Ende April übergibt das Ehepaar Ursula und Kurt Friedli die Leitung des Seniorenzentrums Untergäu (SZU) seinem Nachfolger, dem Baselbieter Ralph Wicki. Seit dem 1. April 1980 haben die Friedlis das Hägendörfer Alters- und Pflegeheim mit grossem Engagement und Erfolg geleitet - Zeit für einen Rückblick.

In die Pflegebranche seien sie eher zufällig gerutscht, erzählt Kurt Friedli. Nach einem Job als Heimleiter-Stellvertretung in einem Sonderschulheim für Jugendliche in Kriegstetten habe ihn die Herausforderung in Hägendorf gereizt.

Der Kantonswechsel von Bern nach Solothurn war schnell beschlossene Sache. Das bestehende Altersheim in Hägendorf wurde damals durch Ergänzung einer Pflegeabteilung gerade zum Alters- und Pflegeheim und bot seitdem 60 Personen ein Zuhause.

Neben dem nötigen Pflegefachpersonal wurden 1980 auch die Friedlis angestellt und mit der Leitung des erweiterten Heimes betraut. Während sich Kurt Friedli um die Gesamtleitung, die Administration und die Infrastruktur kümmerte, war seine Frau Ursula in einem Teilpensum von 50 Prozent für den Hauswirtschaftsbereich und die Küche zuständig.

Altersheim als Wohnform

Von Anfang an sei es ihnen wichtig gewesen, die vorhandenen Ressourcen wirtschaftlich zu nutzen, erzählt Kurt Friedli. Aber auch auf die Betreuung und die Pflege hätten sie immer Wert gelegt.

«Wir wollten das Altersheim als eine mögliche Wohnform etablieren und den Leuten zeigen, dass sie unsere Hilfe gewissensfrei annehmen dürfen», führt Friedli aus. Die Herausforderung, soziales Engagement im wirtschaftlichen Kontext erfolgreich zu realisieren, habe sie gereizt. Immer hätten sie auch versucht, visionär zu denken und vorauszusehen, was wohl in Zukunft auf sie zukomme, ergänzt Ursula Friedli.

Das Seniorenzentrum haben die beiden durch ihr Engagement stetig weiterentwickelt. «Dabei haben wir aber auch immer an die Menschen, an die Bewohner und die Mitarbeitenden, gedacht», erklärt Kurt Friedli. Deshalb habe Entwicklung stets in kleinen Schritten stattgefunden.

Qualität und Kostendruck

Neben organisatorischen Veränderungen in der Verwaltungsstruktur des Heims und dem Dazukommen von einigen Alterswohnungen Mitte der 1980er-Jahre, die die Friedlis verwalteten und betreuten, wurde die Infrastruktur des Alters- und Pflegeheims Ende der 1990er Jahre nochmals den Bedürfnissen der Bewohner angepasst.

Dies vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels - die Ansprüche an Pflege, Dienstleistungen und Hotellerie seien in den vergangenen Jahrzehnten massiv gestiegen, erzählt Kurt Friedli.

Bereits vor 15 Jahren seien sie deshalb auch zu der Überzeugung gekommen, dass Zweierzimmer nicht mehr zeitgemäss seien. Auch die Anforderungen an die Mitarbeiter hätten sich verändert.

Während man früher in der Pflege vor allem Wert auf Qualität gelegt habe, spüre man heute im Sozialbereich einen grossen Kostendruck. In diesem Kontext das Gleichgewicht zu finden, sei eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt gewesen, erinnert sich der 63-Jährige, der in seinen 34 Amtsjahren als Heimleiter keinen einzigen Tag krank gewesen ist.

Verschiedene Wohnformen

Wichtig sei ihnen auch immer gewesen, verschiedene Wohnformen in «ihrem» Heim zu kombinieren, erzählt Ursula Friedli. Neben momentan 68 Bewohnern im Seniorenzentrum bieten elf Seniorenwohnungen vis-à-vis mehr Selbstständigkeit.

Zudem gebe es noch zwei Übernachtungszimmer und seit Februar 2008 einen Tagestreff, der täglich zehn betagten, aber betreuungsunabhängigen Personen Abwechslung, Betreuung und Pflege bietet. Zwei umliegende Liegenschaften wurden extra für diesen Zweck erworben.

250 Anlässe im Jahr

Auf jeden Fall habe der Job als Heimleiter sein Leben verändert, resümiert Kurt Friedli, der nebenbei nicht nur Gründungspräsident der Gemeinschaft Solothurnische Altersheime und Vorstandsmitglied in diversen Heimverbänden war, sondern 2007 als Kantonsratspräsident auch noch als höchster Solothurner amtete.

Wie er das alles neben seiner Funktion als Heimleiter geschafft habe, wisse er selbst nicht mehr so genau, meint er schmunzelnd. Auf jeden Fall habe ihn seine Frau in dieser Zeit sehr entlastet - nur so habe er an den rund 250 Anlässen teilnehmen können, die er in seinem Kantonsratspräsidentenjahr besuchen musste.

Gelassenheit, Geduld, Verständnis

Vermissen werde sie die Dankbarkeit und die Wertschätzung der Heimbewohner, meint Ursula Friedli. In all diesen Jahren sei es herausfordernd gewesen, Menschen beim Älterwerden zu begleiten und ihnen den Alltag zu verschönern.

Auch ihren Mann haben die Erlebnisse der vergangenen 34 Jahre geprägt: Gelassenheit, Geduld und Verständnis habe er gelernt, meint Kurt Friedli. Immer wieder eindrücklich seien für ihn auch Momente beim Dabeisein in den letzten Stunden gewesen: «Es ist schön zu sehen, wie sich der Kreis des Lebens auf friedliche Art schliesst.»

Dass er sich wirklich Ende April von «seinem» Seniorenzentrum trennt, mag man kaum glauben, spricht er doch unentwegt auch von zu lösenden Problemen in der Zukunft: Man dürfe Demenzkranke nicht isolieren, müsse der Vereinsamung innerhalb der Gesellschaft entgegenwirken, die Altersbetreuung besser vernetzen, und die momentan 700 Leute umfassende Warteliste des Seniorenzentrums Untergäu, die einmal als die längste im ganzen Kanton bezeichnet wurde, müsse noch weiter verkleinert werden.

Grundharmonie und guter Stern

Ja, es gebe noch viele offene Projekte; am Ziel sei man nie, gibt Kurt Friedli zu. Eines hat er jedoch vor seinem Abschied noch zu Ende gebracht: die 2007 beschlossene und kürzlich abgeschlossene Sanierung und Erweiterung des SZU.

Der Tag der offenen Türen Ende April, der anlässlich des Abschlusses der Bauarbeiten stattfindet, wird sein letzter Anlass sein. Gemeinsam wollen Ursula und Kurt Friedli sich in den kommenden Jahren ihrer Familie, ihren Reisen und dem Sport widmen. Ausserdem wolle er «die Schweiz von Ost nach West durchlaufen», verrät Kurt Friedli schmunzelnd.

Ihrem Nachfolger Ralph Wicki wünschen die Friedlis für die Zukunft alles Gute. Ratschläge brauche er bestimmt keine. Für das SZU wünschen sie sich, dass «die Grundharmonie, die immer da war, weiter herrschen wird». Das Hägendörfer Seniorenzentrum habe all die Jahrzehnte lang immer unter einem guten Stern gestanden. Das solle auch so bleiben.