Der Altar schimmerte blau und rot, als die Kirche St. Joseph gestern nach mehrjähriger Renovation neu eingesegnet wurde. Gebannt verfolgten die Gottesdienstbesucher – darunter auch Regierungsrat Remo Ankli und alt Regierungsrat Thomas Wallner – den Einzug in die katholische Kirche.

Sie sahen Weihbischof Martin Gächter und Pfarrer Raimund Obrist unter Trompetenklängen eintreten und zur Überraschung noch drei Schweizergardisten. «Die Geduld hat sich gelohnt», sagte Rosmarie Heiniger, Gemeindepräsidentin von Gänsbrunnen, zur Festgemeinde. Damit sprach sie wohl vielen aus dem Herzen. Denn mit der Einsegnung ging eine zähe Zeit zu Ende.

Ein kleines Wunder?

Dass die vor 386 Jahren erbaute Kirche St. Joseph saniert werden muss, wusste man in Gänsbrunnen schon lange. Die Feuchtigkeit liess die Böden zerfallen, die Installationen waren veraltet und der Windfang aus Kunststoff passte nicht zur Kirche. «In wenigen Jahren hätten wir die Kirche schliessen müssen», erklärte Kirchgemeindepräsident Robert Haefeli die lange dramatische Lage. Doch das Rennovationsvorhaben war anfänglich von Unruhen geprägt und verzögerte sich um mehrere Jahre.

Man könnte von einem kleinen Wunder sprechen, dass die Kirche St. Joseph nach allen Wirren so «klug und weitsichtig», wie der Architekt Pius Flury sagte, renoviert werden konnte. Da Wunder in der Kirche jedoch eine andere Bedeutung haben, müssen die Gründe anderswo liegen.

So ist es beharrlich arbeitenden Menschen zu verdanken, dass sich die Kirche in neuem Glanz präsentieren kann: Dem Unternehmer Rudolf Huber, der ehrenamtlich der Baukommission vorstand, dem Architekten Pius Flury und natürlich dem Kirchgemeindepräsidenten Robert Haefeli. Allen voran aber steht Josef Zimmermann (Rüttenen), der sich als «Mann der ersten Minute» (Robert Haefeli) unermüdlich für die Kirchenrestaurierung eingesetzt habe. Als «Berater», wie seine Funktion offiziell hiess, war Zimmermann Spendensammler, Kommissionsmitglied und Organisator in einem.

1,1 Mio. Franken investiert

Die Kosten für die Kirchenrenovierung belaufen sich auf 1,1 Mio. Franken. Ein Drittel davon wurde mit dem Verkauf des Pfarrhauses finanziert, 120 000 Franken steuerten private Spender bei, das Gros aber stammt aus Subventionen. Mit dem Geld wurden unter anderem neue Bodenbeläge eingebaut, ein Glockenstuhl aus Holz montiert und der Windfang ausgewechselt.

Die frisch instand gesetzte Orgel wurde von Domorganist Bruno Eberhard gestern erstmals bespielt. Eberhard wechselte sich mit dem Cäcilienchor Welschenrohr ab, der mit einem Höhepunkt aufwartete: Der St.-Anna-Messe, die Richard Flury 1964 eigens für die Kirche in Gänsbrunnen komponierte. Urs Joseph Flury, der Sohn des bekannten Komponisten, begleitete den Chor auf der Solovioline.

Die Kirche «steht» wieder im Dorf

Besonders stolz scheint die Kirchgemeinde auf ihren neuen Altar zu sein. Dessen Zwischenräume nämlich sind es, die bei Lichteinstrahlung blau und rot schimmern. Der Altar trete so mit den in gleichen Farben gehaltenen Kirchenbildern in einen Dialog, meinte Pius Flury. Bischof Martin Gächter war sichtlich berührt, als er den neuen Altar salben und der «wohl kleinsten Pfarrei des Bistums Basel» übergeben konnte.

Spätestens jetzt war allen klar: In Gänsbrunnen «steht» die Kirche wieder im Dorf, so sinnbildlich das auch zu verstehen ist. Obwohl: In Gänsbrunnen steht die Kirche nicht im Dorf, in Gänsbrunnen thront die Kirche über dem Dorf – oder über dem, was in dieser kleinen aber weitläufigen Gemeinde den Dorfkern bildet.

Mit rund 80 Sitzplätzen ist die denkmalgeschützte Kirche klein. Doch für die 22 Katholiken in Gänsbrunnen reicht das allemal, denn so zum Bersten voll wie gestern wird sie künftig kaum sein, steht nicht eine Hochzeit oder eine Taufe an. Weihbischof Gächter gab sich in seiner Predigt überzeugt, dass Kirchen auch heute noch gebraucht werden: «Als Orte, wo in der Gemeinschaft gefeiert und gebetet wird.»