Niederbipp

«Nachricht war schockierend»: Das sagen die Gemeindepräsidenten zur Schliessung von Kimberly-Clark

Trotz riesigem Absatz von WC-Papier in der Corona-Zeit will Kimberly-Clark sein Werk in Niederbipp verkaufen oder schliessen. Die Gemeindebehörden von Niederbipp, Oensingen und Balsthal sind bestürzt.

Trotz riesigem Absatz von WC-Papier in der Corona-Zeit will Kimberly-Clark sein Werk in Niederbipp verkaufen oder schliessen. Die Gemeindebehörden von Niederbipp, Oensingen und Balsthal sind bestürzt.

Die Nachricht vom Wegzug oder Verkauf der Kimberly-Clark in Niederbipp hat auch die Gemeindepräsidenten von Niederbipp, Oensingen und Balsthal aufgeschreckt. In einer kleinen Umfrage nehmen sie Stellung.

Die Gemeindepräsidentin von Niederbipp Sibylle Schönmann sagt über ihr persönliches Empfinden: «Die Nachricht war für mich schockierend. Meine Gedanken waren als erstes ganz klar bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die ihren Job verlieren könnten. Niederbipp und Kimberly Clark, früher die Tela, blicken auf eine sehr lange und erfolgreiche gemeinsame Vergangenheit zurück. Der Betrieb gehört zu unserem Dorf wie der Eiffelturm zu Paris.»

Und weiter führt sie aus: «Wir sind auf verschiedenen Ebenen miteinander verbunden. Beispielsweise betreiben wir seit vielen Jahren gemeinsam sehr erfolgreich die Abwasserreinigungsanlage. Es ist schweizweit wahrscheinlich einzigartig, dass eine Gemeinde und ein Industriebetrieb in diesem Bereich zusammenarbeiten.»

Schönmann betont aber, sollte im schlimmsten Fall das Werk geschlossen werden, müssten sich die Einwohnerinnen und Einwohner von Niederbipp bezüglich der Abwasserreinigung keine Sorgen machen. «Wir verfügen über einen Vertrag, der gewährleistet, dass wir die ARA weiterhin betreiben können und über ein Notfallkonzept, welches in einem solchen Fall angewendet wird. Langfristig müsste aber eine andere Lösung gefunden werden; eine mögliche Lösung liege bereits auf dem Tisch.

Es fehlen auch wichtige Steuereinnahmen

Sibylle Schönmann erwähnt, dass die Firma natürlich auch für die Gemeinde in steuerlicher Hinsicht von grosser Wichtigkeit ist. «Falls das Werk geschlossen wird, fehlen uns wichtige Steuereinnahmen. Wir versuchen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln, zu verhindern, dass es zu einer Schliessung des Werks kommt.» Wie viele der betroffenen Mitarbeiter in Niederbipp wohnen, weiss Schönmann nicht. «Unabhängig davon – es geht um 265 Einzelschicksale.»

Dass es in der Firma zu Veränderungen kommen könnte, davon hat Schönmann immer wieder mal gehört: «Vor ein paar Jahren gab es an verschiedenen Standorten bereits Schliessungen von Werken der Kimberly-Clark-Gruppe. Dies führte zu zahlreichen Entlassungen. Schon damals befürchteten wir, dass auch das Werk Niederbipp betroffen sein könnte. Seither kursierten immer wieder verschiedene Gerüchte.»

Doch als aufgrund der Coronapandemie das Werk teilweise doppelt so viel WC-Papier produzierte wie zuvor, hoffte man, dass eine Werksschliessung momentan kein Thema sei. «Weit gefehlt. Die Schliessung hat nichts mit dem Geschäftsgang zu tun und ist nun bedauerlicherweise Tatsache geworden.»

Sibylle Schönmann sagt noch, dass sie direkt und persönlich vom Länderchef Schweiz der Kimberly Clark informiert worden sei. «Wir stehen auch jetzt in Kontakt miteinander und hoffen, dass es zu einem Verkauf und nicht zu einer Schliessung kommt».

Auch für Oensingen eine Hiobsbotschaft

«Es ist immer eine Hiobsbotschaft, wenn Arbeitsplätze in dieser Grössenordnung gefährdet sind», sagt Fabian Gloor, Gemeindepräsident von Oensingen. «Aktuell ist noch offen, wie es genau mit dem Werk in Niederbipp weitergeht und ich hoffe natürlich darauf, dass ein Grossteil der Arbeitsplätze erhalten werden kann. Es betrifft auch einige Oensingerinnen und Oensinger als Arbeitnehmende, umso mehr würde eine Schliessung schmerzen», betont er.

Auch er hörte hin und wieder von Gerüchten über eine Veränderung in Niederbipp, was sich bis jetzt jedoch nie bestätigt habe. «Grundsätzlich pflegen Oensingen mit Niederbipp auch besonders auf Stufe der Gemeindepräsidien einen engen und direkten Austausch, was auch die Entwicklungen in der Industrie und nun konkret Kimberly-Clark umfasst», so Gloor weiter.

Sibylle Schönmann bestätigt dies und sagt: «Sicherlich werden wir in den kommenden Tagen auch dieses Thema gemeinsam aufgreifen».

Als junger Student dort gearbeitet

Auch der Gemeindepräsident von Balsthal, Pierino Menna zeigt sich betroffen. «Die Kimberly-Clark und vorher die Tela Papierfabrik zunächst in Balsthal und nachher in Niederbipp, gehört zu meinen ganz persönlichen Kindheits- und Jugenderinnerungen, so wie das wohl für viele Balsthaler der Fall ist», sagt er.

Er selbst habe als junger Student in der Firma immer wieder Ferienjobs ausführen können und seine Mutter habe lange Jahre dort gearbeitet. «Wenn die Firma weggeht, ist das ein harter Schlag für die Region.»

Man habe im Dorf immer mal wieder von Wegzugs- oder Schliessungsgerüchten gehört, weiss auch Menna. «Doch konkret wurde das nie. Es tut mir sehr leid für Niederbipp, dass die Firma weggehen soll». Gab es doch durch dieses Unternehmen immer Kontakte vom Thal in den Oberaargau.
Obwohl die Tela, wie man sie immer noch nannte, schon seit 2006 ganz aus Balsthal weggezogen ist, sind noch viele Balsthaler bis heute stolze Telaner geblieben.

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