Hausarztmedizin
Nach Mein-Arzt-Debakel: Praxis in Oensingen bleibt weiterhin offen

Der Praxiskette Mein Arzt gehörten im Kanton zwei Praxen an. Die Zukunft der einen scheint nun gesichert.

Rebekka Balzarini
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Die ehemalige Mein-Arzt-Praxis in Oensingen bleibt erhalten. (Symbolbild)

Die ehemalige Mein-Arzt-Praxis in Oensingen bleibt erhalten. (Symbolbild)

hanspeter baertschi

Zumindest in Oensingen bleibt die ehemalige Mein-Arzt-Praxis erhalten. Der dort prak­tizierende Arzt Michael ­Wünnenberg hat die Praxis an der Guetstrasse von der Kette übernommen und führt sie nun auf privater Basis weiter. Das liess die Praxis in der vergangenen Woche auf Anfrage verlauten.

Noch offen ist, wie es mit der Hausarztpraxis in Günsberg weitergeht. Bei einem Anruf dort verweist der Anrufbeantworter darauf, dass die Praxis per Ende Oktober geschlossen wird. Die Patientinnen und Patienten können ihre Dossiers in dieser Zeit abholen.

Kritik am Konzept der Praxisketten

Die Praxiskette Mein Arzt, der die beiden Praxen im Kanton angehörten, war bereits im Juni in die Kritik geraten. In der SRF-Sendung «Rundschau» warfen Ärzte und Lieferanten Christian Neuschitzer, dem Gründer der Kette, «unsaubere Methoden» vor. So habe dieser unter anderem Rechnungen und Honorare nicht oder zu spät ­bezahlt.

Einige Wochen später eröffnete die Zürcher Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren gegen Neuschitzer, der schliesslich in Italien verhaftet wurde. Laut weiteren Recherchen der «Rundschau» geht es bei dem Strafverfahren gegen Neuschitzer um den Verdacht auf ­Covid-19-Kreditbetrug. Unter anderem soll der Gründer der Kette Kredite für Praxen beantragt haben, die bereits nicht mehr für Mein Arzt arbeiteten. Insgesamt soll die Kette laut ­Angaben der «Rundschau» ­Kredite in der Höhe von vier Millionen Franken erhalten ­haben.

Nach den Vorfällen wurde generell Kritik an Praxisketten laut. Unter anderem monierte Lukas Meier, der Co-Präsident der Gesellschaft der Ärztinnen und Ärzte des Kantons Solothurn, in dieser Zeitung, dass Investoren von Praxisketten wie Mein Arzt häufig nicht aus dem medizinischen Bereich kommen. «Diese Investoren fordern von den Praxen hohe Umsätze. Die Angestellten stehen unter einem unglaublichen Druck», erklärte er. Häufig sei es den angestellten Ärzten gar nicht möglich, die erforderten Gewinne zu erwirtschaften. Viele Hausärzte würden ihre Praxen letztlich nur deshalb an eine solche Kette übergeben, weil sie keine Nachfolge finden.

Eine «undifferenzierte Kritik»

Gegen eine generelle Kritik an Ketten, die von Investoren aus dem nichtmedizinischen Bereich betrieben werden, wehrt sich die Praxiskette Monvia. Die Kette ist ein Tochterunternehmen der Versicherung Concordia und betreibt laut der Website des Unternehmens Praxen an neun Standorten in der Schweiz, unter anderem eine in Olten.

Die generelle Kritik an Praxisketten sei «undifferenziert», so Patricia Kellerhals, CEO von Monvia, in einem Statement. Kellerhals ist auch Präsidentin der Interessensgemeinschaft für die medizinische Grundversorgung der Schweiz. Darin sind verschiedene Ärztezentren und Ärzteketten zusammengeschlossen.

Es gelte, zu bedenken, dass in der Schweiz gerade auf dem Lande das «Grundsatzproblem der fehlenden ärztlichen Versorgung» bestehe. «Hierzu braucht es neue Lösungsmodelle, wie es unter anderem auch Praxisketten mit ihren zentralisierten administrativen Strukturen anbieten», gibt Patricia Kellerhals deshalb zu bedenken. «Wir sind sogar der Meinung, dass gut ­geführte Arztpraxen Know-how aus verschiedenen Bereichen brauchen und eine rein ärztliche Führung nicht zwingend zeit­gemäss ist, um das Optimum zum Beispiel bezüglich ­Mitarbeiterführung, Qualitätsmanagement, Digitalisierung zu erreichen.»

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