Oberbuchsiten

Nach nur fünf Monaten ziehen «Chutz»-Pächter die Notbremse: «Man muss den Mut haben, aufzuhören»

Peter Oesch und Bernadette Rickenbacher geben die Pacht im Restaurant Chutz in Oberbuchsiten nach nur vier Monaten auf.

Peter Oesch und Bernadette Rickenbacher geben die Pacht im Restaurant Chutz in Oberbuchsiten nach nur vier Monaten auf.

Nach wenigen Monaten hören Bernadette Rickenbacher und Peter Oesch als Pächter des Restaurants «Chutz» in Oberbuchsiten schon wieder auf.

Die Enttäuschung ist ihnen anzusehen. Bernadette Rickenbacher und Peter Oesch sitzen an einem der Holztische auf der Terrasse des Restaurants «Chutz». Vor Oesch steht eine Tasse Kaffee, daneben liegt ein Schreibblock. In der Hand hält er einen Kugelschreiber. Oesch seufzt. «Es war kein Herzensentscheid», sagt er. «Aber am Ende hat die Vernunft gesiegt.»

Im Februar haben Rickenbacher und Oesch das «Chutz» in Oberbuchsiten übernommen. Sie wollten einiges verändern: Neu gab es unter der Woche von 11 Uhr bis 23.30 Uhr warme Mahlzeiten, und die Karte wurde verkleinert. Saisonale Gerichte standen für Küchenchef Oesch im Zentrum, beliebte Standartgerichte behielt er den Gästen zuliebe im Angebot. Die wichtigste Veränderung war letztlich, dass der «Chutz» neu ein Nichtraucherlokal wurde. Das führte zu dünner Luft für die Pächter.

Die Gäste am Nachmittag fielen aus

Bevor Bernadette Rickenbacher und Peter Oesch das Restaurant übernahmen, durfte im «Chutz» geraucht werden. Rickenbacher: «Diese Gäste kamen häufig am Nachmittag, trafen sich zum Jassen, tranken ein Glas Wein und bestellten sich etwas Kleines zum Essen dazu. Diese Einnahmen fehlten uns.»

Die Stühle auf dem Sitzplatz vor dem Restaurant «Chutz» in Oberbuchsiten blieben im Frühling leer.

Die Stühle auf dem Sitzplatz vor dem Restaurant «Chutz» in Oberbuchsiten blieben im Frühling leer.

Oesch fügt einen weiteren Grund hinzu: «Ich bin kein Eventkoch. Ich wollte das auch nicht mehr sein. Aber bevor wir übernahmen, hat der ‹Chutz› auch dank grossen Events funktioniert.» Den zu kleinen Einnahmen standen hohe Ausgaben gegenüber: Als à- la-Carte-Restaurant stellten Oesch und Rickenbacher Servicepersonal und einen weiteren Koch ein. Den zusätzlichen Angestellten den Lohn zu zahlen war eine Belastung. «Am Ende haben wir jeden Monat draufgelegt», fasst Oesch zusammen.

Am 10. Juni beschlossen er und Rickenbacher, den «Chutz» auf Ende Juli aufzugeben. Am 21. Juli schliesst das Restaurant. Oesch legt den Stift auf den Tisch. «Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende», sagt er.

Personal ist versorgt

Der Entscheid fiel Rickenbacher und Oesch nicht leicht. Für Oesch ist es das erste Mal, dass er ein Restaurant aufgeben muss. Mehr als 20 Jahre gehörte ihm das Restaurant «Goldener Ochsen» in Olten. Danach führten er und Rickenbacher vier Jahre das Golfrestaurant in Stüsslingen. Die beiden hatten viele schlaflose Nächte. Sie machten sich nicht nur über ihre eigene Zukunft Sorgen, sondern auch um die ihrer Angestellten.

«Es war uns wichtig, dass wir für sie eine Lösung finden», sagt Rickenbacher. Das sei ihnen auch gelungen, unter anderem dank der Kontakte, die Oesch im Gastgewerbe hat. Er ist der Präsident von GastroSolothurn.

Einzig die Lehrtochter, die im August hätte anfangen sollen, hat jetzt noch keine Stelle. «Aber ich bin optimistisch, dass ich noch in dieser Woche einen Platz für sie finde», so Oesch. Wie es für ihn selber weitergeht, weiss er nicht, auch Rickenbacher hat noch keine neue Aufgabe gefunden.

Besitzer überrascht

Der «Chutz» gehört dem Oberbuchsiter Unternehmer Erwin Jakober. Er führte das Restaurant selbst, bevor Peter Oesch und Bernadette Rickenbacher übernahmen. Dass die beiden jetzt schon aufgeben überrascht ihn. Und er bedauert es. «Peter Oesch brachte so viel Erfahrung mit. Ich finde es schade, dass sie schon nach wenigen Monaten gehen wollen.» Wie es mit dem «Chutz» weitergeht weiss er nicht. Momentan sei er in den Ferien, gibt er am Telefon Auskunft. «Sobald ich zurück bin, suche ich eine Lösung».

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