Hägendorf

Nach 30 Jahren hat endlich der Pausenplatz Priorität

Geschenke erhalten die nachbarlichen Beziehungen: Während Johanna Bartholdi den Hägendörfern einen grossen Nussgipfel brachte, erhielt die Egerkingerin von Albert Studer eine Karikatur. Foto: kas

Geschenke erhalten die nachbarlichen Beziehungen: Während Johanna Bartholdi den Hägendörfern einen grossen Nussgipfel brachte, erhielt die Egerkingerin von Albert Studer eine Karikatur. Foto: kas

199 Hägendörferinnen und Hägendörfer genehmigten an der Landsgemeinde die Sanierung des Pausenplatzes beim Schulhaus Oberdorf mit 104 Ja-, 58 Nein-Stimmen und 37 Enthaltungen.

199 Stimmberechtigte konnte Präsident Albert Studer an der Hägendörfer Landsgemeinde begrüssen, dazu zahlreiche geladene Gäste wie Kantonsratspräsident Peter Brotschi (Grenchen), die Egerkinger Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi sowie den Muotathaler Wetterprophet Martin Horat. Während letzterer die Hägendörferinnen und Hägendörfer nach dem offiziellen Versammlungsteil mit Anekdoten aus der Wetter- und Prophetengilde unterhielt und einen heissen Sommer sowie einen schönen Herbst voraussagte, überbrachten Brotschi und Bartholdi Grussworte aus ihren Gemeinden. Mit viel Humor und Ironie erinnerte Johanna Bartholdi die Anwesenden an gewisse Teile einer «unverarbeiteten Geschichte» zwischen Hägendörfern und Egerkingern in der Vergangenheit wie das nicht ganz freiwillig angenommene Asylangebot von Egerkingen für die Hägendörfer Rootmaske oder «Schlägereien an Prozessionen bei der Santelkappelle». Trotzdem habe sie sich über die Einladung für die Landsgemeinde in Hägendorf gefreut, denn «sie ist Demokratie pur».

30 Jahre lang andere Prioritäten

Während alle anderen Geschäfte unbestritten waren, mussten die Gemeindeverantwortlichen um die Bewilligung der geplanten Sanierung des Pausenplatzes beim Schulhaus Oberdorf und den nötigen Kredit von 482 000 Franken bangen. Das Projekt besteht laut dem zuständigen Gemeinderat Roger von Wartburg aus drei Komponenten: der Überdachung des Einfangsbereichs beziehungsweise der Südfront des Gebäudes per Metallkonstruktion und Glasdach, der Fertigstellung der Pausenplatzgestaltung im Osten und Norden inklusive neuem Belag und neuen Spielgeräten sowie den Belagsersatz inklusive Baumbepflanzung und Parkiermöglichkeiten.

Die Finanzkommission würdigte das Projekt in ihrer Stellungnahme als «inhaltlich gut ausgearbeitet», aber nur als «wünschbar» und nicht als zwingend, da sich die Gemeinde besonders durch die beiden Grossprojekte «Raiffeisen Arena» und Schluhauserweiterung Späri» in einer intensiven Investitionsphase befinde. Kommissionspräsident Beat Leimgruber bekräftigte diese Aussagen an der Landsgemeinde während der Eintretensdebatte nochmals: «Ich habe gar nichts gegen das Pausenplatzprojekt, es sieht super aus, ich finde nur den Ausführungszeitpunkt falsch.» Auch er habe grundsätzlich nichts gegen die Vordachlösung, sagte Bürgerpräsident Ruedi Studer. Er fand aber, dass «es günstiger als eine halbe Million Franken gehen sollte. Man hat nun einen Rolls Royce geboren. Natürlich soll es auch kein ‹Döschwo› sein, aber irgendetwas dazwischen hätte auch gereicht».

