Die Chäslaube in der Ey hat eine lange Tradition in Wangen und ist seit fast vier Jahrzehnten der Detailhändler mit dem grössten Käseangebot in der Region Olten. Nach 37 1/2 Jahren geht die Ära von Urs und Hanni Dellenbach nun jedoch zu Ende: Aus Altersgründen schliessen sie die Chäslaube am 20. September und verabschieden sich an jenem Samstag ab 14 Uhr von ihrer Kundschaft mit einem Apéro aus dem Berufsleben und aus Wangen.

Urs Dellenbach ist im Kanton Bern aufgewachsen und hat einen landwirtschaftlichen Hintergrund. Dass er in der Käse- und Milchbranche landete, hat sich «beruflich so ergeben», sagt Dellenbach. «Da unsere Familie keinen eigenen Hof hatte, war dies für mich das Naheliegendste, um mit der Landwirtschaft in Verbindung zu bleiben». Er absolvierte die Käserlehre in der Käserei Bundtels bei Düdingen im Kanton Freiburg und war danach als Jungkäser in verschiedenen Fabrikationsbetrieben tätig. 1972 zog er mit seiner Familie für viereinhalb Jahre ins Engadin, um die Filiale der Lataria Engiadinaisa in Samedan zu führen. Als die Milchgenossenschaft Wangen bei Olten ihn und seine Frau 1977 zum neuen Betriebsleiterehepaar wählte, zogen die Dellenbachs ins Untergäu. «Wir hatten verschiedene Angebote zur Auswahl», erklärt Urs Dellenbach. «Das von Wangen passte uns am besten.»

Gute Kundenkontakte als Erinnerung

Die Infrastruktur des Gebäudes war damals nur halb so gross wie heute; der Laden wurde innerhalb der ersten 20 Jahre zwei Mal umgebaut und vergrössert; zuletzt 1991, als die Milchannahmestelle geschlossen und dieser räumliche Bereich dem Laden hinzugefügt wurde (siehe Kasten). «Unsere Stärken waren stets der Käse und die Frischprodukte; damit haben wir uns einen Namen gemacht», sagt Urs Dellenbach. Allerdings habe er nie selber produziert. «Ich musste das Käsen nach der Lehre aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Da haben wir uns entschieden, unsere berufliche Tätigkeit auf milchwirt- schaftlicher Basis weiterzuführen.»

Im Vergleich zu vor 40 Jahren habe sich im Detailhandel viel verändert, vor allem das Einkaufsverhalten der Kundschaft. Um sich gegenüber Grossverteilern behaupten zu können, müsse man sich als Kleindetaillist «ganz klar durch Spezialitäten, Dienstleistung und Freundlichkeit abheben», sagt Dellenbach. In einem wichtigen Bereich hat sich aber nicht viel verändert: «Ein grosser Teil unserer Stammkunden kauft seit 37 1/2 Jahren bei uns ein – und zwar nicht nur solche aus Wangen, sondern auch aus der weiteren Region.» Die «sehr guten» Kundenkontakte sind es denn auch, die Urs und Hanni Dellenbach an ihrem letzten Arbeitstag am 20. September in der Chäslaube als Erinnerung mit in den Ruhestand nehmen.

Auch ein Abschied aus Wangen

Urs Dellenbach hat vor zwei Jahren das offizielle Pensionsalter erreicht, bei seiner Frau Hanni ist es dieses Jahr so weit. «Deshalb hören wir auf.» Da bis jetzt keine Nachfolgeregelung gefunden werden konnte, wird ab 1. September das gesamte Warenlager ausverkauft. «Es war schnell klar, dass unsere Kinder die Nachfolge nicht übernehmen; sie haben sich beruflich in eine ganz andere Richtung orientiert», erklärt der Vater eines Sohnes und einer Tochter sowie Grossvater zweier Enkelkinder. Das Ehepaar Dellenbach und die Milchgenossenschaft Wangen haben sich nach um eine Nachfolgeregelung bemüht, «doch es ist nichts in Aussicht».

