«An praktisch jedem Wochenende könnte ich jetzt zu einem Oldtimertreffen fahren», sagt Arthur Berger aus Kestenholz. Die Zahl solcher Treffen nimmt zu und es sind jeweils bis zu achthundert und mehr Traktoren aller Marken und Jahrgänge zu sehen. Seit der 69-jährige Landwirt pensioniert ist und sein Sohn David den Landwirtschaftsbetrieb Zelglihof führt, kann er sich intensiver um seine Oldtimertraktoren kümmern.

Deren fünf besitzt er: Einen Fahr D88, Jahrgang 1960, einen Hürlimann D200 Militär, Jahrgang 1952, zwei Hürlimann D100, Jahrgang 1947, sowie einen Lanz Bulldog HM8 Mops, Jahrgang 1923. Dieser hat nur einen Zylinder, der Treibstoff muss erst aufgeheizt werden, dann lässt sich die Maschine mit einem Schwungrad anwerfen, zudem hat er nur einen Vor- und Rückwärtsgang (siehe auch Box). «Nach so einem Mops habe ich lange gesucht und schliesslich in Polen einen gefunden, wo er dann auch restauriert worden ist», erzählt Berger.

Beeindruckt vom Können der damaligen Hersteller

Woher kommt die Liebe zu den alten Maschinen, wo doch auf dem Zelglihof sonst Traktoren neuster Generation im Einsatz sind? «Je mehr ich mich mit den alten Traktoren befasste, desto mehr war ich beeindruckt von deren Technik und vom Können der damaligen Hersteller», antwortet Berger. «Und die Traktoren haben etwas Eigenständiges. Bei den Hürlimann Traktoren zum Beispiel kam früher fast jedes Teil aus eigener Produktion oder wurde extra für die Marke hergestellt.»

Die Begeisterung für die Marke kommt nicht von ungefähr. Sein Vater Albert hatte im Jahr 1947 einen Hürlimann D100 erworben. Arthur lernte bereits als Fünfjähriger, damit zu fahren, was nicht so einfach war, wie er erklärt: «Um das Kupplungspedal zu drücken, musste ich mit beiden Beinen draufstehen.» Als Zwölfjähriger fuhr Arthur mit dem Traktor über den Passwang ins Baselbiet nach Wittinsburg in die Werkstatt für die Servicearbeiten. Es sei damals überhaupt nichts Besonderes gewesen, wenn ein Zwölfjähriger mit einem Traktor fuhr. «Auf einem Bauernhof mussten alle mithelfen, wo es ging.»

Auch nachdem Bergers ab Mitte der 1960er-Jahre einen neueren Hürlimann am Laufen hatten, behielt man den alten Traktor für kleinere Arbeiten. «Ich brachte es nicht fertig, ihn wegzugeben», sagt Arthur Berger, «er lief immer so schön.»

Wiese mähen und «z’Acherfahre»

Noch heute ist er bestens im Schuss, so wie die anderen vier Oldtimer auch. Die beiden Hürlimann D100 werden denn auch regelmässig eingesetzt. Mit dem einen mäht Berger nach wie vor die Öko-Wiesen, den anderen nutzt er fürs «z’Acherfahre», beziehungsweise zum Pflügen. Neben der Pflege des Materials gehört jene des Austausches unter den Oldtimerbesitzern zur Leidenschaft dazu. Dafür nutzt Berger einerseits die Versammlungen des Hürlimann-Clubs Schweiz und die Oldtimertreffen.

Grosse Distanzen zu den Treffen spielen keine Rolle, oft werden sie mit den Originalmaschinen zurückgelegt. Ist da ein Traktor mit seinem Tempo von 20 Kilometern pro Stunde kein Verkehrshindernis und sorgt für Ärger? «Nur ganz selten», antwortet Berger, «meistens freuen sich die Leute und winken einem zu.» Als er jüngst mit drei Oldtimern an einem Treffen im schaffhausischen Wilchingen teilnahm, transportierte er die Maschinen jedoch auf einem Tieflader.