«Leben vor 500 Jahren»
Nach dem SRF sollen nun Gäste die Neu-Bechburg stürmen

Der Medienrummel bei der Neu-Bechburg in Oensingen ist mit dem Ende der SRF-Serie «Leben vor 500 Jahren» vorbei. Das Schloss soll von der Aufmerksamkeit profitieren.

Rebekka Balzarini
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Familie Dietschi lebte für drei Wochen im mittelalterlichen Bauernhof vor den Schlossmauern.

Familie Dietschi lebte für drei Wochen im mittelalterlichen Bauernhof vor den Schlossmauern.

Pascal Mora

Es ist wieder Ruhe eingekehrt auf Schloss Neu-Bechburg. In den letzten drei Wochen kamen täglich Besucher den Berg hoch gewandert von Oensingen, um einen Blick auf die Kulisse der SRF-Sommerserie «Leben vor 500 Jahren» zu erhaschen.

Im Rahmen dieses Projektes lebte eine Familie aus dem Nachbardorf Kestenholz auf einem mittelalterlichen Bauernhof vor den Schlossmauern. Das Projekt sollte aufzeigen, wie das Leben in der Schweiz im Jahr 1517 gewesen sein könnte.

Bilder aus dem SRF-Sommerprojekt:

Den Bauernhof verlassen und oben auf der Burg angekommen, gab es als Erstes einen Schokoladenkuchen für die Familie Dietschi.
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Dietschis kehren dem Bauernhof den Rücken. Im Karren transportieren sie den Zehnten, dem sie dem Vogt abgeben müssen.
Eines der Schweine wurde am 3. August geschlachtet. Dietschis durften für ihre Arbeit zwei Filets behalten.
Die Geissen Jessy, Jelly und Josephine laufen Dietschis mittlerweile hinterher. Keine würde jetzt noch abhauen wollen.
Die Pilgerer sind in der Hitze teilweise im leichten Gewand unterwegs
Die Familie Dietschi hat am 1. August ein Höhenfeuer aufgestellt.
Maurin und Simon beweisen sich als Knappen. Zum Schutz gibts einen Helm.
Die beiden machen ihre Sache gut. Sie müssen aber noch stärker werden, meinen die Ritter.
Die fünf Pilgerer in Solothurn
Die Pilger übernachten im Kloster Namen Jesu und lassen sich von Schwester Priska die Räume zeigen.
Dietschis in der lateinischen Messe im Dorf. Alle verstehen Bahnhof.
In Wanderschuhen gehts zum Müller und zurück – wobei die Gruppe auf dem Rückweg von einer Kutsche mitgenommen wird.
Am Freitag wandern Dietschis zusammen mit zwei Pilger nach Laupersdorf, um Getreide mahlen zu lassen.
Besuch ist gekommen: Die fünf Pilgerer und Dietschis beim Abendessen. Nur Radio-Moderator Ralph Wicki schläft nicht im Bauernhaus, sondern in der Burg.
Geiss Josephine ist im Stall stecken geblieben. Mit Hilfe des Schlosswarts wird sie befreit.
Nicole nimmt eine Wabe mit Honig heraus
Der Imker macht die Bienen schläfrig, danach werden die Waben herausgenommen.
Dietschis haben keine Socken. Deshalb stopfen sie Heu in die Schuhe.
Als Strafe für den Ausflug in den Wald müssen Dietschis für 2 Stunden im Schlossgarten arbeiten.
Ein Jäger kommt zu Besuch und bietet an, mit ihnen auf die Jagd zu gehen. Nicole weist auf die Rechte im Mittelalter hin. «Wir werden umgebracht», bringt sie mit ihrer Hand zum Ausdruck.
Christoph und Simon gehen mit dem Jäger in den Wald. Allerdings sehen sie nur Rehe und Gämsen – beide befinden sich in der Schonzeit.
So sieht die Toilette der Familie aus. Wegen der Juraschutzzone darf das Geschäft nicht in ein Erdloch gemacht werden.
Am Samstag gab es einen öffentlichen Mittelaltermarkt auf dem Schloss
Simon verkauft einen Korb mit Zwiebeln für sieben Schilling
Dietschis gehen am Freitag auf den Markt
Christoph bastelt, damit seine Hosen auch ohne Wams oben bleiben.
Den Nachmittag dürfen die Geissen in einem neuzeitlichen Gehege verbringen, das haben die Zuschauer entschieden.
Die drei Geissen vereint: Auch Josephine taucht wieder auf.
Ladina und Katja auf dem Zwiebelfeld Am Freitag wollen sie auf dem Mittelaltermarkt auf der Burg Zwiebelzöpfe verkaufen
Dietschis posieren vor dem Bauernhaus für die Kamera
Christoph und Simon bringen am Abend zwei von drei Geissen nach Hause. Drei Leute von SRF begleiten sie.
«Leben vor 500 Jahren»: Die besten Bilder aus der SRF-Doku-Soap
Die Wachskerze passt nicht in eine Bauernfamilie des Mittelalters. Diese Kerzen waren damals zu teuer. Dietschis bekamen aber eine für mehr Licht.
Die störrische Ziege will nicht nach dem Willen von Ladina, der Jüngsten im Bunde.
Die Familie vereint beim Abendessen mit der ersten Mahlzeit im Bauernhaus.
Ein Geduldsspiel: Feuermachen mit Feuerstein und Heu
Mutter Nicole schnürt Ladina die Lederschlappen.
Gemeinsam machen sich die Familienmitlieder auf den Marsch vom Zuhause in Kestenholz zum Bauernhaus im Schatten von Neu-Bechburg.
Familie Dietschi in stilechten Mittelalter-Kluft, welche sie gleich zu Beginn überstreifen durften.

