Scheltenpass

Mord am «Wahlestich»: An diese Geschichte erinnert das Kreuz an der Scheltenstrasse

Noch heute ist das alte Wegkreuz am sogenannten «Wahlestich» an der Scheltenpassstrasse zu sehen. Manchen schauderts immer noch.

Noch heute ist das alte Wegkreuz am sogenannten «Wahlestich» an der Scheltenpassstrasse zu sehen. Manchen schauderts immer noch.

An eine alte Mordgeschichte, die sich in unruhigen Zeiten um das Jahr 1794 ereignet haben soll, erinnert bis heute ein Kreuz an der Scheltenstrasse.

Noch heute begegnet man im hinteren Guldental, im Bereich des sogenannten «Wahlestich» einem grossen Holzkreuz auf einem steinigen Mätteli. Es wird erzählt, dass dieses Kreuz nach einem Mordfall aufgestellt wurde. Im Jahr 1938 veröffentliche Pfarrer Werner Liechti einen Roman zu dieser Geschichte: «Der Wahlestich». In Auszügen wird die Geschichte hier wiedererzählt.

Es geschah um das Jahr 1794 im Guldental. Es waren die unruhigen Zeiten damals, die Unruhen der Französischen Revolution sorgten auch bei uns für Unsicherheiten. Besonders die Priester wurden verfolgt und viele mussten fliehen. Die einheimischen Bauern beargwöhnten diese Flüchtlinge und begannen selbst, sich immer mehr gegen ihre Vögte aufzulehnen.

Doch die junge Magd Anneli wusste nicht viel davon. Sie arbeitete von früh bis spät in der Küche und in der Wirtschaft ihrer Verwandten in der Glashütte im Guldental. Anneli wurde umschwärmt von Franz Josef, einem rechtschaffenen Arbeiter der Glashütte. Er machte ihr auf seine scheue Art den Hof, denn er war selbst ein Verdingbub und konnte ihr nicht viel bieten. Anneli erwiderte die Liebe zu Franz Josef. Noch war alles sehr zart und lief im geschützten Rahmen der Gemeinschaft ab.

Ein ganz anderer Typ war der Wahler Köbi. Einer, der aus dem Dorf Wahlen stammte und sich auch im Guldental herumtrieb. Er begehrte das Anneli ebenso und war eifersüchtig auf Franz Josef. «Hör auf mit dem Meitschi zu karisiere», befahl er Franz Josef. Doch dieser meinte nur: «Das geht dich nichts an. Hüte dich vor solchen Frechheiten.»

Das Verlangen im Blute

Der Wahler Köbi war unzufrieden mit sich und der ganzen Welt. Zitat aus dem Buch: «Zudem, wie es sich immer zusammentrifft, hatte er Verlangen im Blute. Es schäumte und brandete in seinem Innern und verlangte nach Lösung dieser Qual. Er war im ganzen Tal dafür bekannt. Wo er nur Gelegenheit fand, war er den Mädchen auf der Pirsch. Er wollte unbedingt ihre Zuneigung gewinnen.» Es kam so weit, dass Köbi versuchte, das Anneli zu vergewaltigen. Er wurde aber entdeckt und des Hofes verwiesen. Anneli sagte ihrem Franz Josef nichts von diesem Ereignis. Es schämte sich und gab sich selber die Schuld, dass es so gekommen war.

Köbi aber schwor Rache gegen die Demütigung; gegen jene, die ihn davonjagten. Insbesondere wollte er es dem Franz Josef zeigen, den er als die Ursache für sein Unglück ansah. Dazu kam, dass Köbi zusammen mit Kollegen aus dem Schwarzbubenland immer mehr den umstürzlerischen Gedanken aus Frankreich anhing, welche die alte Ordnung mit Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ersetzen wollten. Wegen seiner aufrührerischen Reden sollte er vom Vogt festgesetzt werden. Soldaten suchten nach ihm.

«Ich wills ihm zeigen»

Köbi floh zusammen mit seinen Freunden Richtung Passwang. Doch kurz vor der Barrenfluh überlegte er es sich anders und verliess seine Kumpane mit den Worten: «Ich wills ihm zeigen.» Er kehrte zurück ins Guldental. Bei der Kohlegrube russte er sich sein Gesicht ein, doch als er bei einem Hof am Brunnen Wasser trank, wurde er von einem Melker gesehen und erkannt.

Franz Josef, der unterdessen sein Anneli nach einem Kirchgang nach Hause begleitet hatte, war unterdessen auf dem Weg retour Richtung Ramiswil. Vom «Wahlestich» her, wo heute das Kreuz steht, wurde von den Soldaten, die dem Köbi auf der Spur waren, Lärm und Grollen gehört. Als sie mit anderen Einheimischen beim Ort ankommen, finden sie Franz halbtot in seinem Blut.

Ein grosser Stein liegt neben ihm auf der Wiese, der vorher nicht dort war. Ein Felssturz hatte sich ereignet. Franz Josef haucht seinen letzten Satz: «Köbi ... ich verzeihe dir. Anneli ...». Die Soldaten finden am Tatort ein Messer sowie den Hut des Wahler Köbi. Liegt der Köbi seither unter dem Fels? Bis heute weiss es niemand.

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