Bald soll der Zugspassagier auch in Oensingen nicht mehr schief im Sessel sitzen. Als Bahnhof mit den langgebogenen Gleisen in aussergewöhnlicher Schräglage machte sich Oensingen schweizweit einen Namen. Vor einer Woche begannen die SBB den Bahnhof für 21 Millionen zu sanieren: Bis Ende Oktober modernisiert sie den Bahnhof. Die Perrons werden erhöht, verlängert und gleichzeitig die Neigung reduziert.

Mit dem Umbau beginnt in Oensingen ein grösserer Aufbruch in eine Bahnzukunft, die auch Widerstand auslöste. Im Januar formierte sich das Komitee Pro öV-Anschluss Thal-Gäu-Bipperamt-Oberaargau. Es kämpft mit einer Petition um einen optimalen Anschluss an das Fernverkehrsnetz. Auslöser des Widerstandes war in erster Linie die Botschaft, dass der Intercity zwischen Genf und St. Gallen spätestens ab 2035 nicht mehr in Oensingen halten soll.

Neuer Bahnhof Oensingen Dorf

Neuer Bahnhof Oensingen Dorf

Auch Egerkingen profitiert

Weshalb baut die SBB also den Bahnhof Oensingen überhaupt so aus, dass er für ICN-Doppelkompositionen kompatibel ist? Auf Anfrage schreiben die SBB, die langen Intercityzüge würden noch mindestens zehn Jahre in Oensingen halten. Mit der Perronverlängerung halten sich die SBB die Option offen, dass langfristig bis zu 400 Meter lange Züge in Oensingen halten können. Es sei daher sinnvoll, Perronverlängerung und Perronerhöhung aus Kostengründen zu kombinieren.

Ohnehin soll die wachsende Gäuer Metropole auch in Zukunft nicht zur Peripherie der Bahn werden: Auf der Gäulinie zwischen Solothurn und Olten planen die SBB einen neuen Regio-Express bis St. Gallen mit Halten in Oensingen, Egerkingen, Olten und Zürich. Egerkingen erhält neu einen Fernverkehrszug, weil der Kanton von steigenden Frequenzen ausgeht. Die in Egerkingen haltenden Regionalzüge sind bereits sehr gut ausgelastet. «Mit der Anbindung vieler Buslinien steigt die Bedeutung dieser öV-Drehscheibe weiter an», sagt Daniel Schwarz, Projektleiter beim kantonalen Amt für Verkehr.

In Oensingen soll nach der Bahnhof-Sanierung ein weiteres Grossprojekt folgen. Bis 2035 will der Kanton den Regionalbahnhof «Oensingen Dorf» realisieren. «Das Dorfzentrum von Oensingen liegt nahe an den Bahngleisen, ist aber weit vom heutigen Bahnhof Oensingen entfernt», begründet Schwarz diesen Neubau. Zudem erwies eine Potenzialanalyse im Jahr 2014, dass der Standort Oensingen Dorf ein sehr gutes Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen aufweist. Der bestehende, bis dannzumal modernisierte Oensinger Bahnhof wird durch die neue Regionalzug-Haltestelle nicht an Bedeutung verlieren, sondern bleibt als Fernverkehrsachse mit regionalen Anschlüssen bestehen.

«Oensingen Dorf» ist einer von zwei neuen Bahnhöfen, die der Bundesrat in seine Botschaft für den Bahnausbauschritt 2035 aufnahm. Der Regionalbahnhof «Dornach Apfelsee» wird gemäss Kanton voraussichtlich im Jahr 2026 in Betrieb genommen. Oensingen muss sich länger gedulden: Wie Schwarz sagt, hat sich der Kanton zum Ziel gesetzt, den Bahnhof bis 2035 umzusetzen. Oensingens Gemeindepräsident Fabian Gloor bestätigt, das neue Bahnhofsprojekt hänge von anderen Projekten wie beispielsweise der Entlastungsstrasse ab. Durch diese soll Oensingen vom Verkehr, insbesondere vom Schwerverkehr entlastet werden.

Zwei mögliche Standorte

Wie der Kanton mitteilt, kommen für den neuen Regionalbahnhof zwei Standorte infrage. Beide kämen im Perimeter rund um die Strassenunterführung an der Kestenholzstrasse zu liegen, also südlich des Unterdorfs. Eine Standortoption für den Bahnhof «Oensingen Dorf» wäre westlich der Unterführung im Bereich des heutigen Militär-Areals an der Mühlefeldstrasse. Dort ergeben sich innerhalb der nächsten zehn Jahre Freiräume, da gemäss Militär-Sachplan die Aussenstelle des Armeelogistikcenters Thun aufgehoben wird. Ein Teilareal will das Militär in Zukunft aber weiterhin als Kommandostandort nutzen. Alternativ sieht der Kanton den Abschnitt östlich der Unterführung Kestenholzstrasse in Fahrtrichtung Olten als möglichen Bahnhof-Standort. Für den Regionalbahnhof benötigt es eine Perronlänge von 220 Metern. «Stand heute würde der Gemeinderat den Bahnhof auf der Westseite, also im Bereich des Militär-Areals favorisieren», sagt Gloor. Der neue Bahnhof sei eine klare Aufwertung, sagt der Gemeindepräsident. An den Baukosten wird sich die Gemeinde nicht beteiligen müssen. Den voraussichtlich rund 12 Millionen teuren Bahnhof finanziert der Bund über den Bahninfrastrukturfonds. Nur die Erschliessung der Bahnhaltestelle «Oensingen Dorf» wird Aufgabe der Gemeinde sein. Wie die SBB schreiben, wollen sie mit den beiden Vertretern, Kanton und Gemeinde, bereits «in naher Zukunft» den Standort definieren, um den neuen Bahnhof in die kommenden Planungen einfliessen zu lassen.

Der neue Oensinger Bahnhof wird sich auf den Regionalzugverkehr zwischen Biel und Olten auswirken. «Bereits jetzt ist der Halbstundentakt zwischen Biel und Olten knapp bemessen», sagt Daniel Schwarz. Mit einem zusätzlichen Halt wäre der Taktfahrplan nicht mehr einzuhalten. Daher planen die SBB gemeinsam mit dem Kanton künftig einen Halbstundentakt zwischen Grenchen und Olten. Zusätzlich soll zwischen Grenchen und Biel ebenfalls halbstündlich ein Regionalzug verkehren. So wären die nötigen Zeitreserven vorhanden.