Die Postkundschaft nutzt heutzutage vermehrt digitale Angebote wie etwa das Internetbanking. Der Gang zum Postschalter wird also immer seltener. Dies bleibt nicht ohne Folgen: Aufgrund der rückgängigen Kundenfrequenz mussten im Gäu einzelne Poststellen schliessen. Alternativ wurden Postagenturen in Dorfläden eingerichtet. Dies war als Erstes in Niederbuchsiten 2010, in Wolfwil 2013 und in Kestenholz 2016 der Fall.

«Die Leute im Dorf haben sich mittlerweile daran gewöhnt», lässt die Geschäftsführerin der Bäckerei Urs Erni, inklusive Postagentur, in Wolfwil verlauten. Für die Leute im Dorf sei es jedoch zu Beginn sicherlich eine Umstellung gewesen. Und auch für die Bäckerei Erni brachte die Einrichtung einer Postagentur Veränderungen mit sich. So gibt es in der Bäckerei nicht mehr länger nur Weggli, Berliner oder Butterzopf, sondern seit 2013 steht nun auch ein 2,5 Meter langes Postmodul in der Bäckerei. Mit diesem kann die Kundschaft ihre Päckli selber wiegen und die Briefe frankieren. An der Kasse müsse danach nur noch die Sendungsnummer draufgeklebt werden, so Erni.

«Es gibt auch mühsame Tage»

Die Kundschaft in der Bäckerei habe sich wegen des erweiterten Dienstleistungsangebots jedoch nur wenig geändert. «Die einen kommen zum Einkaufen, die anderen erledigen ihre Postgeschäfte», verrät die Geschäftsleiterin. Das Ganze liefe halt so nebenher. Doch es gebe natürlich auch mühsame Tage. Die Post versuche, immer mehr Aufgaben und Verantwortlichkeiten an sie abzugeben. So werden heute beispielsweise auch Gerichtsurkunden in der Bäckerei ausgehändigt – dies war eine Dienstleistung, die zu Beginn noch nicht angeboten wurde. Zudem komme es auch oft vor, dass sich unzufriedene Postkunden bei ihr im Laden beschwerten und sie Reklamationen entgegen- nehmen müsse. In solchen Fälle leite sie die Beschwerden an die Post weiter, da sich eine solche Angelegenheit ihrer Verantwortlichkeit entziehe.

Von solchen Fällen berichtet Roni Bürgi, Marktleiter des Spar Supermarkts in Kestenholz, nicht. Die Kundschaft und auch er seien vollumfänglich zufrieden. Seit Dezember 2016 wird das Postgeschäft in Kestenholz in der Spar-Filiale an der Neuen Strasse 2 abgewickelt. Für den Marktleiter hat sich in den letzten zwei Jahren nur weniges verändert.

Chance früh erkannt

Neue Stellen mussten wegen der neuen Dienstleistungen nicht geschaffen werden. «Wir sind immer zu dritt im Laden, da kann man sich stets gut untereinander organisieren.» Die Kundschaft schätze es, ihre Postgeschäfte nun gleich beim Einkaufen erledigen zu können, und auch die längeren Öffnungszeiten seien ein grosses Plus, verrät Bürgi. Zwar bleibt das Geschäft über Mittag geschlossen, dafür ist abends jedoch bis um 18.30 Uhr geöffnet. Die Möglichkeiten einer Übernahme der Dienstleistungen der Post hat Bürgi bereits früh erkannt.

«Ich bin der Erste, der das nimmt», habe er bereits ein Jahr, bevor die Poststelle in Kestenholz schliessen musste, gesagt. «Indem sich in der Filiale nun auch eine Postagentur befindet, lernen Zuzüger den Spar Supermarkt sehr rasch kennen», nennt Bürgi als Vorteil.

Das Pionierunternehmen

Die erste in einen Laden ausgelagerte Poststelle im Gäu befindet sich in Niederbuchsiten in «Monika’s Lädeli». Es laufe sehr gut zusammen, das Angebot des Lädeli und das der Post, sagt Besitzer Markus Häfeli. «Zu Beginn gab es schon hin und wieder Diskussionen bei der Kundschaft, doch inzwischen ist das Angebot zum Selbstläufer geworden», stellt er zufrieden fest. Er ist zufrieden, auch weil Postkunden bei ihm gleich noch etwas zum Einkaufen finden. Reklamationen gebe es selten, und wenn, halte er sich nicht lange damit auf. «Solches leite ich gleich weiter oder schicke die Kunden nach Egerkingen oder Oensingen zur Abklärung.» Einzig sein Personal habe er aufstocken müssen, denn: «Seit wir die Postagentur haben, mache ich keine Betriebsferien mehr. Die Post muss immer – zu den ordentlichen Öffnungszeiten – geöffnet sein.»

Mitarbeit: Fränzi Zwahlen-Saner