Personalwechsel
Nach wichtigen Abgängen im Naturpark: Der Kanton fordert mehr Konstanz

Nach den vielen Personalwechseln in den letzten Jahren ist es Zeit für einen Besuch im Naturpark Thal. Dabei zeigt sich, dass der Park im Bezirk präsent, aber zum Teil bei den Thalerinnen und Thalern noch nicht angekommen ist.

Philipp Felber
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Ist der Naturpark auf dem Holzweg?
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Der Naturpark Märet ist zur Tradition geworden.
Alte und neue Spuren des Naturparks Thal laden zum Wandern ein.
Der Holzweg, ein Publikumsrenner.

Ist der Naturpark auf dem Holzweg?

Philipp Felber

Nun sucht der Verein Region Thal einen neuen Kommunikationsverantwortlichen. Da klingeln wohl die Ohren, denn der Verein Region Thal hat seit ein paar Jahren auf der Geschäftsstelle einen Wechsel nach dem anderen zu verzeichnen. Durch die ständigen Wechsel fehlt die Konstanz und der Park gerät jedes Mal wieder in ein getrübtes Licht. Was läuft schief zwischen den Juraketten?

Garstig bläst einem der Wind im engen Einschnitt beim Steinbruch in Gänsbrunnen um die Ohren. Hier markiert ein grosses Schild den Anfang und gleichzeitig das Ende des Naturparks Thal. Bereits am Bahnhof von Gänsbrunnen stehen zwei Schilder, darauf werden Wanderungen in der näheren Umgebung angepriesen.

Ähnliche Schilder finden sich auch an anderen Orten im Thal mühelos. Sie zeugen von einer durchdachten Strategie der Touristenführung. Manchmal stehen nebenan noch alte Schilder, viThal steht dann drauf.

Ein Relikt aus älteren Zeiten sozusagen, als der Park noch in den Kinderschuhen steckte. Mittlerweile hat sich einiges getan. Seit 2009 trägt der Naturpark offiziell das Naturpark-Label. Und seit zwei Jahren sind der Verein Region Thal und der Naturpark Thal praktisch zu einer Organisation verschmolzen.

Deshalb lohnt sich ein Blick in die Geschäftsberichte des Vereins der letzten Jahre. Und es scheint, als wären diese Berichte des Vereins ein Fortsetzungsroman unter immer wieder gleichen Vorzeichen.

2015 war im Vorwort des Präsidenten Bruno Born die Rede von diversen Personalwechseln, welche ein Jahr der Konsolidierung verhinderten.

2014 war an derselben Stelle von einem schwierigen Umfeld die Rede, welches unter anderem durch Personalwechsel ausgelöst wurde.

2013 war offenbar das Jahr der grossen Änderungen, wie es wiederum im Vorwort hiess. Der Hintergrund: Nach nur einem Jahr gab es jeweils Personalwechsel an der Spitze.

Leistungen werden erbracht

Die fehlende Kontinuität hat nicht nur Auswirkungen auf die Wahrnehmung im Thal und der näheren Umgebung des Naturparks. Offenbar sind auch gewisse Dinge liegengeblieben. «Die zugesicherten Beiträge von Bund und Kanton konnten bisher nicht in eine Vier-Jahresplanung und in eine Jahresplanung 2016 übersetzt werden.

Das heisst: Für den Naturpark und seine Projekte besteht damit im Moment keine umfassende Planung für die Jahre 2016 bis 2019, insbesondere fehlen eine eigentliche Finanzplanung und ein Plan für die Drittmittelbeschaffung», heisst es im Geschäftsbericht 2015. Dies wurden nun ausgemerzt, wie Vereinspräsident Bruno Born versichert.

Die eigentliche Aufsicht über den Park hat der Kanton Solothurn. Dessen Leiter Natur und Landschaft Thomas Schwaller meint zu den vielen Wechseln: «Dies ist alles andere als positiv, wir hätten gerne mehr Konstanz.» Deshalb werde im Januar auch ein Gespräch mit Vereinspräsident Bruno Born geführt.

Doch die Leistungen werden erbracht, wie Schwaller erklärt: «Wir kaufen beim Naturpark sozusagen Leistungen ein, die vertraglich gebunden sind und diese wurden immer eingehalten.» Schwaller selbst war der Vorgänger des jetzigen Vereinspräsidenten Bruno Born. Kein Interessenskonflikt?

«Ich begleite den Park fachlich und habe keinen Einfluss auf strategische Entschlüsse», sagt er. Dies sei bewusst so entschieden worden. Jedoch liege ihm der Park natürlich am Herzen. «Vor allem als Förderinstrument der Region Thal ist der Park wertvoll», so Schwaller.

Die geförderte Region lag beim Besuch unter einer dicken Nebeldecke. Nur ganz hinten im Thal, namentlich in Gänsbrunnen und Welschenrohr, schien die Sonne. Auch für den Naturpark? Man nehme ihn zu wenig wahr, hiess es auf Nachfrage. Vieles hätte schon vorher bestanden. Eine andere Meinung hat einer, der ein grosser Profiteur des Naturparks ist: Robert Stübi von der gleichnamigen Metzgerei in Matzendorf.

