mit welchen wir gegen aussen gut kommunizieren können.

Ist vielleicht auch die Erwartungshaltung an den Naturpark zu hoch?

Born: Ja. Manchmal habe ich das Gefühl, dass erwartet wird, dass sofort Geld zurückfliesst.

Schauen wir noch etwas weiter in die Zukunft. Haben sie Angst, dass sie 2019 das Label Naturpark verlieren?

Born: Wir müssen eine neue Charta beim Bund einreichen. Doch das ist eine Fleissarbeit. Viel wichtiger ist, die Gemeinden im Boot zu behalten. Doch da sind wir, wie gesagt, positiv eingestellt.