Den Bauernhof verlassen und oben auf der Burg angekommen, gab es als Erstes einen Schokoladenkuchen für die Familie Dietschi.

Screenshot SRF

Mit dem Sendeformat knüpfte Fernsehen SRF an den Erfolg der Serie «Leben wie zu Gotthelfs Zeiten» an, die im Sommer 2004 für hohe Einschaltquoten gesorgt hatte. Von der Aufmerksamkeit profitierte damals auch die Region Emmental: Im historischen Bauernhaus Sahlenweidli, in dem vor 13 Jahren eine Familie aus der Ostschweiz für drei Wochen lebte, kann man noch heute Übernachtungen buchen.

Auch im Solothurner Jura will man nun den Schwung der letzten Wochen in die Zukunft mitnehmen. «Viele Leute werden nach Oensingen zurückkommen», ist der ehemalige Gemeindepräsident Kurt Zimmerli überzeugt. Er ist der Präsident der Stiftung Schloss Neu-Bechburg, und als OK-Präsident koordinierte er mit seinem Team auch das Rahmenprogramm, das in den letzten Wochen auf dem Schloss stattfand.

Wie vor 500 Jahren: Impressionen vom Mittelaltermarkt auf dem Schloss Neu-Bechburg.
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Wie auf einem echten Markt kann man hier die hergestellte Ware kaufen. Die Zuschauer können aber auch bei der Produktion mithelfen.
Auch ein Musiker ist auf dem Markt präsent
Der Schmied an seinem Feuer
Wie vor 500 Jahren: Impressionen vom Mittelaltermarkt auf dem Schloss Neu-Bechburg.
Er sorgt für Sicherheit auf dem Markt
«Kauft Strähle, es kommen lausige Zeiten», preist der Strählsager seine handgemachten Kämme an.
Eine Frau mit einem Zwiebelzopf
Die Markthändler erklären den neugierigen Besuchern gern, was es mit ihrem Handwerk auf sich hat.
Korber
Ein Färber bei der Arbeit
Eine Frau macht Feuer – ohne Zündhölzchen gar nicht so einfach
Er zeigt, wie Armbrustschiessen geht
Dabei das Ziel zu treffen, erweist sich als schwieriges Unterfangen.

Wie vor 500 Jahren: Impressionen vom Mittelaltermarkt auf dem Schloss Neu-Bechburg.

Remo Fröhlicher

Ganzes Schloss wird geöffnet

Während der Dreharbeiten zur SRF-Serie war es nicht möglich, das ganze Schloss zu besichtigen. «Die Besucher fanden das sehr schade», so Zimmerli. Deshalb habe man in Oensingen nun das Ziel, das Schloss möglichst schnell wieder für Besucher herzurichten. Ab September soll dies so weit sein. Dabei weiss die Stiftung die Gemeinde hinter sich: «Oensingen war mit vielen schönen Bildern am Fernsehen präsent», sagt der aktuelle Gemeindepräsident Fabian Gloor zufrieden. Die drei Wochen hätten dazu beigetragen, dass Oensingen nun in der Schweiz bekannter geworden sei. «Davon können wir sicher auch in Zukunft profitieren», so Gloor.

SRF-Moderatorin Katharina Locher mit Schlossreporter Max Misteli.

SRF-Moderatorin Katharina Locher mit Schlossreporter Max Misteli.

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Übers Rahmenprogramm freut sich auch Max Misteli. Als Schlossreporter führte er die Abendanlässe und interviewte dabei Gäste, die sich mit einem bestimmten Thema aus dem Mittelalter auskannten. Etwa mit Medizin oder mit der Musik aus dieser Zeit. Ausserdem organisierte er mit seinem Team unter anderem einen Mittelaltermarkt, einen Brunch auf dem Schloss und ein Konzert.

Kampf um Ideen

«Wir mussten am Anfang schon ein bisschen kämpfen, dass unsere Ideen umgesetzt werden», erinnert sich Max Misteli. Umso schöner sei es jetzt, dass die Anlässe so gut besucht gewesen seien. Als Schlossreporter sei er am Anfang zwar ein bisschen nervös gewesen, gibt er zu. «Mit den Profis vom Fernsehen konnte ich natürlich nicht mithalten», sagt er mit einem Lachen. Ein Jobangebot von SRF habe er nun aber leider noch nicht erhalten. Glücklich mit den vergangenen Wochen ist er trotzdem: «Wenn wir jetzt nicht zufrieden sind, dann sind wir ja nie zufrieden».