Pfarrei
Muss Mümliswil definitiv ohne einen geweihten Pfarrer auskommen?

Pater Andrzej Lampkowski verlässt die Pfarrei Mümliswil-Ramiswil ein Jahr früher als erwartet. Die Suche nach einem neuen Priester läuft. Doch Illusionen möchte man sich keine machen.

Alois Winiger
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Pater Andrzej Lampkowski: Er geht bereits etwas früher als erwartet.

Pater Andrzej Lampkowski: Er geht bereits etwas früher als erwartet.

Zur Verfügung gestellt

Gross war die Freude, als im Herbst 2009 Pater Andrzej Lampkowski die Seelsorge der Pfarreien Mümliswil und Ramiswil übernahm. Damit waren die Befürchtungen ausgeräumt, das Dorf müsste nach dem Weggang von Pfarrer Werner Maria Reichlin ohne geweihten Priester auskommen. Doch jetzt könnte es definitiv soweit kommen, denn Andrzej Lampkowski wird die Gemeinde auf kommenden Sommer wieder verlassen. Der Weggang kommt rund ein Jahr früher als angekündigt, hiess es doch 2009, er bleibe für mindestens fünf Jahre. Dagegen steht nun im «Kirchenblatt», der Einsatz sei spätestens nach fünf Jahren beendet.

«Menschen kommen und gehen»

Ob nun ein Jahr früher oder später – der Abgang des Seelsorgers war vorauszusehen. Andrzej Lampkowski ist Mitglied der ordensähnlichen Schönstattgemeinschaft und diese hat den Pater dem Bistum Basel für eine befristete Zeit zur Verfügung gestellt. «Menschen kommen in unsere Pfarrei und gehen wieder weiter. So gehts auch bei den Seelsorgern», schreibt Gudula Metzel, Regionalverantwortliche der Bistumsregion St. Verena, im «Kirchenblatt».

Wäre es für Andrzej Lampkowski denkbar gewesen, in Mümliswil zu bleiben? «Diese Frage stellt sich gar nicht für mich», antwortet er. «Ich gehöre zur Schönstattgemeinschaft und diese hält für ihre Mitglieder sehr vielfältige Aufgaben bereit. Mein Auftrag hier ist nun halt etwas früher zu Ende.» In diesem Sinne versteht auch die Kirchgemeindepräsidentin Irmgard Bürgi den Wechsel. «Für uns steht nun im Vordergrund, wie es weitergeht. Dass wir wieder jemanden bekommen für die Seelsorge. Wegen eines Priesters machen wir uns keine Illusionen, aber hoffen darf man immer.»

«Was, kein Pfarrer mehr?»

Es ist doch eigenartig: Praktisch jeder weiss etwas zur
katholischen Kirche zu sagen. Und als jüngst der neue Papst gewählt wurde, spielte die halbe Welt verrückt. Wird in einer Gemeinde angekündigt, dass die Pfarrerstelle nicht mehr besetzt werden kann, äussern sich die Leute schnell einmal enttäuscht bis empört: «Was, wir bekommen keinen eigenen Pfarrer mehr?»

Die Befürchtungen laufen meist darauf hinaus, dass in einem entscheidenden Moment des Lebens wie Taufe, Heirat oder Begräbnis kein «richtiger» Pfarrer da sein könnte. Man müsste dann allenfalls mit den Diensten eines Laienseelsorgers oder einer Laienseelsorgerin vorlieb nehmen. Man wird sich daran gewöhnen müssen, dass eine Kirche im Dorf nicht vorneweg bedeutet, dass da auch ein Pfarrer als Seelsorger wirkt. Vorbei auch die Zeiten, in denen ein Seelsorger auf Lebzeiten derselben Pfarrei treu bleibt. Auch in diesem Beruf sind Wechsel üblich.

Und schliesslich: Wo sind all diese Leute, die das Fehlen des Pfarrers beklagen, wenn in der Kirche sonntags Gottesdienst gefeiert wird - an einem ganz gewöhnlichen Sonntag, wenn nicht eine Mozart-Messe, dargeboten von grossem Chor und Orchester, der Grund für den Gang in die Kirche ist?

Gehofft hatte man 2009 ferner, dass der Pastorale Entwicklungsplan (PEP) bis 2014 umgesetzt sei für den Pastoralraum mit den Gemeinden Mümliswil-Ramiswil, Holderbank, Langenbruck und Balsthal. «Dieser Plan ist unter anderem genau dazu da, personellen Problemen zu begegnen», erklärt Toni Bucher, Pfarrer in Balsthal und Projektleiter des Pastoralraums. «2014 wird der Plan allerdings nicht umgesetzt sein, die Aufgaben sind viel zu komplex.» In Bezug auf Mümliswil meint Bucher: «Der grosse Mangel an geweihten Priestern ist eine Tatsache. Man muss kein Prophet sein, um zu sehen, wie gross die Chancen sind, dass in Mümliswil wieder auf Dauer ein geweihter Priester stationiert sein wird.» Aber dass die Seelsorge gewährleistet sein müsse, sei klar. In der Pfarrei Mümliswil-Ramiswil sind derzeit rund 1600 Katholiken registriert.

Nach Ostern werden die Verantwortlichen für den genannten Pastoralraums und des Bistums die Lage in Mümliswil beraten. Eines schickt Pfarrer Toni Bucher voraus: «Die Leute in den Pfarreien werden Veränderungen in Kauf nehmen müssen. Es hat nicht mehr jede Pfarrei ihr eigenes Gärtli.» Aber es wäre schade, wenn sich Gläubige wegen des Priestermangels aus der kirchlichen Gemeinschaft ausklinken würden. «Im Gegenteil, der Mangel sollte dazu anspornen, selber eine Aufgabe in der Pfarrei zu übernehmen.»

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