Mümliswil

Musikgesellschaft Konkordia trotzt der 60er-Jahre-Sittlichkeit

Zur Schlussszene stehen gleich alle Schauspieler auf der Bühne. Noch probehalber, doch bald gilt es ernst für die Konkordia Mümliswil.

Zur Schlussszene stehen gleich alle Schauspieler auf der Bühne. Noch probehalber, doch bald gilt es ernst für die Konkordia Mümliswil.

Die Musikgesellschaft Konkordia lädt um Neujahr zum Theater ein.

«Spanische Fliege» – ist damit eine besondere Variante des Kleidungsstücks gemeint oder ein Insekt aus Spanien? Diese Frage wird alsbald im gleichnamigen Theaterstück beantwortet – und es ist nichts von beidem.

Agglomeration Zürich in den späten Sechzigerjahren: Ludwig Jucker (Dani Nussbaumer) ist ein angesehener und leidenschaftlicher Senffabrikant, seine resolute Frau Emma (Anna Probst) ist Vorsitzende im hiesigen Sittlichkeitsverein.

Die 20-jährige Tochter Paula (Nicole Eggenschwiler) ist im heiratsfähigen Alter und hat sich bereits einen Kandidaten auserkoren – Rechtsanwalt Dr. Fritz Gerber (Patrick Bader), mit dem sie sich heimlich trifft. Als die Mutter Wind davon bekommt, gerät sie völlig ausser sich: «Das kommt nicht infrage!»

Gipfel der Verworfenheit

Dagegen sprechen mehrere gute Gründe. Laut den Nachforschungen von Emmas Schwager, Alois Wimmer (Christian Meister), auch Mitglied im Sittlichkeitsverein, habe Gerber in den letzten acht Jahren sechs Liebschaften gehabt, unter anderem mit einer Tänzerin und einer Varieté-Sängerin. Da läuten bei der sittenliebenden, aber wenig zurückhaltenden Emma Jucker alle Alarmglocken. Zumal sie auch schon andere Pläne für ihre Tochter schmiedete.

Sie soll nämlich den Sohn von Kantonsrat Mauderli (Stefan Schnidrig) und seiner Frau Mathilde (Sigi Hänggi) heiraten. Emma muss diesen Skandal gleich ihrem Bruder Eduard Burger (Rolf Minder) erzählen, was er ebenfalls als «Gipfel der Verworfenheit» bezeichnet.

Seine Tochter Wally (Patricia Vögtlin) hingegen unterstützt ihre Cousine Paula. Ludwig hat auch seinen Grund, warum er dieser Verbindung nicht zustimmen will. Da ausgerechnet Gerber der Rechtsanwalt in einem Prozess gegen den Senffabrikanten ist: «Mi schlohts übere Huufe!», entrüstet sich der temperamentvolle Ludwig.

Sohn als Schwiegersohn?

Die Stimmung ist aufgeheizt im Hause Jucker. Der Hausherr hat nämlich noch ein Geheimnis zu verbergen. Die belastenden Akten übergibt er seinem tollpatschigen Freund Anton Werfeli (Manfred Nussbaumer), mit dem Auftrag sie dem Anwalt zu überbringen – die Frage ist nur welchem. Nun taucht bereits der von Emma ausgewählte und äusserst «verschüpfte» Heiratskandidat Willi Mauderli auf – sehr überzeugend von Michel Schmid gespielt.

Für Ludwig ist dieser Kandidat erst recht keine Option, da es sein unehelicher Sohn sein könnte. Und als Wally in die Bresche springt für ihre Cousine, ist das Chaos perfekt. Der selbstbewusste Rechtsanwalt weiss, was er will, und lässt sich nicht so leicht von Herrn und Frau Jucker abwimmeln. Er weiss auch, wie er Paula trotz allem heiraten kann, hat er doch ein überzeugendes Druckmittel in den Händen. Bis dahin wird Emma jedoch noch öfters rot anlaufen und Ludwig seine Fassung verlieren.

Dafür leben

Im Stück geht es teilweise sehr rasant und heftig zu. Während dreier Akte stehen insgesamt elf Personen auf der Bühne. «Das ist interessanter fürs Publikum», erklärt Regisseur Ernst Bader, der seit dem Jahr 2000 Regie führt für die Stücke der Musikgesellschaft Konkordia.

Vor der Regie habe er selber schon in frühen Jahren Theater gespielt: «Ich habe immer Freude daran gehabt», erzählt Bader. Mit den Proben habe man vor etwa zweieinhalb Monaten begonnen, erst mit Lesen, danach mit Standproben auf der Bühne. «Das geht allerdings nur, wenn man keinen Text mehr in den Fingern hält. Sonst kann man nicht spielen», weiss der Regisseur. Er gebe zuletzt immer die Anweisung, das Drehbuch unters Kopfkissen zu legen, wofür er ab und an ausgelacht werde. Doch er weiss: «Man muss es leben.»

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