Obschon Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi bei den Swiss Awards in der engeren Wahl zur Schweizerin des Jahres stand und sich daher für den Besuch entschuldigen liess, fanden dennoch viele Egerkingerinnen und Egerkinger den Weg in die Mühlematt-Halle, um sich von den hochstehenden musikalischen Darbietungen ihrer «Konkordia» erneut überzeugen zu lassen.

Doch nicht nur die Einheimischen konnte Vereinspräsidentin Barbara Junker-von Arx bei ihrer Begrüssung willkommen heissen, sondern auch viele Vereinsdelegationen aus der näheren und weiteren Umgebung.

Der Start ins Jubiläumsjahr gelang vorzüglich. Den weitern Auftritten und Herausforderungen darf der Jubilar mit berechtigter Zuversicht entgegen schauen. Im Leitbild des 125-jährigen Vereins steht unter anderem «Das musikalische Niveau fördern».

Diese Vorgabe wurde in den letzten Jahren konsequent befolgt und umgesetzt. Einen ersten Beweis dafür wurde mit dem Eröffnungsstück «Thus do you fare, my Jesus», einer Transkription von Alfred Reed, erbracht.

Bereits mit diesem ersten Vortrag, dem unverkennbar die Musik von Johann Sebastian Bach zugrunde liegt, konnte ein breites Spektrum des Könnens aufgezeigt werden.

Gastdirigent mit Masterprüfung

Für den zweiten Vortrag übergab Maestro Carlo Balmelli den Taktstock dem Gastdirigenten Daniele Giovannini. Der 1988 in Tesserete (TI) geborene Musiker ist in der Endphase seines Musikstudiums an der Hochschule Luzern, wo er bereits den Bachelor of Arts in Music– Wind Band Conductin erreicht hat.

Sein Gastdirigat in Egerkingen war somit nichts anderes als die eigentliche Meisterprüfung. Michael Nünlist, der wiederum durchs Programm führte, gab informative Hinweise auf Franco Cesarinis Komposition «Mosaici Bizantini».

In diesem dreisätzigen Zyklus, zu welchem byzantinische Mosaiken der Kirchen von Venedig und Palermo die Inspiration lieferten, bilden gregorianische Gesänge das musikalische Material.

Den Mosaiken liegen drei Stellen aus dem Matthäusevangelium zugrunde, über die Geburt Jesu, den Tempel von Jerusalem und die Engel der Auferstehung. Die Vorstellung des Komponisten wurde vom Dirigenten zusammen mit «seinen» Interpreten meisterhaft und ohne die geringste Nervosität umgesetzt.

Weit fortgeschrittene Vorbereitung

Mit dem Besuch des Tessiner kantonalen Musikfestes in Bellinzona am 7. Juni will sich die «Konkordia» ein eigenes Geburtstags- oder Jubiläumsgeschenk machen. Das dort zur Aufführung gelangende Selbstwahlstück «Give us this Day» vom 1943 in den USA geborenen Komponisten David Maslanka wurde am Jahreskonzert erstmals vor grossem Publikum aufgeführt.

«Wir dürfen uns auf ein fantastisches Werk freuen», sagte Michael Nünlist und er versprach nicht zu viel. Wieder unter der Leitung von Carlo Balmelli erlebte die Zuhörerschaft einen absolut harmonischen und interessanten Vortrag.

Das Werk ist gespickt von überraschenden Effekten, teil auch mystischen Klängen und wird durch den Einbezug eines E-Pianos wirkungsvoll unterstützt. Bedenkt man, dass bis zum Wettbewerbsauftritt im Juni noch viel Zeit zur Verfügung steht, darf man nach dem letzten Feinschliff auf eine erfolgversprechende Benotung nicht nur hoffen, sondern gar erwarten können.

Pulcinella ist ursprünglich eine Figur aus dem süditalienischen und neapolitanischen Volkstheater. Diese Figur, bei uns als Hanswurst oder Kasper bezeichnet, welche ab dem 17. Jahrhundert allmählich von der Bühne verdrängt wurde, hat unverkennbar musikalische Spuren hinterlassen.

Ray Sciberras hat jedenfalls unter dem Titel «Pulcinella» eine heitere und fröhliche Komposition geschaffen. So etwas wie Jahrmarktstimmung im Mittelalter vermochte die Konkordia auf schalkhafte und tänzerische Weise mit ihrer Wiedergabe zu erzeugen und fand entsprechend frohen Beifall.

«Der Zauberer von Oz» begeisterte

In der Folge betrat wieder der Gastdirigent die Bühne. Unter seiner Leitung gelangte «The Wind in the Willows» von Johan de Meij zur Aufführung. In dieser viersätzigen Komposition wird zuerst das ruhige Fliessen eines Flusses (The River) dargestellt, dann liefern sich zwei ähnliche und doch unterschiedliche Tiere wie Ratte und Maulwurf eine spannende Begegnung (Ratty and Mole) wobei auch der dritte und vierte Satz (Mister Toad und Return of Ulysses) vom Blasorchester sehr bildhaft und teils experimental dargestellt wurde.

Auch zum Programmschluss durfte nochmals der Gastdirigent «an die Arbeit». «The Wizard of Oz», ein Arrangement von James Barnes, stand als Letztes auf dem Programm. Unter dem Titel «Der Zauberer von Oz» wurde der 1939 mit Judy Garland in der Hauptrolle entstandene US-amerikanische Musicalfilm auch im deutschsprachigen Raum bekannt und zählt in den USA bis heute zu den bekanntesten Filmen überhaupt.

Chefdirigent Carlo Balmelli liess es sich bei dieser ebenfalls tollen Aufführung nicht nehmen, ganz diskret im Hintergrund als Perkussionist zu wirken. Noch mehr in Erscheinung trat hingegen Elmar Kremsa als Solist auf der Tuba, der sogar das musikalische Duell mit der Flöte aufnahm.

Das begeisterte Publikum gab sich auch nach dem vermeintlichen Schlusstakt nicht zufrieden, Zugaben waren unumgänglich. Dem Wunsch wurde entsprochen: Mit «Caribbean Hideaway» von James Barnes vermochten die Musikantinnen und Musikanten der «Konkordia» die ohnehin schon heitere Stimmung sogar noch zu steigern. Ganz zum Abschluss durfte der Gast aus dem Tessin, Daniele Giovannini, noch den «Solothurner-Marsch» von Stephan Jäggi dirigieren.

Zwei mit Blumen beschenkte Tessiner, einerseits der Gastdirigent und zum andern der eigentliche Maestro Carlo Balmelli, konnten sich beim sich mit Beifall nicht zurückhaltenden Publikum verabschieden.

Doch auch sämtliche Ausführenden in den Reihen der Konkordia durften ein grosses Lob für ihre erneut grossartigen Leistungen für sich beanspruchen. Der Start ins Jubiläumsjahr ist geglückt. Auf weitere Glanzpunkte darf man sich nicht nur im Gäu, sondern auch in der weiteren Region nur freuen.