Marcel Studer empfahl der Versammlung, nicht auf das Projekt einzutreten. «Ich bin nicht grundsätzlich gegen den Umbau und die Überdachung, ich finde nur, dass man warten sollte, bis die beiden Grossprojekte ‹Mehrzweckhalle› und ‹Schulhaus Späri› beendet sind, die uns viel teurer kamen als ursprünglich geplant». Seit 30 Jahren sei der Schulhausplatz ein Traktandum in Hägendorf, nun habe man andere, teurere Projekte in den Vordergrund gestellt, meldete sich Kasimir Rötheli zu Wort. Er fand, dass man bezüglich Finanzen «die Weichenstellung schon vor Jahren in die Hand hätte nehmen sollen». Er bat die Versammlung, «zu diesem Geschäft noch einmal Ja zu sagen und den Gemeinderat damit zu beauftragen, danach strikte Sparmassnahmen einzuleiten». – «Die Schulhausumgebung hat es nötig», meinte Werner Huber. «Wir sollten dringendst etwas tun für unsere Kinder.» Er zeigte sich überzeugt davon, dass «wir den Kredit nie mehr so günstig bekommen wie heute».

Urs Studer wies darauf hin, dass man in den vergangenen zwei, zweieinhalb Jahren in Hägendorf für Investitionen 20 Mio. Franken gesprochen habe. Laut dem alt Finanzverwalter kostet dieser Betrag die Gemeinde bei einer Darlehensaufnahme «eine halbe Million Franken». Er machte auf den Finanzierungsfehlbetrag von 884 000 Franken aufmerksam. «Klar haben wir in der Rechnung 2013 einen Überschuss von 120 000 Franken. Doch wenn wir diese halbe Million nicht haben, treffen wir uns in zwei, drei Jahren, um über eine Steuererhöhung zu diskutieren.» Das Schulhaus Späri werde gebraucht, die Mehrzweckhalle gebaut, «das ist absolut richtig. Doch mit einem Finanzierungsfehlbetrag in der Rechnung heisst das, dass wir unsere Investitionen nicht finanzieren können und Schulden aufnehmen müssen.» Studer schlug vor, «auf das Geschäft nicht einzutreten, das Wünschbare hinauszuschieben, das zu bauen, was wir haben, das absolut gute Pausenplatzprojekt in die Schublade zu legen, zu konsolidieren und dann zu schauen, ob wir es realisieren können».

Das Geschäft sei seit Jahren zurückgestellt worden, «weil es immer etwas Wichtigeres gab», warf alt Gemeinderätin Christine Cordier ein. «Der Pausenplatz ist ein Schandfleck mit nichts darauf ausser einem Parkplatz. Wir sollten die Sanierung jetzt an die Hand nehmen.»

Von Wartburg: «Saubere Sache»

«Die Botschaft ist angekommen», erwiderte Roger von Wartburg. Der Gemeinderat machte die Bevölkerung darauf aufmerksam, dass «es im Auge des Betrachters liegt, was nötig und was wünschbar ist. Abgesehen von der Schulraumthematik ist der Pausenplatz beim Oberdorf seit Jahren ein Thema, das zigmal besprochen und nie realisiert wurde». Dem Rat sei es wichtig gewesen, alle Fakten klar und detailliert auf den Tisch zu legen, um am Ende «eine saubere Sache» zu haben. Von Wartburg zeigte sich überzeugt: «Auch wenn wir das Geschäft ein nächstes Mal vorlegen, wird es Stimmen geben, die dagegen sprechen.»

Die 199 Stimmberechtigten traten mit 118 Ja-, 61 Nein-Stimmen und
20 (nicht gemeldeten) Enthaltungen auf das Geschäft ein. Da für sie alles Wichtige gesagt schien, genehmigten sie die Pausenplatzsanierung anschliessend ohne weitere Diskussion mit 104 Ja-, 58 Nein-Stimmen sowie acht gemeldeten und 29 nicht gemeldeten Enthaltungen.

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