Oensingen
Nach mehrfachen Vandalenakten: Die Givebox zügelt in den Kindergarten

Die beiden Givebox-Initiantinnen Lara Schalt und Julia Bader brechen ihr Projekt in Oensingen vorzeitig ab. Wiederholte Vandalenakte und Verunreinigungen liessen die Motivation der beiden jungen Initiantinnen sinken.

Rebekka Balzarini
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Lara Schalt (links) und Julia Bader vor der Givebox, die sie selber gebaut haben.

Lara Schalt (links) und Julia Bader vor der Givebox, die sie selber gebaut haben.

Bruno Kissling

Genug ist genug: Lara Schalt und Julia Bader haben die Nase voll. Sie brechen ihr Schulprojekt vorzeitig ab. «Wir sind schon traurig. Es ist einfach schade», sagen die beiden Schülerinnen enttäuscht. Wochenlang haben sie dafür gearbeitet. Gesägt, gestrichen, gehämmert. Und im März war ihr Tauschhäuschen, die Givebox, endlich fertig. Von da an stand sie auf dem Sternenplatz in Oensingen, und sollte den Menschen Freude machen.

Die Givebox funktionierte nach einem einfachen Prinzip: Dinge, die nicht mehr gebraucht werden, aber noch intakt sind, konnten dort deponiert werden. Eine andere Person konnte sie dann abholen und behalten. Im Idealfall deponiert sie im Gegenzug selber eine Kleinigkeit in der Givebox. Julia Bader und Lara Schalt hatten sich bewusst für ein soziales Projekt entschieden, um den Alltag von vielen Menschen aufzuhellen. Die Freude über das Projekt war gross in Oensingen. Eine Menge positive Zuschriften und Kommentare erreichten die beiden Schülerinnen, beispielsweise über die Facebookseite «Du bisch vo Oensingen, wenn...». Aber: Die Freude währte nicht lange.

Chaoten richten Schaden an

Schon kurz nach dem Projektstart begann der Ärger für die Initiantinnen des Projekts. Der Vorhang vor der Eingangstür wurde heruntergerissen und beschmiert, vulgäre Kommentare standen im Gästebuch. Lara Schalt und Julia Bader gaben sich zwar Mühe, das Häuschen in Ordnung zu halten. Jeden Tag gingen sie bei der Box vorbei, räumten auf, überklebten Kritzeleien im Innern. «Aber wir hatten halt auch nicht immer Zeit, um uns darum zu kümmern», so Lara Schalt.

Die beiden zeigen Bilder des Chaos, welches sie regelmässig in der Box antrafen. Kleider und zerbrochene Gegenstände liegen auf dem Boden. Ausserdem seien immer wieder kaputte Gegenstände deponiert worden, erinnern sich Bader und Schalt. Die beiden versuchten, diese Probleme in den Griff zu bekommen. Beispielsweise hatten sie mehrmals unvorsichtige Primarschüler bei der Givebox beobachtet.

Sie gingen daraufhin, unterstützt von der Schulsozialarbeit, in der betroffenen Schule vorbei, um zu Vorsicht mit der Givebox zu mahnen. Die Situation verbesserte sich daraufhin kurzzeitig, aber bald war wieder alles beim Alten. Wieder kaputte Gegenstände, wieder fast tägliches Chaos. Bis den beiden der Geduldsfaden riss.

Projekt wird vorzeitig beendet

In einer Facebookpost gaben sie bekannt, dass sie ihr Projekt vorzeitig abbrechen. Statt bis Oktober wird die Givebox jetzt nur bis zum 27. Mai in Oensingen stehen. «Leider werden auch sehr viele defekte Gegenstände deponiert», schrieben die beiden in der Post. Und: «Der Zeitaufwand und die Kosten für die Entsorgung werden uns zu viel.» Trotz vielen enttäuschten Kommentaren blieben sie dabei.

Auch den Vorschlag aus der Community, dass sich auch andere Leute an der Betreuung der Givebox beteiligen könnten, lehnten die beiden ab. Der Grund: «Wenn etwas passiert, dann sind wir in der Verantwortung. Denn es ist unser Projekt und wir haben den Kontakt zur Gemeinde», erklärt Julia Bader.

Trotz Stress und Ärger ziehen die beiden eine positive Bilanz: «Ich finde, unser Projekt war trotzdem erfolgreich. Wir haben eine Idee gehabt und sie umgesetzt. Und vielen Menschen konnten wir trotzdem eine Freude machen.» Für ihr Häuschen haben die beiden auch eine Lösung gefunden: Die Givebox steht in Zukunft im Kindergarten in Kappelen. Dort dient sie zu Beginn als Kulisse für ein Theaterstück, und dann als Spielhaus für die Kindergartenschüler. Und macht damit weiterhin anderen eine Freude.

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