Kestenholz
Muss CVP Präsidium nach 101 Jahren abgeben?

Kestenholz Die klar wählerststärkste Partei hat noch keinen Nachfolger für Gemeindepräsident Roger Wyss gefunden.

Erwin von Arb
Merken
Drucken
Teilen
Will Gemeindepräsident werden: Arno Bürgi zvg

Will Gemeindepräsident werden: Arno Bürgi zvg

Wenn es der CVP nicht gelingt, bis kommenden Montag um 17 Uhr einen Kandidaten für das Gemeindepräsidium zu finden, verliert die klar wählerstärkste Partei im Dorf nach 101 Jahren das Gemeindepräsidium (vgl. Kontext). Auf Anfrage musste Parteipräsident Reto Bürgi einräumen, dass der Kandidat der CVP für das Gemeindepräsidium dem Parteivorstand am Donnerstagabend einen Korb gegeben hat.

Im Vorfeld der Gemeinderatswahlen vom 14. April war Bürgi noch zuversichtlich, dass seine Partei einen Kandidaten für den nach zwei Amtsperioden nicht mehr zur Wahl antretenden Gemeindepräsidenten Roger Wyss finden wird. «Schliesslich besetzen wir im Gemeinderat fünf der neun Sitze», meinte er damals zum Anspruch seiner Partei auf das Gemeindepräsidium. Zwei Sitze hat neu die FDP, die SP einen. Die SVP ist nicht mehr im Rat vertreten.

Dass die CVP gestärkt aus den Gemeinderatwahlen hervorging, sie konnte ihren Wähleranteil von 42,7 auf 47 Prozent steigern, ist für den Parteipräsidenten mit Blick auf den fehlenden Kandidaten ein schwacher Trost. Denn nun muss er sich mit dem Gedanken anfreunden, dass die 101 Jahre dauernde Ära mit CVP-Gemeindepräsidenten abrupt enden könnte.

Noch sei es aber zu früh, die Flinte ins Korn zu werfen. «Wir haben bis kommenden Montag um 17 Uhr Zeit, und diese werden wir nutzen», kündigt der CVP-Präsident an. Die Chance, bis zum Anmeldeschluss für die Beamtenwahlen vom 9. Juni doch noch einen Kandidaten aus dem Hut zu zaubern, schätzt Bürgi aber als gering ein. Wenn alle Stricke reissen sollten, schliesst er nicht aus, dass die CVP zumindest einen Kandidaten fürs Gemeindevizepräsidium stellen könnte. «Darüber haben wir bislang noch nicht geredet.»

Falls die CVP bei ihrer Suche erfolglos bleibt, würden die Chancen von Gemeindevizepräsident Arno Bürgi von der Freien Liste steigen, neuer Gemeindepräsident von Kestenholz zu werden. Der 41-Jährige trat bereits vor vier Jahren gegen Roger Wyss von der CVP an und unterlag diesem erst im zweiten Wahlgang. Arno Bürgi bekräftigt auf Anfrage, dass er gewillt sei, als Gemeindepräsident zu kandidieren, die Anmeldung bei der Gemeindever-
waltung sei aber noch nicht erfolgt. Bei einer allfälligen Wahl will er die vom Gemeinderat aufgegleisten Projekte mit Ortsplanungsrevision sowie den Ausbau der Schul- und Sportanlagen weiter vorantreiben.

Keine Ansprüche erhebt die von 17 auf 23,3 Prozent erstarkte FDP, wie Parteipräsident Viktor Meier dazu ausführt. «Wir freuen uns zuerst einmal über unser gutes Abschneiden an den Wahlen und den Gewinn eines zweiten Sitzes im Gemeinderat.» Jetzt schon an das Gemeindepräsidium zu denken, hält Meier für unangemessen. «Wie werden keinen Kandidaten aufstellen, dafür reicht auch die Zeit nicht mehr aus». Arno Bürgi könne sich durchaus als Gemeindepräsident vorstellen. «Wichtig ist für mich, dass der Gemeinderat ein gutes Team ist, das Sachpolitik betreibt.»

Ob sich das auch altgediente CVP-Mitglieder vorstellen können, wird sich bis kommenden Montag zeigen. Im Dorf hält nämlich hartnäckig das Gerücht, dass die CVP damit liebäugle, einen ehemaligen Gemeindepräsidenten zu reaktivieren. Parteipräsident Reto Bürgi winkt darauf angesprochen ab: «Davon weiss ich nichts.»