Der letzte Hilferuf war im vergangenen Sommer gekommen. Der Welschenrohrer Unternehmer Frédy Grimm schrieb einen Brief in die Kantonshauptstadt und tat seinen Unmut kund: Ihm fehlte die Unterstützung für sein Zukunftsprojekt «Hotel Welschenrohr».

Einen 20-Millionen-Bau hätte der Welschenrohrer im Thal errichten wollen. Eine Oase der Ruhe mit 50 bis 60 Zimmern und einem Wellnessbereich. Auf dem alten Fussballplatz des örtlichen Fussballklubs hätte das Hotel entstehen sollen. Vor einem Jahr kündigte Grimm noch an, nun würden die Überbauungspläne gezeichnet und eine Planungs-AG gegründet.

Landumzonung war Stolperstein

«Wenn im Thal eine Gemeinde für Tourismus prädestiniert wäre, dann ist es Welschenrohr», sagt der Hotel-Initiator jetzt, ein Jahr später. Sein Enthusiasmus ist geblieben, die Kraft hat ihn verlassen, wie er selbst sagt. Die grüne Wiese am Dorfrand wird vorerst grün bleiben. Grimm hat sein Naturpark-Hotel-Projekt begraben, ohne dass je eine Visualisierung skizziert wurde.

Frédy Grimm gibt sein Naturpark-Hotel Projekt auf.

Frédy Grimm gibt sein Naturpark-Hotel Projekt auf.

In die Quere kommt dem 79-Jährigen das Raumplanungsgesetz. Gemeinden ausserhalb der Agglomerationen würden durch dieses benachteiligt, findet Grimm. Der alte Fussballplatz, den der FC Welschenrohr als Trainingsfeld nutzt, wäre nach Grimms Plänen zum Schulhaus verschoben worden. Doch der angedachte Fussballplatz, hätte zunächst zu einer Bauzone umgezont werden müssen. Nur hat Welschenrohr nicht mehr genügend Landreserven für eine solche Umzonung. Private Baulandbesitzer hätten ihre Reserven zu günstigen Konditionen aufgeben müssen, damit Grimm sein Hotel-Projekt hätte voranbringen können. «Ich kann nicht nachvollziehen, dass ein Fussballplatz in einer Bauzone liegen muss», sagt er.

Zwei Millionen für den Fussballplatz

Die Gemeinde hatte in einem Schreiben die Bewohner aufgefordert, dem Hotel-Projekt entgegenzukommen. Grimm tourte selbst durch das Dorf und versuchte mit Baulandbesitzern zu verhandeln. Nun übt er Kritik an der Kommission für Wirtschaftsförderung: Dies wäre seiner Meinung nach ihre Aufgabe gewesen. Der ehemalige Welschenrohrer Kantonsrat suchte vergebens nach günstigem Bauland. Dabei hatte er – wie er sagt — für 25 000 Franken eine Studie machen lassen, um abzuklären, welches Bauland sich für eine Rückzonung eignet. Die Leute hätten «enorm hohe Preise» für ihre Parzellen verlangt. Dabei drohten viele, ihr Land bei den Rückzonungen zu verlieren, weil es das revidierte Raumplanungsgesetz verlangt.

Gemäss seinen Berechnungen hätte alleine die Verlegung des Fussballplatzes, über zwei Millionen Franken gekostet. Bloss ein Drittel des Grundstücks, welches für das Hotel-Projekt notwendig war, wäre somit gesichert gewesen. «Die Basiskosten wären dermassen hoch, dass meine Investoren kalte Füsse gekriegt haben», sagt Grimm.

In den 80er-Jahren hatte er sich im Thal als Wirtschaftsförderer einen Namen gemacht. Er brachte die Gemeinde damals dazu, mit gratis Bauland neue Unternehmen anzulocken. Nun verhindert die Bauzonen-Situation in Welschenrohr sein vielleicht letztes Grossprojekt.

Das visionäre Naturpark-Hotel kam in der Region gut an, schürte Hoffnung. Passanten hätten ihn immer wieder darauf angesprochen, wenn er unterwegs war. «Alle sagten mir: ‹wir sind begeistert›, doch damit ist es noch nicht gemacht.» Grimm mag nicht mehr als Lokomotive vorangehen. Irgendwann werde das Projekt wieder aufgegriffen, ist sich der Nimmermüde aber sicher. «Ich habe für das Archiv gearbeitet», sagt er und hofft, dass die Gemeinde seinen Plan, den Tourismus nach Welschenrohr zu bringen wiederbelebt.