Fulenbach
Motto der FrauenArt: «Kunst macht glücklich»

Die FrauenArt in Fulenbach lockte viel Publikum von nah und fern an – auch die «Männerkunst»-Ausstellung gefiel. Das Motto «Kunst macht glücklich» wurde bei der Ausstellung verfolgt.

Karin Schmid
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Interessante Frauengeschichtenrunde vor vollem Chäsiplatz mit Volkskundlerin Elisabeth Pfluger
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FrauenArt in Fulenbach
Doris Althaus und Valentina Cantor (hinten) an der Arbeit vor und mit Ausstellungsbesuchern
Regierungsrätin Esther Gassler: «Frauen und Kunst – ein spezielles Wagnis.» kas
Actionpainting mit der Fulenbacher Künstlerin Judith Nussbaumer
Franz Anatol Wyss (rechts) lud gleichzeitig im Kunstraum «Tuch und Konfektion» zu einer Kunstausstellung mit Werken aus seinem Sammlungsbestand.

Interessante Frauengeschichtenrunde vor vollem Chäsiplatz mit Volkskundlerin Elisabeth Pfluger

BRUNO KISSLING

Nach der ersten Ausgabe 2012 war auch die zweite FrauenArt ein voller Erfolg. Besucherinnen und Besucher von nah und fern liessen sich inspirieren vom abwechslungsreichen Kunst- und Kulturangebot in anregender, familiärer, gemütlicher Fulenbacher Atmosphäre.

Auch Franz Anatol Wyss konnte sich bei seiner gleichzeitig veranstalteten «Männerkunst»-Ausstellung über das Interesse vieler FrauenArt-Gäste freuen. Ihm sei im Vorfeld klar gewesen: «Wenn Claudia Brander die FrauenArt veranstaltet, zeige ich Männerkunst», schmunzelte Wyss, fügte dabei jedoch an, dass seine Ausstellung «überhaupt nicht als Konkurrenz zu Claudias» gedacht war. Ihm gefiel die Kombination. «Wir konnten damit mehr Leute anlocken, auch von weiter her.»

Zu Kulturort des Kantons geworden

Fulenbach habe sich im Kanton Solothurn zu einem Kulturort entwickelt, stellte Esther Gassler bei ihrer Ansprache fest. Die Regierungsrätin bezeichnete die Alte Chäserei während der FrauenArt als «Schauplatz vieler wunderbarer Begegnungen. Wir entdecken Neues, führen gute Gespräche und vertiefen bestehende und knüpfen neue Freundschaften». Es sei nur in Fulenbach möglich, innerhalb kurzer Zeit am selben Wochenende zwei Anlässe wie die FrauenArt und die «Männerkunst»-Ausstellung von Franz Anatol Wyss zu veranstalten.

Frauen und Kunst oder Frauen in der Kunst – dies sei ein unterschiedlich wahrgenommenes Phänomen und spezielles Wagnis. Esther Gassler nannte bei ihrem Rückblick in die Kunstgeschichte als Beispiel Angelika Kauffmann, eine 1741 geborene Künstlerin, die an damalige Adelshöfe reiste und Geistesgrössen und politisch Einflussreiche porträtierte. «Sie erstaunte die Welt und war sehr erfolgreich.» Gassler stellte ihr Frauen gegenüber, die in der Zeit der Nazi-Diktatur aufgrund ihrer künstlerischen Aktivitäten im Schatten ihrer Männer lebten, weil sie damit rechnen mussten, ausgegrenzt, beschimpft, verfolgt oder gar ermordet zu werden.

Die Regierungsrätin nannte als Beispiel die Grenchnerin Frida Stamm, eine bildende Künstlerin, die heuer 101-jährig würde. Sie habe im Geheimen gemalt und Geschichten geschrieben – als Folge einer «ausweglosen Einsamkeit», denn Stamms Ehemann, ein erfolgreicher Erfinder und Techniker in der Uhrenindustrie, hätte nach Überzeugung von Frieda Stamm kein Verständnis für ihre künstlerischen Aktivitäten gezeigt. «Erst nach dem Tod ihres Mannes begann sie zu leben», so Gassler.

Diese Geschichte zeige, dass «gerade die FrauenArt für jede Kunstschaffende, die hier ausstellt, aus ihren Schriften liest und musiziert, sehr wichtig ist», betonte Esther Gassler. «Diese Veranstaltung bewirkt sicher, dass niemand von ihnen in die Einsamkeit einer Frieda Stamm versinkt. Denn niemand weiss, ob er oder sie die Kraft aufbringt, sich in eine künstlerische Parallelwelt zu retten. Und wir, die keine Künstlerinnen sind, können unsere Sinne schärfen, uns mit Ungewohntem und Unerwartetem auseinandersetzen, unsere Sinne erfreuen und wegtauchen aus der Alltagswelt.»

«In jedem Werk tiefstes Gefühl»

Wenn Frauen Kunst machen, dann tun sie, sich oft in der Arbeit für Familie oder Beruf verlierend, am Rande, sagte Claudia Brander, Betreiberin der Alten Chäserei und Veranstalterin der FrauenArt, und ging auf deren Motto, «Kunst macht glücklich», ein. Eine Künstlerin sei zufrieden bei der Arbeit mit Materialien. Hingegen negative Gefühle entstünden, wenn ein Werk misslinge oder Kritik ernte. «Kreativität erleben ist faszinierend. Man kann dabei abtauchen, alles fliessen lassen, ist fast wie im Rausch.»

Die 20 FrauenArt-Künstlerinnen hätten diese Leidenschaft gemeinsam, so Brander. «In jedem Werk steckt das tiefste Gefühl, dass ein Künstler geben kann.» Doch bei der Kunst gehe es nicht allein um Begabung. Es brauche auch die – finanzielle – Unterstützung anderer. Trotzdem: «Die FrauenArt-Ausstellung zeigt, dass Kunst etwas ist, das glücklich macht.»