Neuendorf

Nach 26,5 Stunden Planung gehörte die Goldmedaille ihm

Jonas Heutschi bei Schweizer Meisterschaften der Gebäudetechnikplaner beim konzentrierten Arbeiten.

Jonas Heutschi bei Schweizer Meisterschaften der Gebäudetechnikplaner beim konzentrierten Arbeiten.

Jonas Heutschi aus Neuendorf gewinnt die Schweizer Meisterschaften der Gebäudetechnikplaner mit Fachrichtung Lüftung. «Ich war froh, dass ich nicht Zweiter wurde», meint er nur.

Als wäre es das Normalste der Welt, eine Goldmedaille in seinem erlernten Beruf zu erlangen, spricht der junge Mann mit den blonden Haaren über seinen kürzlich erlangten Schweizer-Meister-Titel. Jonas Heutschi darf sich nun offiziell bester Gebäudetechnikplaner in der Fachrichtung Lüftung nennen. «Ich hatte schon Ansprüche auf einen Podestplatz» gesteht der 19-Jährige lächelnd.

«Halt wegen meinen guten Noten in der Lehrabschlussprüfung und in der IPA.» Übersetzt heisst IPA individuelle praktische Abschlussarbeit und ist mit der praktischen Lehrabschlussprüfung im Lehrbetrieb und mit einer Diplomarbeit vergleichbar.

Kurzfristig angemeldet

Die Bedingungen für die Teilnahme an einer Schweizer Berufsmeisterschaft sind von Beruf zu Beruf unterschiedliche. Bei den Gebäudetechnikplanern kann daran teilnehmen, wer im selben Sommer die Lehrabschlussprüfung (LAP) erfolgreich absolviert und dabei eine Note über 5 erlangt hat.

Beides traf bei Heutschi, der Gebäudetechnikplaner mit der Fachrichtung Lüftungen erlernte, zu, hatte er in der LAP doch eine Note von 5,6. Also entschied er sich kurzfristig für eine Anmeldung für den Wettbewerb. Und wurde prompt für einen der fünf Plätze ausgewählt.

Vom Freitag, 23. bis Sonntag 25. September mass er sich mit den Besten seines Berufes. «Wir mussten Lüftungs- und Klimaanlagen für eine Villa mit Essbereich, Schlafzimmern und einem Hallenbad planen und berechnen», erklärt Heutschi die Aufgabe, die er innerhalb von 26,5 Stunden auszuführen hatte. Für den Wettbewerb waren Hilfsmittel zugelassen: «Wir hatten sogar Internet und konnten miteinander sprechen», erzählt der Neuendörfer, der seine vierjährige Lehre bei der Oltner Firma Balplan absolvierte. «Manche nahmen zwei grosse Koffer mit, ich hatte nur eine kleine Sporttasche mit Laptop und einigen Unterlagen dabei», sagt Jonas Heutschi schmunzelnd und ergänzt, dass er da gemerkt habe, dass sich die Anderen wohl besser auf die Meisterschaften vorbereitet hatten als er.

Auch führte Jonas Heutschi alle Berechnungen von Hand und nicht mit dem Laptop aus, im Gegensatz zu allen anderen. Seine simple Begründung: «Es geht schneller.» Nervös sei er bloss am Anfang gewesen, im Anschluss hätte er gar keine Zeit mehr dafür gehabt, «schliesslich hatten wir ja etwas zu tun.»

Zu Beginn des Wettbewerbs mussten die Gebäudetechnikplaner eine sogenannte kontrollierte Wohnungslüftung planen, eine Lüftung für den Essbereich. «Da hatte ich ein schlechtes Gefühl, weil ich dies während meiner Lehre nie gemacht habe.» Doch dies änderte sich schlagartig, als Heutschi anhand der Pläne ablesen konnte, dass als nächste Aufgabe die Planung einer Lüftung für ein Hallenbad vorgesehen war. Genau der gleiche Auftrag war Inhalt seiner IPA.

Keine WM-Teilnahme

Eine Woche später, am vergangenen Sonntag, fand die Rangverkündung mit Siegerehrung in dem Hotel in Zürich statt, indem die Mitstreiter während des Wettbewerbes übernachteten.

Was ihm durch den Kopf ging, als er realisierte, dass er der Sieger war? «Ich war froh, dass ich nicht Zweiter wurde», sagt Heutschi, ohne zu zögern. Mit dem Schweizer-Meister-Titel anfangen kann er nun nicht viel. Normalerweise kann der Sieger an den Europa- oder Weltmeisterschaften teilnehmen. Heutschi nicht. Seine Disziplin existiert im internationalen Vergleich nicht.

Nichtsdestotrotz ist er stolz auf seine Leistung. «Nur schon dabei zu sein und die einmalige Erfahrung machen zu dürfen, ist ein riesen Erlebnis», schaut er zurück. Und nun? Seit vergangenem August arbeitet Jonas Heutschi bei der Firma Riggenbach in Solothurn und im März beginnt die Rekrutenschule.

Anschliessend möchte Jonas Heutschi, der parallel zur Lehre auch die Berufsmatur erfolgreich absolvierte, studieren gehen. Was, weiss der Neuendörfer allerdings noch nicht. «Es gibt so viele interessante Studiengänge», meint er. Wahrscheinlich ziehe es ihn an eine Fachhochschule. «Ingenieur wäre etwas.»

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