Wie geht es der Bauernfamilie Strub, fünf Tage nach dem Brand des Horn-Hofes? «Es läuft, wir arbeiten daran, dass es vorwärts geht», erzählt Sohn Clemens. All diese Tage seien sehr turbulent gewesen, «es war sehr viel los». Dazu gehörte auch, dass die Bauernfamilie eine enorme Hilfsbereitschaft erfahren hat, sowohl von privater wie auch von behördlicher Seite, wie Vater Paul bemerkt. Und Mutter Käthi ergänzt: «Noch während des Brandes am Donnerstag sind diverse Leute zu uns gekommen und fragten uns, was wir benötigen. Sie würden gerne helfen. Und die Armasuisse (eine Tochterorganisation des VBS, Anmerkung der Redaktion) hat uns sofort einen Wohncontainer, eine WC-Anlage und eine Dusche bereitgestellt.»

Was die Wohnung anbetrifft, konnten die Strubs sogar auswählen. «Trimbachs Gemeindepräsident Karl Tanner hat uns eine Wohnung unten in Trimbach angeboten, und auch auf der Froburg in der Hafnerschule hätten wir unterkommen können. Doch das war uns zu weit weg, denn schliesslich müssen wir ständig zu unseren Tieren schauen können. Bei rund 150 Nutztieren muss man einfach präsent sein», so Paul Strub.

Ins Pfarrhaus eingezogen

Doch dann habe sich für sie die ideale Lösung angeboten. Jürg Ryffel, Gemeindepräsident von Hauenstein-Ifenthal, habe sie darauf aufmerksam gemacht, dass das ehemalige Pfarrhaus auf der rechten Seite eingangs Ifenthal seit dem 31. Juli leer steht. In Absprache mit der römisch-katholischen Kirchgemeinde Ifenthal-Hauenstein habe das Haus sofort bezogen werden können. «Der Kirchgemeinderat hat extra eine Ausschreibung zurückgezogen und das Gebäude für uns freigestellt.

Dies alles geschah sehr unkompliziert. Dieser Akt der Solidarität war für uns eindrücklich und gewaltig», sagt Paul Strub in tiefer Dankbarkeit und mit bewegter Stimme. Sie hätten sofort zugesagt, weil das Gebäude für sie in kurzer Zeit erreichbar sei, und sie fühlten sich schon ein wenig heimisch darin.

Auch mit Gütern aller Art seien sie inzwischen eingedeckt worden. «Wäsche, Bettwäsche, Tücher – von all dem ist schon genug vorhanden. Auch die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Trimbach, die Einwohnergemeinde Hauenstein-Ifenthal sowie viele Private haben uns Unterstützung aller Art, auch auf finanzieller Ebene, zugesagt», erzählt Paul Strub. «Dass die Leute so starken Anteil an unserer Situation nehmen, ist für uns eindrücklich», bekennt er.

Bei anderen Bauern unterbringen

Die Nutztiere können, so der Landwirt, bis Ende Oktober oder Anfang November auf der Weide bleiben. Dann müssen sie in einem Stall untergebracht werden. Doch auch hier sieht Paul Strub Licht am Ende des Tunnels. «Unsere Tiere brauchen eine einfache Stallung. Ich bin überzeugt, dass man in Kürze ein ansprechendes Provisorium aufbauen kann», zeigt er sich zuversichtlich. Ausserdem seien rund zwei Drittel der Futtermittel erhalten geblieben. Zudem hätten ihm diverse andere Landwirte angeboten, einige seiner Tiere in ihren Stallungen unterzubringen und den Winter hinüber durchzufüttern. «Diese Solidarität ist unbeschreiblich, das kann man nicht in Worte fassen», meint er sichtlich gerührt.

Die Nutztiere hätten im Übrigen nur allesamt überlebt, weil Frau Käthi und Tochter Rebekka sofort reagiert und die sich noch im Ökonomiegebäude befindlichen Tiere sofort hinaus auf die Weide getrieben haben, erzählt Sohn Clemens. «Der Preis war, dass wir nur noch das an Habe retten konnten, was wir am Leib trugen», ergänzt Paul Strub. Doch das macht ihm nicht so viel aus, denn: «Als Biobauer liegt mir die ganze Ökologie, die das Horn bietet, sehr am Herzen. Gebäude und Habseligkeiten kann man ersetzen. Aber die ökologisch wertvollen Naturwiesen haben keinen Schaden genommen», resümiert er.

Übrigens: Auch die beiden Hunde sowie die meisten Katzen haben überlebt und sich beim gestrigen Augenschein vor Ort als munter und lebhaft präsentiert. «Lediglich zwei junge Kätzchen und wohl auch einige der Jungschwalben, die sich unter dem Dach des Ökonomiegebäudes befanden und noch nicht flügge waren, haben es nicht geschafft», zieht Paul Strub Bilanz.

Wohl über 100 Jahre alt

Das Wohngebäude selbst ist, so schätzt Paul Strub, «wohl über 100 Jahre alt. Mein Vater hat mir erzählt, dass es nach 1900 schon einmal abgebrannt ist und wieder aufgebaut werden musste». Das Ökonomiegebäude sei in den 1950er-Jahren umgebaut worden. Er hob hervor, dass wohl eine Brandschutzmauer besteht, diese jedoch nicht hoch genug gewesen sei, um das Ökonomiegebäude über das Dach hinaus vom Wohnhaus zu trennen. Dies sei auch die Ursache gewesen, weshalb die Flammen über die Brandmauer hinaus direkt auf das Wohnhaus überspringen konnten.

Zur Brandursache können, laut Melanie Schmid vom Mediendienst der Polizei Kanton Solothurn, bis jetzt immer noch keine Angaben gemacht werden; die Ermittlungen seien weiterhin in vollem Gang. «Aber wir werden informieren, sobald wir die Ursache kennen», verspricht sie.

Treffen mit Armasuisse

Wie es nun weitergeht mit dem Horn-Hof, wird sich laut Paul Strub morgen Donnerstag zeigen. Dann kämen Vertreter der Armasuisse, der Eigentümerin, auf den Hof und würden das Vorgehen besprechen. «Wir sollen uns bis dahin Gedanken machen, was wir möchten», bemerkt Paul Strub. Prioritär müsse sicher als Erstes der Schadenplatz geräumt werden. Und er weiss, dass es auch Kaufinteressenten für einige seiner Tiere gibt. Er ist sich sicher: «Mit einem reduzierten Tierbestand und der noch vorhandenen Futtermenge können die Nutztiere über den Winter gebracht werden».