«Dank des Naturparks sind wir in einigen Kanälen drin», sagt Geschäftsführer Stübi. So werden seine Matzendörferli etwa im Coop verkauft. Und auch mit dem Label So-natürlich, welches zum Teil ebenfalls über den Verein Region Thal läuft, mache er sehr gute Geschäfte.

Also vollste Zufriedenheit: «Es ist nicht ganz einfach, wenn immer neue Ansprechpartner für uns zuständig sind», übt er leise Kritik an den fortwährenden Wechseln an der Naturpark-Spitze. So seien gewisse Dinge liegengeblieben in letzter Zeit.

Mehr Besucher

Positiv sieht man die Zusammenarbeit auch im Hotel Balsthal. Dort konnte man im Sommer Picknickrucksäcke mit Thaler Produkten drin kaufen. Und die fanden offenbar Absatz, an der Réception sprach man von im Durchschnitt sechs verkauften Pickknickrucksäcken pro Woche. In den angehängten Restaurants sei man darum bemüht, einheimische Produkte zu verwerten. Schmecken tuts beim Besuch allemal.

Weiter gehts in Richtung Holderbank, unterwegs das bis anhin wohl grösste Projekt des Naturparks: der Holzweg. Auch kurz nach dem Mittag, an einem Wochentag, stehen Autos auf dem Parkplatz. Einige Besucherinnen und Besucher lassen sich auf dem Waldweg antreffen. Eine schöne Sache sei dieser Holzweg, heisst es dort. Weiter der Hauptstrasse entlang lässt sich noch der letzte Marker des Naturparks erkennen: Der Park verabschiedet sich mit einem Schild. So wie er den Durchgangsverkehr auch begrüsst.

Der Holzweg Thal
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Nr. 1: «Schiff» – bei der Ruine Neu-Falkenstein.
Nr. 8: «Klanglinie» – entlang des Römerweges.
Nr. 9: «Kugelweg» – hier zogen einst Ochsen die Karren.
Jurawald: Seit einer Woche ist der «Holzweg» zwischen Balsthal und Holderbank im Naturpark Thal eröffnet
Nr. 11: «Vogelnest» – hier kann man ausgiebig spielen und turnen.
Nr. 12: «Tatzelwurm» – schlängelt sich durch den Wald.
Nr. 13: «Holzgarten» – in der sogenannten «Ewigkeit».
Nr. 15: «Wolken» – die Objekte aus Holz scheinen über dem Waldwanderweg Richtung Holderbank zu schweben.
Nr. 18: «Holzklang» – Holzstäbe machen Musik.

Der Holzweg Thal

zvg

Der Besucherstrom sei denn auch gestiegen in den letzten Jahren, sagt Bruno Born. So wurden 2016 zum Beispiel 112 Gruppenausflüge für 2673 Besucherinnen und Besucher organisiert, 762 Gäste sind in der Infostelle Thalstation empfangen worden. Dazu leisteten freiwillige Helferinnen und Helfer 470 Arbeitstage für Natur, Landschaft und Wanderwege.

Der Hauptteil der Besucherinnen und Besucher des Naturparks, die Wanderer, kommen selbstredend nicht vor in der Statistik. Soweit der Output. Auf der Einnahmeseite stehen für den Naturpark gut eine Million Franken. Dabei wird der Hauptanteil vom Bund gestemmt, welcher sich 2015 mit 473'000 Franken am Park beteiligt hatte.

150'000 Franken stammten vom Kanton Solothurn, 110'000 Franken von den beteiligten Thaler Gemeinden. Die Gemeindebeiträge an den Naturpark bewegen sich jeweils im einstelligen Prozentbereich der Ausgaben des Naturparks, wie Bruno Born sagt.

Daneben musste der Verein Drittmittel beschaffen, so wie es der Bund bei einem solchen Projekt vorsieht. Diese beliefen sich auf 290'000 Franken im Jahr 2015. Für das Jahr 2016 sollen gar 365'000 Franken fliessen. Zudem wird der Bund, laut den Budgetzahlen des Vereins, gut 200'000 Franken mehr in den Naturpark investieren.

Aussenwahrnehmung stimmt

Dass sich der Naturpark vor allem im Thal besser verkaufen muss, um die Zustimmung auch in Zukunft zu haben, ist kein Geheimnis. Positiv schaut man von aussen in den Park, wie der Präsident des Netzwerks der Schweizer Pärke Stefan Müller-Altermatt sagt. Der Nationalrat und erster Parkleiter des Naturparks Thal beteuert: «Seitens des Netzwerks Schweizer Pärke kann festgehalten werden, dass der Naturpark Thal – Personalwechsel hin oder her – ein aktiver, engagierter, schlicht toller Park ist, der in der Parkfamilie hohes Ansehen geniesst.»

Vor allem im Hinblick auf die Erneuerung der Charta, mit der das Label Naturpark steht und fällt, ist die Aussenwahrnehmung des Parks nicht unerheblich: «Es ist, was die Aussenwahrnehmung betrifft, alles in bester Ordnung», so Müller-Altermatt.

Die Pionierrolle, welche der Park von Anfang an in der Schweiz innehatte, werde auch dadurch wieder gestärkt. Ohne die Unterstützung der Trägergemeinden wird der Naturpark jedoch nicht weitergeführt, aller positiven Meldungen zum Trotz. Sonst heissts dann nur noch auf den grossflächigen Schildern «Auf Wiedersehen».

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