Diese Viehschau ist längst nicht nur ein Wettbewerb zwischen den Bauern, sondern auch ein Schauspiel für die gesamte Bevölkerung. Mit Blumen geschmückt ziehen die Kühe mit Treicheln und Glocken zum Schauplatz Mittler Passwang und tauchen aus dem Nebel auf.

Es herrscht ein reges Treiben um und zwischen den Kühen. Putzen, bürsten, schamponieren und sprayen. Makeup? «Nur ein bisschen», gibt Beat Lisser, Mittler Passwang, zu. Es mache halt mehr Gattig. Einen sehr guten Eindruck machen sie alle, die aufgeführten Tiere. Die teils 12 kg schweren Treicheln haben ihnen die Bauern bereits abgezogen. «Nein, die Kühe sind nicht schwerhörig», sagt einer, der es wissen muss. Roland Zemp, Unter Passwang, ist in der Treichlergruppe Juragruess und sein Gehör scheint ebenfalls bestens zu funktionieren. Um das herauszufinden, bedarf es keiner Studie.

Alle Jahre komme sie an die Viehschau auf dem Passwang. Erika Dobler, Mümliswil, schätzt das ganze Drum und Dran – besonders die vielen Kühe und deren Schmuck. «Man trifft sich hier an der Viehschau», so Dobler und man solle schauen, dass die Viehschau erhalten bleibt. Denn die Bauern würden sich viel Mühe geben. Viel Gutes gehe jedoch heute verloren. «Die Besucherzahl zeigt ja, dass solche Anlässe gerne besucht werden.» Franz Walser, Präsident des Viehzuchtvereins Passwang, schätzt, dass mehr Leute die Schau verfolgten als noch letztes Jahr. «Die meisten Besucher kommen wegen der Züglete», so Walser.

Monalisa, Daisy oder Melba heissen die schönsten Kühe auf dem Platz. Jedes einzelne Tier wird den Schauexperten Walter Werner, Riedholz, Beat von Felten, Kestenholz, und Fritz Ramseier, Kyburg-Buchegg, präsentiert. Jede Kuh wird punktiert. Die Experten vergeben jeweils bis zu fünf Punkte für die Merkmale Rahmen (Körperbau), Fundament (Beine), Euter und Zitzen. Zusätzlich erfolgt die Einteilung in Qualitätsklassen mittels einer Gesamtpunktzahl von 80 bis 98 Punkten. Eine Ehre für die Bauern ist es, eine 98er-Kuh im Stall stehen zu haben. Und eine Freude für den Experten, solche Tiere zu richten. Als eine «besondere Klasse» bezeichnet von Felten die Kühe der Kategorie mit vier und mehr Laktationsabschlüssen. Alle erreichten 98 Punkte, ihnen voran die Blitz-Tochter Binia von Adolf Zemp, Unter Passwang. Trotz der nicht immer einfachen Aufgabe der Schauexperten kommt es laut Fritz Ramseier selten zu direkter Kritik an deren Arbeit. «Heute sind die Bauern diesbezüglich offener.» Werner Walter ergänzt, dass sich die heutigen Viehzüchter den Erfolg gönnen.

Auf dem Mittler Passwang gönnt man sich nicht nur den Erfolg, man hilft sich auch gegenseitig. Darüber freut sich besonders Ueli Kamber, Ober Passwang. «Kunterbunt gemischt», sei diese Viehschau. Vom Holstein, Red-Holstein über Swiss Fleckvieh bis hin zur Reinzucht, den Simmentalern, auf dem Schauplatz Mittler Passwang ist alles zusammen. Und besonders prächtig anzusehen die Simmentaler-Kühe mit ihren geschwungenen Hörnern. Doch aufgepasst, längst nicht alle Simmentaler haben Hörner, einige sind genetisch hornlos. Geerbt haben die Kühe diese Laune der Natur von ihrem Vater. Die genetisch hornlosen Kühe ziehen Besucher an. Aus Barzheim SH angereist ist Koni Rühli. Der Viehzüchter möchte schauen, wie die genetisch hornlosen Kühe aussehen. Schliesslich habe er bereits einen Stier und zwei Kühe von Adrian und Ueli Kamber gekauft. Wer weiss, vielleicht komme es noch zu einem Handel.