Würde Urs Dellenbach denselben beruflichen Weg noch einmal gehen? «Warum nicht? Es hat sich so ergeben, es war schön und gut so – wenn auch mit sehr viel Arbeit verbunden. Unser Arbeitstag begann regelmässig – je nach Saison – um 3 oder 3.30 Uhr und dauerte bis um 19.30 oder 20 Uhr.» Für einen Kleindetaillisten wurde das Pflaster zum Überleben nach Aussagen von Urs Dellenbach ohnehin hart. «Um einen Betrieb starten zu können, muss man sehr grosse Investitionen tätigen können.»

Nach der Betriebsaufgabe in Wangen am Samstag, 20. September, machen Urs und Hanni Dellenbach «erst einmal eine Weile Urlaub. Wir hatten seit 25 Jahren keine Ferien mehr.» Danach wollen sie sich Zeit nehmen «für viele Hobbies. Alles andere ergibt sich. Wir haben viele Ideen im Kopf». Noch offen ist ihren Aussagen nach auch ihr zukünftiger räumlicher Lebensmittelpunkt, denn Urs und Hanni Dellenbach werden das Dorf bei Olten, in dem sie in den vergangenen knapp 40 Jahren durch viel harte Arbeit und lang anhaltendes Kundenengagement zu einer geschätzten Institution geworden sind, auch als Wohnort verlassen.

Gebäude verkaufen - aber Renovation nötig

Nach Angaben von Jürg Grütter, Verwalter der Milchgenossenschaft Wangen, hat diese das Gebäude in der Ey 1920 zur Nutzung als Milchannahmestelle gebaut. 1959 wurde es zum Verkaufsladen umgebaut und von Ernst Wingeier und seiner Familie als Betriebsleiter geführt. Als Nachfolger wurden 1977 Urs und Hanni Dellenbach angestellt. In den folgenden 14 Jahren lieferten neun Bauern ihre Milch an die Sammelstelle. 1991 waren es nur noch vier. Deshalb wurde die Sammelstelle aufgelöst und der Laden zum zweiten Mal umgebaut und vergrössert. 1997 wechselten Urs und Hanni Dellenbach vom Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit. Sie pachteten die Räumlichkeiten von der Milchgenossenschaft und betrieben das Geschäft unter den Namen «Chäslaube».

Die Zukunft des Gebäudes, das neben den Ladenräumlichkeiten mit Kühlzelle ein Lager im Keller und zwei Wohnungen im Obergeschoss enthält, ist nach dem Auszug von Urs und Hanni Dellenbach in drei Wochen noch völlig offen. Nach Angaben von Milchgenossenschaftsverwalter Jürg Grütter, dessen Familienbetrieb, die Grütter Treuhand AG, sich im Mandatsverhältnis um die Verwaltung der Liegenschaft kümmert, soll diese verkauft oder, als Option, vermietet werden. Der Kernpunkt ist laut Grütter folgender: «Es wäre schön, wenn wieder ein Laden im Gebäude betrieben würde. Doch damit ein solcher wirtschaftlich rentiert, müssten die Räume für rund 300 000 Franken renoviert werden. Deshalb ist die Suche nach einer Nachfolgeregelung bisher gescheitert.» Seit Sommer wird das Wohn- und Geschäftshaus im Internet auf der Homegate-Seite zum Verkauf angeboten; ein einziger Interessent hat sich bisher gemeldet. Nach Angaben von Jürg Grütter liegt es nicht daran, dass «die Leute nicht mehr arbeiten wollen. Es ist heute einfach nicht mehr wirtschaftlich, einen kleinen Dorfladen zu führen, weil vielen Betreibern der Umsatz fehlt, um den Mietzins für die Räume zu erreichen. Die Kunden kaufen heutzutage lieber in Zentren wie dem Gäupark ein.» (kas)

Abschiedsapéro Samstag, 20. September, ab 14 Uhr in der Chäslaube Wangen.